Grinsefressenalarm

Kaum ist der mündige Bürger mal wieder aufgerufen, mit seinem kleinen Stimmlein dem, was man gierzulande immer noch „Demokratie“ zu nennen wagt, ein Deckmäntelchen der Rechtfertigung umzuhängen, schon sieht man sie wieder von jedem Laternenpfahl baumeln: die Grinsefressen, die sich in den Parlamenten bereichern für uns die Beine ausreißen.

Und man sieht sie so baumeln und denkt sich: Gute Idee. Den einen oder anderen davon würde man schon gerne mal persönlich baumeln sehen, nicht nur sein Konterfei in Pappe.

Aber mal ehrlich: Dümmliche Slogans sind das eine, aber wen sollen bitte die mit viel Mühe und noch mehr Weichzeichner auf einigermaßen den Anschein von Fotogenität erwecken sollend getrimmten Gesichtsbaracken am Wahltag hinter dem Ofen vorlocken? Selbst wenn davon jemand sympathisch aussähe (und nicht wie meist nach GEZ-Drücker, Avon-Beraterin oder Finanzbeamtem), würde man den doch deswegen hoffentlich nicht wählen?

Obwohl, wenn ich mir dann die Wahlergebnisse so ankuck: Doch. Vermutlich schon.

Seufz.

Kompakt wie der Golf

Hachja, wie schnell die Menschheit doch vergißt (oder zumindest die Werbetreiben sich wünschten, daß sie vergäße). Zum Beispiel, wie kompakt so ein Golf mal war:

Golf-Plus-Werbung im Spiegel der Zeit

Disclaimer: Ja, der Golf 1 ist nach bestem Wissen und Gewissen maßstabsgetreu ins Bild montiert. Länge des Golf 1: 3,81 m; Länge des Golf Plus: 4,20 m. Und warum „Golf PlusPlusPlusPlusPlus“? Ganz einfach: der Golf Plus ist, Variant mal außen vor, der sechste so benamste Volkswagen nach Golf 1, 2, 3, 4 und 5.  Und, achja, beide Bilder sind irgendwoher geklaut.  Nicht daß mir das jetzt Gewissensnöte bereiten würde, aber unter Creative Commons-Lizenz stellen kann ich das Gesamtwerk halt auch nicht, daher dieser Hinweis.

„Tiguan“?

Soso, Tiguan soll er also heißen, der nächste völlig überflüssige VW-Geländewagen für das schwere Geläuf zwischen Lidl und Kindergarten. Tiguan. Angeblich eine Mischung aus „Tiger“ und „Leguan“. Was man sich besser nicht bildlich vorstellen sollte.

Und wohl auch besser nicht allzu oft aussprechen. Ich meine, hey, tolle Idee, warum nicht „Lömedar“ oder „Rhinolefant“? Die klingen doch auch toll exotisch. Nee, liebe VW-Leute und AutoBLÖD-Leser, die Ihr Euch diesen Namen ausgedacht habt: für mich klingt das nicht nach „Reisen, Abenteuer, Spannung“, sondern nach einem dieser Klappkartenspiele für Fünfjährige, bei denen man dann zum Wort „Tiguan“ auch einen Leguan mit Tigerkopf abgebildet sehen würde. Aber paßt schon — deren Eltern (die der Fünfjährigen, nicht die der Tiguane) sind ja auch die Zielgruppe, nicht ich.

Ganz sicher nicht ich.

Sone und solche

Zu Fahrassistenzsystemen, wie die elektronischen Helferlein von ABS über ESP bis zum Spurhalteassistenten zusammenfassend genannt werden, gibt es vermutlich schon divergierende Ansichten, seit die Vierradbremse eingeführt wurde. „Was ein richtiger Autler ist, der braucht keine neumodische Vierradbremse!“, so höre ich fast die Altvorderen am Stammtisch tönen.

Und es stimmt ja auch: Generationen von Autofahrern sind auch ohne den neuesten technischen Gimmick meist sicher angekommen. Also braucht man ihn offensichtlich nicht. So reden meistens aber auch nur die Leute, die schon länger keinen, sagenwirmal, 1966er VW-Bus durch einen Schneesturm gefahren haben, sondern ihre puristischen, gimmickfreien, naturreinen Klassiker aus einer besseren Zeit nur bei schönem Wetter in gemütlicher Fahrt zum nächsten Ausflugscafé oder Oldtimertreffen zu bewegen wagen. Sonst wüßten sie nämlich, daß die gar nicht so viel besser war, die Zeit.

Von Jungspunden wie dem, der mir mal vorrechnen wollte, daß Scheibenbremsen ohne Bremskraftverstärker nicht funktionieren können, will ich mal absehen. Die glauben ja eh nicht, daß man ohne Airbag überhaupt überleben kann.

Das Problem an den ganzen schönen Sachen ist nur, daß die für Normalfahrer sinnvollen Sicherheitsnetze, die der Fortschritt uns so beschert, vermutlich auch schon seit den Zeiten der Vierradbremse dann postwendend von den Vollidioten ausgenutzt werden.

Passende Anekdote: Zwei meiner damaligen Kollegen erzählten mir in derselben Woche unabhängig voneinander von den Erlebnissen mit dem ESP in ihren neuen Passat-Firmenwagen. Der eine meinte, er sei versehentlich zu schnell in ’ne Autobahnausfahrt gefahren und habe gemerkt, wie der Passat hinten leicht wurde — „und dann kam eine Hand aus den Himmel und hat mich wieder in die Spur gesetzt“.

Der andere berichtete, auf der A2 bei Schneematsch auf der linken Spur gehe ab 170 die ESP-Lampe nicht mehr aus.

Neue Branche, neues Glück

Nun ist es also offiziell: Der traditionsreiche Familienbetrieb „Dieter Schlabonki Gas Wasser Scheiße“ hat seine Pforten geschlossen. Ich war es einfach leid, bis zu den Ellenbogen in anderer Leute Scheiße zu wühlen. Außerdem bleiben die Kunden 😉 weg (warum nur?), und den müllwagenorangefarbenen Firmenbulli hat’s auch dahingerafft.

Was aber nicht geschlossen wird, ist natürlich diese Weppßait. Schlabonski macht weiter, nach kurzen Ausflügen in die Welt der Baustellen nun eben auf dem Bock eines Lastzugs auf den Straßen Europas. Für Euch als Leser ändert sich dadurch nicht viel, außer daß vielleicht die eine oder andere Geschichte aus dem Leben nun eher im logistischen denn im sanitären Milieu spielen wird.

Aber auch da passiert sicherlich genug Scheiße.

Bleibt mir gewogen, wünscht sich:
  Euer Dieter Schlabonski.

Am Geräusch sollt Ihr sie kennen

Hier mal eine kleine Typologie von Kraftfahrern, wie man sie zu unterscheiden lernt, wenn man wie ich an einer vielbefahrenen Straße wohnt:

Geräusch Bedeutung
*quiietsch* Vielleicht nicht übermäßig kompetent, aber ausreichend.
*quiietsch* *bäng* Inkompetent.
*quiietsch* *tuuut* Jähzornig.
*quiietsch* *bäng* *tuuut* Jähzornig und inkompetent.
*tuuut* *quiietsch* Rechthaberisch.
*tuuut* *quiietsch* *tuuut* Rechthaberisch und jähzornig.
*tuuut* *quiietsch* *bäng* Rechthaberisch und inkompetent.
*tuuut* *quiietsch* *bäng* *tuuut* Rechthaberisch, inkompetent und jähzornig.
*bäng* *quiietsch* Vermutlich besoffen oder sonstwie merkbefreit.

Weitere Kombinationen seien dem Leser als Übungsaufgabe überlassen. Nebengeräusche wie heulende Motoren, wummernde Stereoanlagen und dergleichen habe ich der Übersicht halber mal weggelassen.

Woran man nun aber kompetente Autofahrer erkennt? Ganz einfach: wenn sie überhaupt irgendwelche dieser Geräusche machen, dann *tuuut* und *quiietsch* gleichzeitig. Aber das wäre ja Multitasking, damit sind 95% heillos überfordert.

Bin Mächtig Wichtig

Hier ein schönes Beispiel aus der Reihe „ich bin zu reich, um rücksichtsvoll zu sein“ — naja, oder zumindest soll es ja wohl so aussehen, als sei er’s:

Ein BMW, zwei Parklücken

Aber beim Fahren kann die Lücke nicht klein genug sein zum Durchquetschen, gell? Und Ihr wundert Euch, daß ich keine BMW-Fahrer mag. (Naja: wenige.)

Die Rückkehr des Karnickels

Die Älteren werden sich erinnern: die erste Generation des VW Golf, für den nordamerikanischen Markt damals hergestellt in Westmoreland (USA), trug nicht nur recht großzügig dimensionierte Stoßstangen, sondern über den Cinemascope-Rückleuchten auch ein niedliches Karnickel-Logo nebst „Rabbit“-Schriftzug am Heck. Später wurden dann auch noch Scheinwerfer und Kühlergrill verfremdet, aber darum gehts hier nicht. Sondern um das hier:

Neues Rabbit-Logo

Das Viech ist wieder da. Denn der fünfte Golf heißt da drüben nun auch wieder Rabbit. Was einem Europäer komisch vorkommen mag — wie kann man ohne Not das meistverkaufte Auto des Konzerns umbenennen? –, ist da nicht so das Problem: die Amis waren schon immer mehr auf den Jetta, der dort auch immer so geheißen hat, fixiert. Und der einzige richtig erfolgreiche Golf da drüben war, welch Zufall, auch nur der erste — eben der Rabbit.

Ob allerdings die Rückkehr zum alten Namen allein genügt, um den im Gegensatz zum Ur-Golf arg übergewichtigen und verquollen geschteilten Njuh Räbbit wieder zu einem Kultobjekt zu machen? Man weiß es nicht. Ich wär da gefühlsmäßig eher skeptisch, aber andererseits muß man auch bedenken, daß die Zielgruppe eben aus Amis besteht. Den Njuh Bietel haben sie ja auch immer noch wie blöde gekauft, als er hier schon wieder mega-out war.

Und gönnen würd ich’s VW (und den Amis) schon. Denn gegen das, was die sonst so kaufen, ist so ein aktueller Golf gar nicht so furchtbar verquollen und auch ziemlich leicht.

Das einzig wirklich Ärgerliche an der ganzen Sache ist nur, daß die an sich ja nette Idee, jetzt den eigenen Golf mit dem neuen Rabbit-Logo-Karnickel zu verzieren, sich vermutlich genauso schnell bei der Tiefer-Härter-Lauter-Dümmer-Fraktion durchsetzen wird wie die Sache mit dem chinesischen Volkswagen-Schriftzug, und daß man das deswegen als normalintelligenter Mensch leider nicht machen kann. Schade, ich finde das Viech echt knuffig.

Das Kleingedruckte: Das Bild ist irgendwoher geklaut.  Nicht daß mir das jetzt Gewissensnöte bereiten würde, aber unter Creative Commons-Lizenz stellen kann ich es halt auch nicht, daher dieser Hinweis.

Mail vom Freiherrn

Es passiert ja nicht oft, daß einen Spam noch schmunzeln läßt (Hohngelächter, ja, aber Schmunzeln?), doch dieser hier hat’s geschafft:

Sehr geehrte Mandanten, lieber Neukunde,

ich war begeistert, mit welchem Eifer Sie mir jeden Verstoss gegen das UWG betr. SPAM zugesandt haben.

Mittlerweile habe ich wieder etwas Luft, so dass ich ein wenig Arbeit brauche. Es soll nicht Ihr Schaden sein.

Bitte leiten Sie mir weiterhin Werbung zu, die Ihnen unlauter vorkommt. Ich bin auf Abmahnungen spezialisiert.

Jede Form der Werbung per Telefon, Telefax oder eMail ist untersagt und wird durch mich zivilrechtlich verfolgt.

Vielen Dank im Voraus!

Ihr

G. Frhr. v. Gravenreuth
Rechtsanwalt und Dipl.-Ing.

„Ich brauche den aber!“

Gerade bei den heutigen Spritpreisen, wo schon das Volltanken eines bescheidenen Golf wehtut, jammern sie am lautesten: die Geländewagenfahrer. Herrjeh, auf was sie alles verzichten müssen wegen dieser Verbrecher im Nahen Osten!

Fragt man solche Leute dann, warum sie denn so ein Auto fahren, kommt die Antwort aus der Überschrift, ergänzt um ein bis zwei mal weniger, meist aber mehr haarsträubende Begründungen. Raumangebot, Sicherheit, Überblick über das Verkehrsgeschehen oder die Möglichkeit, alle Jubeljahre mal einen Pferde- oder Bootshänger über eine nasse Wiese zu ziehen, werden da besonders gerne genommen. Daß es für jede dieser Anforderungen (und ja: auch für alle zusammen) besser geeignete Autos gibt, die einem nicht die Haare vom Kopf fressen, bleibt dabei unbeachtet.

Leute: ich hab doch gar nix dagegen, wenn Ihr sowas fahrt, weil Ihr es zum Posen vor der Eisdiele braucht und aber der Kinderwagen nicht ins alternativ dazu geeignete Dreier-Coupé gepaßt hätte. Oder weil Ihr es einfach geil findet, Euch auf dem Weg vom Büro zu Ikea vorzustellen, Ihr wärt Colt Seavers. Wirklich nicht. Ich kauf meine Autos doch auch nicht nur nach rationalen Gesichtspunkten.

Aber dann solltet Ihr auch die Größe haben, es zuzugeben.

Einmal im Leben hab ich jemanden getroffen, dem ich den Spruch aus der Überschrift abgenommen hätte. Der gute Mann war Landwirt, und seine Landwirtschaft lag etwas abseits in einem hügeligen Wald, wo man überall da, wo es flach genug war, Felder rausgerodet hat. Dementsprechend waren die Wege zu diesen Feldern (teils am Waldrand, teils auch mitten durch) nicht eben eben und auch recht unwegsam. Sagen wir so: der von mir dort pilotierte Unimog war schon mal weniger gefordert.

In dem Revier hätte ein Land Rover Discovery oder ein Mitsubishi L 200 Allrad-Pickup durchaus stimmig gewirkt. Denn besagter Landwirt war die ganze Zeit da am Rumrödeln mit seinem Auto: auf den Feldwegen, auch auf den abgeernteten Feldern, mit Ladegut wie Zaunpfosten, Brennholz und so weiter. Ein Mercedes ML hätte nicht wirklich unterfordert gewirkt dabei, allenfalls etwas overdressed.

Aber der Mann fuhr keinen Geländewagen oder Allradpickup, nicht mal einen Subaru-Kombi, Audi allroad oder Golf Country. Der Mann fuhr einen stinknormalen, schon etwas älteren, völlig serienmäßigen und recht gepflegt wirkenden Escort Turnier. Natürlich mit Hänger.

Nicht mal der, liebe Geländewagenfahrer, brauchte also so einen. Denkt mal drüber nach.

Von guter Erziehung

Sonntagmorgen, kurz nach sieben. Obwohl ich es zeitlebens vermeiden konnte, mich zu vermehren, werde ich von Kindergeplärr geweckt. Es dringt gottseidank nur durch die offenen Fenster meiner Wohnung (im 2. Stock) herein, langsam lauter werdend. Verschlafenen Auges aus dem Fenster blickend, werde ich seiner Quelle gewahr: ein grob spanferkelgroßes Stück Mensch, von seinem Muttertier am Arm durch die sonst menschenleeren Straßen halb getragen, halb gezerrt, während letzteres laut schimpfend kundtut, daß, wer schreie, nicht auf den Arm komme, basta.

Hallo? Geht’s noch? Ob dies eine angemessene Erziehungsmaßnahme sei, darüber kann und will ich nicht befinden. Daß es aber eine buchstäblich (himmel-)schreiende Demonstration der eigenen schlechten Erziehung ist, auf diese pädagogisch wertvolle Art die Nachbarschaft zu wecken, das steht für mich außer Frage.

Liebes Muttertier: Wenn wir uns mal in der Tram (die mich übrigens, obwohl sie genau vorm Haus entlangdonnert, zuverlässig nicht zu wecken vermag) wiedertreffen, und ich biete Dir und Deiner Brut nicht meinen Sitzplatz an, dann wirst Du vielleicht nicht wissen, warum.

Ich aber.

Digitale Festung, auf Sand gebaut

Dan Brown, bekannt als Schöpfer des „Da Vinci Code“ (aka „Sakrileg“), schreibt in seinem Buch „Digital Fortress“ (aka „Diabolus“ oder „Sieh her, ich bin vom selben Autor wie ‚Sakrileg‘, und daß ich damit nix zu tun habe, merkst Du erst zuhause, wetten?“) einen derart beeindruckenden Unsinn, daß ich mich unwillkürlich frage, ob das Kirchenkennern mit dem Da Vinci-Kot auch so geht wie mir mit dem Digital Fortress-Scheiß: daß ihnen der Ärger über derart dreist frei erfundene „Fakten“ den Spaß am sonst gut gemachten Roman verdirbt.

Zur Sache, ohne zuviel zu verraten: Die NSA betreibe einen Supercomputer, der jeden Verschlüsselungs-Code in Minutenschnelle knacken könne, bis jemand (natürlich) einen unknackbaren Code geschrieben habe. Ohne mich über die selbst mir als Laien offensichtlichen Fehler in beider Beschreibung auslassen zu wollen (das haben andere vor mir schon getan), möchte ich hier mal nur einen einzigen, überdies relativ nichttechnischen Aspekt herauspicken, der dennoch die Prämisse des Buches stark ins Wanken bringt.

Man stelle sich vor, der Autor habe recht, und die NSA betreibe tatsächlich einen Computer, der binnen Minuten jeden üblicherweise verwendeten Code knacken kann. Das klingt bannig gefährlich, oder?

Nö.

Denn selbst mir wäre es doch ohne allzu große Klimmzüge möglich, dicke Leitung mal vorausgesetzt, ein System zusammenzubasteln, das, sagen wir, alle 5 Minuten eine normal verschlüsselte, nicht allzu kleine Datei, z.B. ein zufällig ausgewähltes Bild belanglosen Motivs, an meine Mitterroristen, Mitverschwörer oder wen auch immer schicken würde. Schon wäre der NSA-Denial of Service fertig: denn die müßten jetzt jede dieser Dateien erst entschlüsseln und dann ankucken, und zwar so richtig mit Mensch, um eventuelle Nutzdaten, z.B. eine abfotografierte Seite mit Text, zu finden. Oder zumindest ziemlich schlaue Mustererkennungsalgorithmen bemühen, um die abfotografieren Textseiten von den Käfertreffenbildern zu separieren.

Und selbst wenn ich vermutete, daß sie solches täten, könnte ich die Nutzdaten immer noch trivial verstecken: entweder offensichtlich, indem ich dazu überginge, Bilder von zufällig ausgewählten Buchseiten zu verschicken, damit die Mustererkennung dauernd anschlüge, oder subtil, indem ich die Nutzdaten mit dem Finger in den Staub auf der Haube des fotografierten Käfers schriebe, damit diese Datei als DOS-Futter verworfen würde.

Oder beides. Von durchaus bekannten elaborierteren Verfahren wie der Steganografie ganz abgesehen.

Und selbst wenn ich, wie die Öffentlichkeit im Roman, keine Ahnung habe, daß sowas wie dieser Supercomputer existieren könnte: Der knackt nun also so ne verschlüsselte Nachricht in sechs Minuten. Zehn pro Stunde. Zweihuindertvierzig am Tag. Ehrlich, ich bin geradezu starr vor Angst. Zweihundertvierzig am Tag krieg ich an Spam.

So. Fünf Minuten des Nachdenkens von einem Laien wie mir, und schon bricht das Fundament von Herrn Browns Roman zusammen wie ein Kartenhaus. Haben der Mann und sein Verlag keine Lektoren und Berater? Oder ist denen das einfach egal?

Disclaimer: Ja, das Buch ist ansonsten recht angenehm zu lesen, und nein, der Vorwurf „Du hast es doch gekauft, also hat’s denen nicht geschadet“ trifft nicht zu. Ich hab’s nämlich geschenkt bekommen.

Ungewollt ehrlich

Flattert mir doch gerade folgender Spam in die Mehlbox:

Subject: But now I can penetrate hardly and give the pleasure to every woman!

How are u? Millions of men are facing this issue, and the smartest ones already got an answer. Extra-Time is the thing that puts you in complete control over the situation. Probably you dreamed about delaying your bed finish hundreds of times. All you need is here: http://url-geloescht.invalid/ You won’t hear another word of reproach from her! She’ll just keep you a secret from her friends!

Ist doch was Schönes, wenn Werbung so ehrlich ist. Für die, die es nicht gemerkt haben: „hardly“ ist englisch und bedeutet „kaum“.

Zwiebackfräsen

Bin ich eigentlich der einzige Mensch, dem diese blöden Zweitakter auf die Nerven gehen? Alles achtet werweißwie auf die Umwelt und fährt den Dreiliter-Sechszylinder-Geländewagen selbstverständlich nur mit Schadstoffklasse Euro 4 und benzolfreiem Optimax, aber jede Kettensäge, jeder Rasenkantentrimmer, jeder Laubbläser, diverse Mofas, Roller und Kleinkräder, Quads und andere Aufsitzmäher, Spielzeugmotorräder (der neueste Trend bei den Hirnlosen) und was es dergleichen an Spielkram mehr gibt — sie alle hauen blaue Wolken raus und kreischen in der Gegend rum, als gäbe es kein Morgen. Dagegen sind die letzten verbliebenen Trabanten, Wartburgen und Barkassen ebenso wie die Motoren von ferngelenkten Modellen wohl zu vernachlässigen, weswegen ich die mal ausklammern will.

Und ja, von mir aus auch die Kettensägen. Daß man so ein Ding, das auch überkopf noch laufen soll und das man den ganzen Tag durch die Gegend wuchtet, vielleicht nicht unbedingt mittels Nockenwellen, Trockensumpfschmierung und ähnlichem für den Viertakter nötigen Zeug schwerer machen sollte als nötig, sehe sogar ich ein. Bessere Geräuschdämpfung wäre aber auch bei den Fichtenmopeds möglich und sinnvoll.

Aber dieser ganze Spielkram, den es entweder (wie Roller und so) auch als Viertakter zu kaufen gibt oder der (wie Minimotorräder) einfach nur unsinnig ist? Tut mir leid, aber solange es sowas als Zweitakter (oder, um technisch exakt zu sein: mit Gemischschmierung) zu kaufen und ohne kräftige Umweltsteuer zu betreiben gibt, kann ich beim besten Willen keine angeblich abgasbedingten Strafsteuern, Zulassungsbeschränkungen oder Fahrverbote irgendwie ernstnehmen und werde diese auch weiterhin als das sehen, was sie sind: schlecht getarnte staatliche Verkaufsförderungsmaßnahmen für unsere ach so notleidende Automobilindustrie.

Hallo, Ihr da in Berlin! 25 Euro Strafsteuer auf jeden Liter Zweitaktöl, wär das nix? Ihr braucht doch immer Geld, oder?

Was vorbei is, is vorbei, Baby Blue

Nun ist es also offiziell: Microsoft stellt den Support ein für Windows 98 und bei der Gelegenheit auch gleich für das durchaus zu recht schon fast vergessene „Windows? Me?!“, äh, Windows ME. Und empfiehlt natürlich, aus Sicherheitsgründen zu moderneren Systemen, „z.B. Windows XP“, zu wechseln.

Ja. Na klar.

Hallo? Geht’s noch? Diese Zeilen entstehen auf einem Pentium-1-MMX (damals war -MMX noch was Besonderes) mit sage und schreibe 233 MHz Taktfrequenz. (Ein MHz, liebe Kinder, ist ungefähr ein tausendstel GHz. Und auch wenn Euch 0,233 GHz unglaubwürdig vorkommen: mein erster Computer hatte 0,016 GHz und lief auch gut.) Was würde ein Windows XP wohl zu dieser Kiste sagen? Wenn das Installationsprogramm die Soundhardware erkennen sollte, erscheint mir schallendes Gelächter als realistische Voraussage.

Soll ich den jetzt also wegwerfen? Wenn’s nach Microsoft und deren Kumpanen aus der Hardwarebranche ginge, sicherlich. Und wenn’s nach den Open-Source-Jüngern ginge, hätte ich schon vor Jahren Linux installieren sollen, schon klar. Aber wißt Ihr was? Mein Windows 98 funktioniert auch (oder gerade) ohne Microsofts Support schon seit Jahren ganz gut, danke der Nachfrage. Da werd ich doch jetzt nix ändern. Und was wär schließlich eine Dose (okay, eine Windose) ohne DOS?

Und darum kriegt die nächste Kiste, die hier schon rumliegt (Pentium 2! 400 MHz! Booah!), jetzt erst recht schon aus Prinzip wieder ein Windows 98. So.

Schönen Dank an Falco für die Titelzeile und an Symlink für den Link.

Update vom 16.7.06: Den Kommentarschreibern (danke!) sei gesagt, daß ich mir sehr wohl der Tatsache bewußt bin, daß Windows 2000 auf solchen Kisten läuft, und auch glaube, daß Windows XP auf ihnen zum Krabbeln zu bekommen ist. Mein Punkt war eher, daß es aus meiner Sicht schlicht nicht nötig ist, Windows 98 loszuwerden, nur weil Microsoft das für nötig hält.

Update vom 8.7.15: Mittlerweile benutze ich auf einem deutlich schnelleren Rechner Windows XP, auch schon wieder ein paar Jahre. Am Tenor des Artikels ändert das aber nix — mittlerweile hat Microsoft nämlich auch für XP den Support eingestellt, und ich benutze es nicht nur trotzdem weiter, sondern finde es sogar ausgesprochen entspannend, daß diese Firma nicht mehr zu jedem Patch-Day in meinem Betriebssystem herumbastelt. 🙂

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