Christian Buggischs Blog

„Über Internet und echtes Leben“ ist das heute in der Blickrolle zu beäugende Blog von Christian Buggisch betitelt.  Ein weites Feld also, das der Autor auch abwechslungsreich beackert.  Meinung wechselt mit Lehrhaftem, Geschichtliches mit Aktuellem, stets mit aufrechter Haltung und klarer Kante, aber dabei immer angenehm lesbar und bisweilen auch ein bißchen schmunzelig.  Erkennbar kein Spaßblog, das der Herr Buggisch da betreibt, aber das muß ja nicht heißen, daß man als Leser dort keinen Spaß haben kann.  Ich jedenfalls habe ihn dort, fast immer und, Kennzeichen eines guten Autoren, auch dann, wenn mich das Thema eigentlich nicht interessiert.  Oder zumindest vor dem Lesen nicht interessiert hat.

Dichtung und Wahrheit

Sorry für die schlechten Bilder.  Bessere gibts im Supermarkt.  Aber klingt doch lecker, oder?

Und sogar „100% deutsche Kartoffeln“.  Ein tolles Produkt.  Nur gute Sachen drin.  Jaja.  Bis man das Kleingedruckte liest:

14 % Kartoffeln.  Und die vollmundig gepriesene Pilzfüllung?  Da muß man schon bis in die dritte Zeile vordringen: 0,6 % Butterpilze.  Nullkommasechs Prozent!  Das sind, selbst wenn man das Steinpilzpulver weiter unten großzügig dazunimmt, nicht mal zwei Gramm Pilze, gefühlt dieselbe Größenordnung also wie die für den Schriftzug „gefüllt mit Pilzen“ auf der anderen Seite der Verpackung verwendete Druckfarbe.  Mehr Salz als Pilze!  (Nicht vom jodierten Speisesalz kurz vor Schluß irritieren lassen, vor den Butterpilzen ist noch ein Speisesalz, diesmal anscheinend ohne Jod.  Schlauer Trick für die, die sowas nur überfliegen, gell?)  Aber die Kräuter, also die paar Promille Kräuter — die sind aus nachhaltigem Anbau.  Naaa toll.

Stärkeknödel.  Gefüllt mit Salz.  Das wäre ehrlich gewesen.

Weil Schlabonskis Welt aber eine Serviceseite ist, hier nun der Haushaltstip dazu: Einfach nach dem Kochen ein paar Wochen neben dem Herd stehenlassen.  Dann werden es zumindest mehr Pilze.

Autonome Gefahren

Nein, hier geht es nicht um politisch Autonome, keine Bange. Aber eigentlich ist es doch komisch, daß die Autoindustrie sich für ihre selbstfahrenden Kaleschen einen derartig negativ besetzten Begriff ausgesucht hat — wer will schon ein tatsächlich autonomes Auto? Das müßte ja nicht mal mit Molotowcocktails werfen, um zu nerven. Aber ich schweife ab, und überhaupt ist es vermutlich wieder nur so eine faule Übersetzung von engl. „autonomous“, man kennt das ja.

Jedenfalls ist das, glaubt man den Protagonisten sowohl aus der klassischen Autoindustrie wie auch aus dem Silicon Valley, die Zukunft. Die Zukunft! Sie versprachen uns fliegende Autos, und tatsächlich müssen wir uns damit begnügen, daß wir wenigstens unbelästigt in die Schlaufönlis kucken dürfen, während wir im Stau stehen.

Fahrassistenzsysteme werden in fünf Klassen unterschieden. Am Anfang stehen so Dinger wie Abstandsregeltempomat oder Spurassistent, die sich nur um eine Teilaufgabe der Fahrerei kümmern, den menschlichen Fahrer also nur entlasten und nicht ablösen. Stufe zwei ist das, was Tesla schon vollmundig „Autopilot“ nennt: das Auto kann selber beschleunigen, bremsen und lenken, aber der Fahrer muß immer noch aufpassen wie ein Luchs, zumindest theoretisch.

Im mittleren Bereich der Klassifikation kommen dann Systeme wie Stauassistent oder automagisches Einparken, die zeitweise die komplette Kontrolle übernehmen, aber immer noch nicht erlauben, daß der Fahrer sich derweil anderen Dingen widme. Da ungefähr sind wir jetzt, wenn freilich auch die Hersteller suggerieren, wir seien schon weiter, und zumindest Autobahnfahren auch schon technisch weitgehend gelöst ist — bloß halt noch zu teuer, will man Systeme haben, die zuverlässig kreuzende Lastwagen von über der Straße hängenden Verkehrsschildern unterscheiden können.

Der nächste Schritt von Stufe drei nach vier klingt unspektakulär, ist allerdings der größte: Systeme, die die komplette Arbeit von Start bis Ziel zumindest im Regelfall übernehmen können, und zwar so gut, daß sie es ein paar Sekunden vor dem eigenen Versagen merken, daß sie versagen werden, und so den menschlichen Fahrer mit angemessener Reaktionszeit alarmieren können, wenn sie überfordert sind. Das erweist sich als unerwartet schwierig. Oder vielleicht auch nicht unerwartet — man versuche mal beim Autofahren, konsistent fünf Sekunden in die Zukunft zu schauen. Wird das SUV da vorne ausscheren? Läuft die Frau am Straßenrand los oder nicht? Macht der Radfahrer einen Schlenker? Hält der zurücksetzende Müllwagen an und läßt mich durch? Schwierig bis unmöglich, sowas. Und das mit dem Wissen um die Welt, das man als Mensch so einfach hat und das ein Computer erst mühsam lernen muß. Da hilft es ihm auch kaum, daß er besser kucken kann. Wenn nicht gerade Schnee vorm Sensor klebt, wendet der diesbezüglich leidgeprüfte Berufskraftfahrer mit Abstandsassistent im Actros ein.

Aber gut, gehen wir mal davon aus, daß diese Stufe erreichbar ist. Dann ist doch aber alles gut? Kaum. Denn dann haben wir dasselbe grundsätzliche Problem wie im Flugverkehr, wo der Autopilot im Gegensatz zu Tesla seinem zu recht so heißt, weil er im Prinzip alles von Start bis Landung auch alleine kann: denn was die Maschine kann, verlernt der Mensch. Natürlich nicht völlig, aber in der Praxis fehlt es ihm schlicht an Routine — am Steuer ist und bleibt er ein Anfänger, denn wo soll denn die Übung herkommen, wenn die Maschine ihm die Routinetätigkeiten abnimmt? Das ist bequem, sicher, aber es ist auch nicht ungefährlich. Im Flugverkehr begegnet man dem mit regelmäßigen Schulungen und Prüfungen, und zwar trotzdem mit durchaus diskussionswürdigem Erfolg — aber im Straßenverkehr? Seh ich nicht.

Und wenn das Ding dann Alarm schägt, „hallo, Mensch, wachwerden, hier wird es gefährlich!“, dann wird also ein Mensch, der eben noch mit der oder dem Liebsten plauschte, einen spannenden Film sah oder mit geschlossenen Augen zu feiner Musik leise vor sich hindöste, ins kalte Wasser geschmissen: er weiß nicht, wo er ist, oder wie schnell er ist, oder was gerade um ihn herum passiert, geschweige denn was es ist, wovon sein Auto meint, daß es allein nicht damit klarkommen wird. Er hat, um es rauszukriegen, sich einen Plan zu machen und diesen umzusetzen, bestenfalls ein paar Sekunden Zeit — selbst derer zehn, m.E. völlig utopisch viel, wären da eher knapp für. Und er hat auch keine Übung darin, all dies zu erkennen und zu tun, weil es idealerweise recht selten passiert und er sonst nur seinem Navi sagt, wo er hinmöchte. Im schlimmsten Fall hat er noch nie bei 140 schnell am Lenkrad gedreht oder bei 80 voll in die Bremse getreten und wird schon von der Reaktion des Wagens überrascht. Hey — was soll da schon schiefgehen?

Und wenn es dann vorhersagbar schiefgeht, ist der Mensch schuld, denn das Auto hat ihm ja „rechtzeitig“ die Kontrolle übergeben.

Prognosen sind schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen, und erst recht, wenn Computer am zu prognostizierenden Ding einen Anteil haben. Die Güte von Alexas Spracherkennung oder Teslas Autopilot hätte noch 2013 kein Mensch für in fünf Jahren zu prognostizieren gewagt. Vielleicht gilt das auch für Fahrassistenzsysteme; vielleicht liege ich falsch, und in fünf Jahren sind 20 Sekunden Vorwarnzeit möglich, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie das gehen soll. Am grundsätzlichen Problem — mangelnde Routine und dadurch anfängerhafte Reaktion auf Situationen, die der Maschine zu gefährlich scheinen, um selber damit klarzukommen — ändert das nichts. Im Gegenteil: je besser das Auto selber fahren kann, umso seltener und umso gefährlicher werden die Situationen, in denen es seinen Fahrer weckt, auf daß der die Kohlen aus dem Feuer hole. Und je seltener und gefährlicher diese Situationen, umso unwahrscheinlicher ist es, daß der Fahrer das dann auch kann.

Und trotzdem kündigt GM bereits an, 2019 — nächstes Jahr! — Autos der Stufe fünf in Verkehr bringen zu wollen, die gar kein Lenkrad mehr haben, also komplett autonom fahren sollen. In allen Situationen. Immer. Ja nee, is klar. Was die dann wohl machen werden, wenn sie nicht mehr weiterwissen? Vermutlich Warnblinker an, möglichst viel Tempo abbauen und, sollte dies unfallfrei gelingen, rechts ranfahren, anhalten und um Hilfe rufen.

Eine Idee für einen möglichen Ausweg gibt es freilich auch schon: menschliche Fahrer, die nicht im Auto sitzen, sondern angestellt in einer Notfallzentrale, und dann die nötigen Kamera- und sonstigen Daten auf den Bildschirm bekommen und die Karre ferngesteuert aus der Bredouille fahren. Da das hoffentlich hochgradig geschulte und mit der Zeit auch routinierte Fachleute sein werden und nicht Leiharbeiter mit Führerschein –, ähm, nee: falls das hochgradig etc. –, könnte das schon besser funktionieren als das Modell mit dem Fahrer-Wecken. Dafür wird’s aber auch wieder teurer, denn die Notfallzentrale und die Leiharbeiter mit Führerschein wollen ja auch erstmal bezahlt werden, und eine 100% stabile und schnelle Datenverbindung zum fahrenden Auto braucht es auch. Am Rande: „100%“ bedeutet hier nicht 99,99%, und „schnell“ nicht bis zu 50 MBit/sec.

Und auch dann besteht immer noch die Gefahr, daß das ins Schleudern kommende Auto keinen anderen Ausweg weiß, als mit einem „Ping“ folgende Fehlermeldung einzublenden:

WICHTIGER HINWEIS - Leider sind alle Notfallmitarbeiter derzeit belegt. Bitte warten Sie oder bringen Sie das Fahrzeug selbst wieder unter Kontrolle. - Die Abschaltung der automatischen Steuerung erfolgt in 4 Sekunden. - [ OK ]

Und über das andere Problem mit der goldenen Zukunft, in der man sich statt eines teuren Taxis ein vollständig autonomes Auto ruft, um davon an ein jedes Ziel gefahren zu werden, und deswegen auch gar kein eigenes mehr braucht, was jede Menge Umweltschäden, Flächenverbrauch und was nicht noch alles sparen soll, reden wir dann demnächst mal. Sollte eigentlich jetzt und hier kommen, aber dieser Artikel ist eh schon wieder zu lang. Und nein, es ist nicht ganz so gefährlich, aber dafür auf andere Art unangenehm.

Nachtrag, zwei Tage später: Anscheinend liege ich mit meinen Sorgen nicht völlig falsch — Heise hat auch einen Artikel zum Thema.

Buddenbohm & Söhne

Ja, ich weiß, außer der Blickrolle passiert hier nicht viel im Moment, was soll man auch schreiben, wenn man krank zuhause liegt und alles außer Liegen wehtut. Groko? Erdogan? Trump? Das ist doch alles deprimierend, das nervt doch schon beim Lesen, da muß ich nicht auch noch drüber schreiben.

Und deswegen ist heute in der Blickrolle der Herr Buddenbohm an der Reihe. Maximilian Buddenbohm, allein schon dieser Name ist doch ein Traum. Und schreiben kann er auch, und tut es momentan auch sehr fleißig, täglich sogar. Das war nicht immer so, aber zu den regelmäßigeren Bloggern gehörte er stets in den letzten Jahren. Thematisch ist er auch sehr vielseitig, außer dem großen Ganzen kommt da immer auch wieder ein bißchen Familie und Persönliches, und in letzter Zeit nimmt der Kleingarten einen großen Platz im Blog ein.

Aber eigentlich ist das auch ganz egal, denn der Herr Buddenbohm schreibt so schön flüssig, daß sich das alles entspannt wegliest, und am Ende hat man oder habe zumindest ich nie das Gefühl, darauf hätte ich jetzt auch verzichten können. Es macht einfach Spaß, das Blog von Buddenbohm & Söhne — auch wenn die Söhne oder ihre als Herzdame auftretende Mutter mal schreiben übrigens, meist sind das dann Spieletests und dergleichen. Wie überhaupt auch (gekennzeichnete) Werbung im Blog auftaucht gelegentlich, aber damit kann man ja auch leben, finde ich.

Also, wenn ich Euch zuwenig schreibe — Buddenbohm & Söhne mag die Lücke füllen helfen! Und wenn nicht, dann lest trotzdem mal rein. Es lohnt sich.

Astrodicticum Simplex

Das heute leicht verspätet (*hüstel*) im Blick in die Blogrolle, der sogenannten Blickrolle, vorgestellte Blog ist wieder eins der nicht so furchtbar persönlichen. Es heißt etwas sperrig „Astrodicticum Simplex“ und gehört Florian Freistetter, einem Astronomen aus Jena mit (in seinen Podcasts deutlich und sehr charmant hörbar) österreichischen Wurzeln, der dort hauptsächlich über Themen seines Fachs schreibt.

Aber das ist keinesfalls so trocken, wie es sein könnte und vielleicht auch jetzt klingen mag. Florian schreibt locker und allgemeinverständlich, und was er schreibt, ist zumindest für mich auch immer interessant. Denn die Astronomie ist schon eine spannende Sache mit vielen Facetten, von reiner Himmelsmechanik über Realitätsabgleich für Science Fiction bis zu den großen Wo-kommen-wir-her-wo-gehen-wir-hin-Themen, und das alles kommt in Florians Blog vor.

Und noch viel mehr als das. Der Mann ist wirklich fast schon unheimlich produktiv. Da gibt es den netten kleinen Astronomiepodcast „Sternengeschichten“, in dem immer ein Einzelaspekt kurz und super-verständlich drangenommen wird; da gibt es Buchkritiken nicht nur von Sachbüchern, sondern auch von Romanen; da gibt es ein jährliches Adventskalenderrätsel und einen ebenso jährlichen Blogposting-Schreibwettbewerb, an dem ich auch schon mal teilgenommen und immerhin geradesoeben nicht den letzten Platz belegt habe; da gibt es den WRINT-Wissenschaft-Podcast zusammen mit Holger Klein; und bestimmt hab ich noch ein paar Rubriken vergessen.

Und es ist nicht so, wie man jetzt denken könnte: der Herr Doktor sitzt den ganzen Tag an der Uni und schreibt Blog. Denn nebenbei ist Florian auch noch Teil der „Science Busters“, bekannt von Bühne und Fernsehen, und tourt mit denen auch noch regelmäßig durch die Lande. Wenn er nicht gerade Bücher schreibt oder Marathon läuft.

Puh.

Und unsereins fühlt sich fast schon damit ausgelastet, das alles zu lesen. Lohnt sich aber!

Freitagstexter: Pokalverleihung

Sieben Freitagstexter haben sich an meiner Aufgabe versucht, eine beachtliche Resonanz wie ich finde. Und klasse waren sie alle irgendwie, trotz wohl unvermeidlich teilweise ähnlicher Ideen. Die Wahl ist mir nicht leichtgefallen, aber hier ist der Sieger:

Ich kann auf einem Ball balancieren! Sogar ohne Ball!

Ich kann auf einem Ball balancieren! Sogar ohne Ball!

 

Disclaimer: Axel ist seit Jahrzehnten ein guter Freund von mir und auch nicht so ganz direkt ein Blogger im eigentlichen Sinn. Trotzdem habe ich nach langem inneren Kampfe beschlossen, daß der für mich witzigste Text, nämlich seiner, gewinnen möge. Ich weiß, ich muß mich hier nicht rechtfertigen, aber ich wollte es trotzdem nicht unerwähnt lassen.

Und die Konkurrenz war, wie gesagt, hart. Mit einer sehr ähnlichen Idee den zweiten Platz hat der mir ebenfalls persönlich bekannte Kollege Blick Ableiter erobert, aber schon beim dritten muß ich endgültig passen und kann die Beiträge nicht mehr in eine sinnvolle und reproduzierbare Rangfolge bringen.

Man gut, daß ich das auch gar nicht muß.

Meine Damen und Herren, kommen wir also nun zur feierlichen Pokalverleihung. *räusper* Axel? Fang!

Und weiter geht’s dann am Freitag ab jetzt drüben bei Axels „Blogging is futile“ auf noone.org.  Ich bin gespannt, verneige mich in die illustre Runde und wünsche auch dort fröhliches Freitagstexten!

Novemberregen

Ein wunderbar melancholischer Titel — irgendwie höre ich vorm inneren Ohr immer eine rauchige dunkle Frauenstimme einen traurigen Chanson singen, wenn ich ihn lese, obwohl ich kein Lied dieses Namens kenne* und auch meistens gar keine deutschen Chansons mag —, aber es ist gar nicht so melancholisch, das Blog, in das wir heute einen Blick werfen.

Frau Novemberregen ist offenkundig eine selbstbewußte und patente Person mit einer beneidenswerten Schlagfertigkeit, und immer wenn sie Alltagsbegegnungen in Geschäften, auf der Straße oder am Arbeitsplatz beschreibt, freue ich mich auf ein amüsantes Stück und werde nie enttäuscht. Besonders bemerkenswert dabei: die Selbstverständlichkeit, mit der sie zugeben kann, etwas nicht zu können oder zu wollen, wie zuletzt bei „Zechpreller“, einer Geschichte über das Einparken — das können nicht viele! Absolute Spitze sind ihre Begegnungen mit „Oberchef“, auch eine coole Socke, danach sollte man ruhig mal suchen dort, oder meinetwegen googeln, es lohnt sich.

Wie in jedem Blog ist natürlich auch hier nicht jeder Artikel eine Sternstunde, wie sollte er auch. Besonders das Bemühen, wirklich jeden Tag ein Posting zu verfassen, über Jahre, das wurde gegen Ende hin deutlich … bemüht, schön daß sie damit aufgehört hat und nur noch schreibt, wenn es was zu schreiben gibt. Und das lese ich dann auch brav und gern — Frau N., Ihnen ist der Platz in meiner Blogrolle auch weiterhin sicher!

Fußnote: *Naja, bis auf „November Rain“ natürlich, aber das ist hier offensichtlich auf sämtlichen Ebenen nicht gemeint.

Freitagstexter

Wer hätte das gedacht? Da macht man zum ersten Mal im Leben bei den Freitagstextern mit, drüben beim Wortmischer war’s, und bekommt prompt den Pokal vor die Füße an den Kopf überreicht. Hach, welch Ehre!

Worum geht’s dabei? Wie viele große Ideen ist auch diese eigentlich simpel: Jemand stellt freitags ein Bild in sein Blog, jeder der mag schreibt einen passenden Bildtext dazu in die Kommentare (wie auch immer „passend“ definiert sein mag), und am folgenden Dienstag darf der Einsteller des Bildes den besten Text prämieren. Und der stolze Sieger, diese Woche also ich, stellt dann am Freitag ein Bild in sein Blog, und goto Absatzanfang.

Natürlich gibt es auch ausführliche Regeln. Wo sind wir denn hier? Also bitte.

Ja. Da mußte ich also plötzlich und unerwartet ein Bild suchen. Was böte sich besseres an als eines, zu dem mir schon all die Jahre die Worte fehlen, seit ich es mal vor ein paar Jahren vom Wandkalender eines Kunden abfotografiert habe? Die Qualitätsmängel bitte ich darob zu entschuldigen:

Hier könnte Dein Bildtext stehen!

 

Also, haut in die Tasten!

Read on my Dear, read on

War ja klar, daß bald mal ein Sonntag kommen würde, an dem ich die Blickrolle, also den Blick in die Blogrolle, verpennen würde.  Aber noch 2017?  Da kann ich nur das Wiegenfest des Sektenstifters als zugegeben magere Entschuldigung anführen.

Quasi als kleine Wiedergutmachung ist der neueste Beitrag im heute zu beblickrollenden Blog aber auch eine besonders bezaubernde, wie es die Autorin nennt, „fast schon eine Weihnachtsgeschichte“, bei der selbst mir zynischem alten Hund fast sowas wie warm ums Herz wurde.  Wie überhaupt das Fräulein Read On es versteht, auch eigentlich banale Alltagssituationen in allerdings oft bemerkens- und -neidenswerter Location so aufzuschreiben, daß sie den Leser förmlich einsaugen — zumindest wenn jener sich auf das Abenteuer einläßt, sich mutig in einen Absatz zu fräsen, der länger ist als hier viele Artikel.

Aber es lohnt sich, wenn man es tut.  Oder wie der dann doch überaus passende Blogtitel sagt: Read on my Dear, read on.

Abenteuerbad

Freudenstadt baut ein neues Freibad.  Und in einem seltenen Anfall von Zukunftszugewandtheit dachten die Stadtväter sich: Laß uns da gleich mal ein kostenloses WLAN aufbauen, damit die Badegäste alle schön umsonst wellenreiten, fratzbuchen, wasäppen, hölzen, instantwiegen, zwitschern und strömen können, dann kommen nämlich mehr.

Und dann die SPD so: Waaah, nein, das könnwer doch nich machen, die ganze Strahlung!!!11, da muß erstmal ein Gutachter her.

Weil ja, wer kein kostenloses WLAN vorfindet, stattdessen eher über LTE oder so direkt über den weiter entfernten Mobilfunkturm wellenreitet, fratzbucht, wasäppt, hölzt, instantwiegt, zwitschert und strömt.  Was, weil von nix halt nix kommt, weit mehr Strahlung verursachen dürfte, selbst wenn man überhaupt an deren Schädlichkeit in den mit handelsüblichen Mobilfunkapparaturen so verabreichten Dosen glaubt.  Und was aber völlig glaubensunabhängig die Kids mehr kostet, weswegen sie weniger Kohle für Freibadkarten haben werden.

Kannste dir echt nich ausdenken, sowas. m(

Traditionsthema

Österreich hat eine neue Regierung.  Die Rechtspopulisten von der FPÖ koalieren mit der immerhin ein klein wenig stärkeren rechtskonservativen ÖVP, auf deutsche Verhältnisse übertragen wäre es also ein schwarzbraunes Bündnis aus Union und AfD — und ich bin sicher: wenn die Zahlen hier erstmal so ähnlich aussehen wie dort, wird sich die Union auch hier nicht mehr lange bitten lassen, es den Österreichern nachzutun.  Bißchen komisch ist, daß der vom Seniorpartner ÖVP gestellte Bundeskanzler Kurz nicht kurz, aber klein ist: ganze 31 Jahre zählt das Seniorküken.

Aber ich schweife schon wieder ab, denn was ist die erste Amtshandlung des FPÖ-Verkehrsministers Hofer?  Er stellt, festhalten bitte, eine Abschaffung des allgemeinen Tempolimits zur Diskussion.  Freie Fahrt für die freiheitlichen Pürger Bürger Österreichs!  So macht man sich Freunde an den Stammtischen.

Hat in der FPÖ ja auch quasi eine gewisse Tradition, das Thema.  Auch wenn das mit dem Schnellfahren ihrem einstigen Landesparteisekretär, einem gewissen Herrn Haider, gar nicht bekommen ist.

Och nö, doch keinen guten Vorschlag!

Es gibt vielleicht doch noch einen Weg, wie wir die völlig hirnverbrannte, angeblich aufkommensneutrale Ausländerdiskriminierungsmaut vom bayerischen Stammtisch loswerden könnten: die EU denkt über eine europaweit einheitliche Mautregelung nach.  Und die soll nicht nur von der Fahrleistung abhängen, sondern auch davon, wie oft man so im Stau steht.

Mit anderen Worten: die könnte zwar teuer werden, aber auch sinnvoll.

Logisch, woher da die ersten Proteste kommen: aus Bayern.  Dort fürchten sie nicht nur um die Lufthoheit über den Stammtischen, sondern anscheinend auch um ihren in München ansässigen Fernbus-Monopolisten „Flixbus“, der mit inzwischen 90% Marktanteil ja auch der ursprünglichen Idee von mehr Wettbewerb Hohn spricht und mit der EU-Maut dann zumindest auch mal ein bißchen was für die Strecken bezahlen müßte, die er so plattfährt — daß er das im Gegensatz zu LKW nicht muß, ist sowieso unverständlich.

Genauso wie die Ausnahme für Transporter zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen, die die Stammtischmaut vorsieht — damit will man Handwerksbetriebe entlasten, aber man entlastet nebenbei auch die Wahnsinnigen mit den osteuropäischen Planenducatos mit, die bestimmt ein paar Marktanteile einbüßen würden, wenn sie wie der restliche Güterkraftverkehr Maut zu entrichten hätten.  Und na klar, gegen die Nichtberücksichtigung dieser Ausnahme in der EU-Maut wird auch Sturm gelaufen.

Nun gilt es also zu hoffen, daß klientelpolitisches Ausnahmengeschacher nicht bis Brüssel reicht und auch sonst nicht wieder ein guter Vorschlag bis zur Unkenntlichkeit zusammenkompromittiert wird.  Klar, die Zeche zahlt wie immer der kleine Mann, aber so wird es wenigstens ökologisch sinnvoll — wer viel fährt, zahlt viel, und wer viel im Stau steht, zahlt mehr.  Denn dann kann der Markt tatsächlich mal was regeln — Bahn, Bus, Fahrgemeinschaft und Fahrrad werden finanziell attraktiver, das kann nicht verkehrt sein.  Und wenn man das Ganze eh elektronisch erhebt und vermutlich auch abhängig vom Schadstoffausstoß (denn diese Industrieförderung werden wir sicher nie los), dann kann man den armen notleidenden Handwerkern ja auch einzeln Ausnahmen verpassen — oder, sinnvoller, Elektrotransporter, die meinetwegen ja auch noch 10 Jahre mautfrei sein könnten oder wie lange auch immer es dauern wird, bis es soviele davon gibt, daß das finanziell wehtut.

Und die paar hundert Euro, die so ein Elektromauterfassungsdingsi für schwere LKW heute noch kostet, würden bei größeren Serien (etliche Millionen statt ein paar hunderttausend) und serienmäßigem Einbau in Neuwagen sicherlich auch noch was weniger werden.  Wenn der Kram nicht mehr kostet als ein brauchbares Autoradio, und vielleicht auch gleich mit diesem zusammengebaut ist und dann auch die eh bald fällige Digitalradio-Nachrüstung miterledigt, find ich auch die soziale Härte erträglich (und ja, liebe Autoelektronikindustrie, diese Idee gibt es geschenkt, gern geschehen).

TL;DR: EU-Maut für alle Fahrzeuge, fahrleistungs- und streckenbelastungsabhängig?  Gute Idee.  Bin gespannt, woran sie scheitern wird.  Mein Tip: an der CSU, wie immer.

Neusprech

Diese Woche werfen wir in der Blickrolle mal einen selbigen hinüber zu einem weniger persönlichen Blog, nämlich dem von Neusprech.org.  Der Name kommt natürlich aus George Orwells „1984“, wo „Neusprech“ bzw. „Newspeak“ jene modernisierte Sprache bezeichnete, die es unmöglich machen sollte, etwas den Herrschenden Widersprechendes zu sagen.

Ganz so weit ist es in dieser unserer Bunzreplik natürlich noch nicht, aber die Herrschenden verwenden auch hier reichlich Begriffe, die ihren wahren Inhalt hinter einer harmlosen Fassade verschleiern.  Und das Neusprechblog deckt dieselben dann schonungslos auf.  Man muß da nicht immer derselben Meinung sein, aber Denkanstöße liefert’s auf jeden Fall — und zumindest mir geht’s dort öfter mal so, daß ich denke, ja, verdammt, das hätteste auch mal selber merken können.  (Zu meiner Ehrenrettung: oft hatte ich es auch schon zwar gemerkt, aber nicht zuende gedacht.)

Jedenfalls lohnt sich das Abo — man wird auch nicht überhäuft, die Artikeldichte ist sehr gut zu verkraften.  Und um zuwenig Nachschub an frischem Neusprech muß man sich die nächsten Jahre wohl auch keine Sorgen machen …

Ich find’s jedenfalls mit einem Wort doppelplusgut 😉

Variable, Inhalt, pff

Auch wenn mein Donnervogel sich unsicher ist, nein, diese Mail hier war ausnahmsweise kein Scam, aber trotzdem lustig:

Ihr BankAccount-Konto wurde noch nicht belastet

Ich wußte gar nicht, daß ich ein Konto bei einer Bank namens „BankAccount“ habe.  Ist ja auch ein selten dämlicher Name.  So würde ich allenfalls als Programmierer eines Shopsystems die Variable nennen, in der die Bankverbindung des Kunden … achso.  Ja dann.

Nachtrag später am Tage: Nee.  Eigentlich nicht mal dann.  In der Variable „BankAccount“ würde ich die Kontonummer erwarten, aber von meinem „123456789-Konto“ zu lesen würde mich auch wundern.  „BankName“, das wäre z.B. ein besserer Variablenname.  Der Flüchtigkeitsfehler eröffnet also den Blick in ein vermutlich auch sonst eher … kreativ … programmiertes Shopsystem.

Aber immerhin: funktionieren tut es.

Nachhausefahrn zur Weihnacht

Das hier war eigentlich nur einer dieser üblichen jahreszeitbedingten Würmer in meinen Ohren. Nachdem er sich aber länger gehalten hatte als die meisten, dachte ich mir, ach komm, mach ich halt einen dieser albernen Schlabonski-Liedtexte draus. Tja, hier isser nun — besonders albrig oder schablonskesk ist er aber nicht geworden, nur ein wie ich finde einigermaßen brauchbarer deutscher Text für ein immer noch schönes Lied, nämlich „Driving Home for Christmas“ von Chris Rea, dem an dieser Stelle auch gute Besserung gewünscht sei.

Wer es schlabonskinesischer mag, der möge „Weihnacht“ im Folgenden, wie die Tradition es gebietet, durch „Kreischmeß‘“ ersetzen.

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich kann es kaum erwarten
Nachhausefahrn zur Weihnacht
Doch es dauert seine Zeit

Es ist so lang her
Doch ich werde dasein
Ich sing für mich
Ich hab ja noch gut Zeit
Und fahre vor mich hin
Ich fahr nachhaus zur Weihnacht

Es dauert seine Zeit
Aber ich komm hin

Ein Stau nach dem andern
Rote Ampeln überall
Aber bald kommt da die Autobahn
Dann gehts voran mit einem Mal

Und ich sing für dich
Doch du kannst’s nicht hören
Bald bin ich da
Und ich werd dir schwören
Diesmal bleib ich da
Nachhausefahrn zur Weihnacht

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich erinner mich an dich
Ich kuck rüber zum Fahrer neben mir
Er ist wie ich
Genau wie ich

Ein Stau nach dem andern
Rote Ampeln überall
Und ich fahr nachhaus zur Weihnacht
Dann gehts voran mit einem Mal

Und ich sing für dich
Doch du kannst’s nicht hören
Bald bin ich da
Und ich werd dir schwören
Diesmal bleib ich da
Nachhausefahrn zur Weihnacht

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich erinner mich an dich
Ich kuck rüber zum Fahrer neben mir
Er ist wie ich
Genau wie ich
Er fährt nachhaus, fährt nachhaus
Er fährt nachhaus zur Weihnacht
Genau wie ich

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