Steffi, was bist du alt geworden

Fahrbericht Opel Corsa A

Kraftfahrzeugüberführungslogistikbedingte Zwangsumstände machten mich eines Wochenendes zum weniger stolzen Zwischen- bis Letztbesitzer eines 1990er Opel Corsa A „Steffi Special“. Da drin hätte ich mich zu seiner Blütezeit nicht mal tot erwischen lassen wollen: was haben wir damals über die Kiste und ihre Namensgebung gelästert! Heute entlockt mir der Schriftzug nur ein müdes Schmunzeln. Ich schwöre, ich werde alt.

Der Corsa ist aber auch alt geworden inzwischen, denk ich mir so, als ich vor ihm stehe. Noch die Prä-Facelift-Version mit dem verhärmt dreinblickenden grauen Plast-Grill, innen auch alles in freudlos-grauem Hartplastik (außen ist er weiß, wo er nicht plastgrau oder rostrot ist). Erinnerungen an Kadett D und E kommen aus Urzeiten wieder hoch. Auch das Armaturenbrett-Design erinnert an den D-Kadett: oben klotzig, unten nach vorn fliehend.

Mann, ist das alles lange her. Aber noch nicht lange genug.

Das einzige, was diesen Corsa etwas rauszureißen vermag, so denke ich mir, ist das große, elektrische Faltschiebedach, wie es außer dem „Steffi Special“ laut beiliegender Faltdach-Extraanleitung auch der „Joy“ gehabt hat. Das Ding ist zwar nicht mehr dicht und auch nicht mehr schön, aber wenn es offen ist, ist es sehr offen – und das ist bei dem Wetter wichtiger. Doch, denke ich, die 400 km nach Hause wird der wohl zu ertragen sein. Also volltanken und ab.

Erste Überraschung: Das Ding geht nicht mal schlecht. Nachlesen im Schein ergibt, daß es sich um einen 1.4i mit 60 PS und G-Kat handelt. In der leichten Büchse kein Wunder, daß der ordentlich zieht. Auch die Fünfgangschaltung klackt recht sauber, so daß der alte Eimer sehr viel souveräner fährt, als er aussieht. Ab 150 wird er aber unruhig, so daß ich mich nach einigen kurzen Ausflügen in Geschwindigkeitsregionen jenseits des Richttempos mit 120-130 bescheide und mit offenem Faltdach die laue Frühlingsnacht genieße. Ist angesichts der eher zahm beißenden Bremse (wobei ich da von dem zuvor überführten Citroen BX und meinem eigentlichen Golf 16V sicher verwöhnt bin) wohl auch besser so.

Zweite Überraschung: bei dem Tempo verbraucht die Kiste beinahe nix. Der volle Tank ist am Ziel immer noch halbvoll, und auch wenn die Tankuhr da ein wenig gelogen haben mag, so sind die gut 550 km mit 38 Litern oder 6,9 Liter auf 100 km, die er bis zum Nachtanken geschafft hat, m.E. nicht so übel.

Insgesamt hat der olle Opel durchaus positiv zu beeindrucken gewußt. Ausreichend flott, recht leise, ordentlich gefedert, vorne recht geräumig, zuverlässig sowieso und obendrein relativ sparsam. *staun* Für geschenkt war der auf keinen Fall zu teuer, und ich fuhr ihn auch noch ne Weile, bis er denn wegging. Bei dem Wetter ist so ein Faltdach echt klasse, wer mag mir mal bitte ne Ente verkaufen? Denn den Corsa zu behalten, kam denn doch nicht in Frage. Denn erstens ist das trotz der Überraschungen immer noch ein bemerkenswert öder, freudloser 80er-Jahre-Kleinwagen, der mir spätestens dann, wenn kein Faltdachwetter mehr ist, auf die Nerven gegangen wäre; zweitens rostete zumindest meiner wie die Seuche; drittens kostete er laut seiner Vorbesitzerin horrend viel Versicherung; und viertens hab ich meinem Golf zuliebe schon den BX weggegeben, da werd ich ganz bestimmt keinen Opel behalten stattdessen. Also weg damit.

Nur wohin?

Mein erstes Auto, damals, 1988, war ein 1970er Käfer. Der hat damals 500 Mark gekostet, und für weitere 500 war an ihm zu schweißen, bis er TÜV bekam. Und das war für ein erstes Auto damals auch beides ganz normal, wenn auch meiner tendenziell ein bißchen älter war als die meisten und auch damals schon Golf, Fiesta und Kadett des Käfers Vorherrschaft im Letzthand-Sektor gebrochen hatten.

In unserer Clique war aber der Käfer der Regelfall. Und wir liebten unsere alten Hebben – feierten ihre Geburtstage, gaben ihnen Namen, bastelten sie gemeinsam übern TÜV und reparierten ihre kleinen und großen Malaisen im Teamwork. Ein neues altes Auto war ein Ereignis nicht nur für seinen Besitzer, und wenn ein altes altes Auto zu bestatten war, wurde auch das gebührend gewürdigt. Wir waren schon ziemlich durchgeknallte Spinner damals.

Wo sind diese Leute heute?

Nein, nicht dieselben von damals. Die kenne ich ja auch heute noch. Heute fahren sie im Regelfall Bulli (T2 oder zunehmend T3) statt Käfer, geben ihnen immer noch Namen, fahren immer noch auf Treffen, und daß man die Bullis der anderen weniger gut kennt und weniger Anteil an ihrem Leben nimmt als damals, ist ja normal – mit den Leuten selber ist das ja auch nicht anders.

Aber wo sind heute die durchgeknallten Spinner mit den mäßig bis schlecht erhaltenen Beinahe-Youngtimern, den dünnen Brieftaschen und den selten erkaltenden Schweißgeräten? Irgendwie sind die jungen Leute, die ich so kenne, entweder (zwar auch durchgeknallte) Custom-, Tuning- oder wie auch immer man das heute nennt-Freaks, oder sie fahren eben irgendwelche Kisten mit 6 bis -2 Monaten Rest-TÜV in Grund und Boden, oder Papi hat ihnen einen jungen Gebrauchtwagen zum Abi geschenkt.

Stimmt mein Eindruck, oder gibt’s auch noch andere? Wenn es sie gibt, würde ich mich freuen, von ihnen zu hören. Auch wenn dieser Corsa mittlerweile (für 40 Euro als Teilespender) verkauft ist – denn eigentlich hätte er irgendwie Besseres verdient gehabt, finde ich. Obwohl es ein Opel war. Ich werde wirklich alt. 🙂

Dieser Artikel erschien am 11.5.2006 in der Usenet-Gruppe de.etc.fahrzeug.auto, lag seit etwa 2010 auf ermel.org im Web und lebt seit November 2017 hier — aber mit dem Datum von damals, damit niemand denkt, er sei aktuell ;-)

Bier auf’m Buckel

In Fortsetzung quasi von diesem Artikel erblickte ich neulich auf der Autobahn dieses Fahrzeug, dessen Anschrift offensichtlich aus derselben Immätsch-Kämmpäihn stammt und zudem auch noch sehr viel gelungener ist, so daß selbst ich da nicht mal drüber lästern möchte. Bitte die beschissene Bildqualität zu entschuldigen, aber für ein Foto während der Fahrt mit 90 auf ner sanierungswürdigen Autobahn bei ziemlichem Mistwetter bin ich schon froh, daß man’s überhaupt lesen kann:

Alle acht Sprüche dieser Kampagne finden sich (als Fotoretuschen) in diesem PDF bei mercedes-benz.de, wobei ich für die Dauerhaltbarkeit des Links keine Garantie übernehme und wenig Zuversicht hege. Der Weg dahin führt über Lkw -> Fahrerwelt -> Events & Fun -> Rückseitenkampagne. Da kann man dann auch, wenn man selber so ne Kiste (und ne Firma dazu) hat, die Sprüche als Klebefolie kostenlos bestellen, was ich allen Spediteuren ans Herz legen möchte! Ich freu mich immer, wenn ich mal so einen seh.

Wo der Terror lebt: Der Imbißwagen

Wer seine Tage in Institutionen verbringt, in denen mehr Menschen arbeiten als durchschnittlich so üblich, also etwa in (verwirrenderweise so genannten) Leeranstalten oder ähnlichem, der kennt es: das allmorgendlich zur besten Büroschlaf-Zeit ertönende ohrenbetäubende *Tuuuuuuuuut* oder auch, traditionsbewußter, *Drrrrrriiingg*, mit dem ein sich auf den Parkplatz quälender Letzthand-Hanomag, -Ducato oder -Vito mit kastenförmigem Verkaufsaufbau seinen astmathisch keuchenden Diesel zu übertönen und gleichzeitig seine Opfer zur Schlachtbank zu rufen sucht.

Jene Schlachtbank, vom Personal indes mit dem Tarnnamen „Theke“ belegt, ist garniert mit mehr oder weniger geschickt als Nahrungsmitteln getarnten Folterinstrumenten. Alle, alle sind sie dort versammelt: die am Vortag in der Vortagsbäckerei entsorgten Brötchen, belegt mit dem bei Edequ neulich wegen Ablaufdatum entsorgten Schimmelkäse, der bereits graugrünlichen Bierwurst und dem schon frisch ungenießbar gewesenen Kotzarella, nicht zu vergessen dem allgegenwärtigen lappigen Salatblatt; das mit 2 cm Panade getarnte und sorgfältig totfritierte Schnitzel (und man möchte wirklich nicht wissen, das wievielte Leben desselben in der Friteuse geendet hat), der Phosphatlöken in Tomatenschlatze und natürlich der absolute Klassiker: die Frikadelle, gern auch als „Bremsklotz“ tituliert und einem solchen auch durchaus in Farbe und Konsistenz nicht unähnlich. Wenn man Glück hat.

Das Erstaunliche an solchen Kisten ist auch weniger, was sie so anbieten oder daß es einer kauft, als daß es Leute gibt, die da immer wieder kaufen. Aber was soll man denn auch tun? Ne halbe Stunde eher aufstehen und sich selber Brote schmieren? Fällt schwer, auch weil irgendeine der gar nicht so zahlreichen Zutaten eh nie im Haus ist. Bis zur Mittagspause (so es eine gibt) hungern und dann die örtliche Gastronomie beehren? Auch nicht besser, zumindest gar zu oft. Und etwaige Betriebskantinen sind ohnehin weiträumig zu umfahren, wenn einem das Leben lieb ist, denn die haben’s noch einfacher, mit Abfallverwertung durchzukommen: die kann man nämlich nicht notfalls mit Waffengewalt vom Parkplatz entfernen.

Also stürmt man beim Ertönen der Hupe oder Glocke doch wieder hinaus auf den Parkplatz und ersteht an der Rostlaube nach längerem Anstehen die üblichen ballaststoffreichen (Euphemismus für „wie Steine im Magen liegenden“) Nahrungs(?)mittel, um sich sodann mit deren „Genuß“ von der Öde des Alltags abzulenken. Denn dann hat man wenigstens mal was, über das zu ärgern es sich wirklich lohnt.

Aber ich muß schließen: draußen hupt der Ducato. Schlabonski wünscht wie immer guten Appetit.

Ältere Beiträge unserer beleibten Serie „Kulinarische Ausflüchte“.

Na Hauptsache einer ist glücklich

Lieferwagen 'Obst von glücklichen Bäumen'

Sahne-Waffeln

Ein Rezept von unserem Gastautor Heiko Herholz

Zutaten

  • Waffeleisen inklusive geeigneter Stromversorgung* (gibt es regelmäßig im Kaffeefachhandel)
  • Rührgerät inklusive geeigneter Stromversorgung* (gibt es regelmäßig im Discount-Selbstbedienungladen)
  • 2 Eier (roh und am besten aus Freilandhaltung von einer dioxinfreien Wiese)
  • 125g Margarine (ich nehme immer die billige aus dem Kaufmarkt, im Reformhaus gibt es aber bestimmt auch gewaltfreie Margarine)
  • ein Becher Sahne (gibt es im ständigem Sortiment vieler Läden in der Kühlabteilung)
  • 250g Mehl (Typ 405 oder 550, gibt es zum Beispiel in der Mühle Wolter in Buchow-Karpzow)
  • ein halbes Tütchen Backpulver (Natron tut es auch oder einfach ein paar Eier mehr. Man kann statt Backpulver auch Mineralwasser nehmen, aber Vorsicht: umgekehrt ist das meist weniger zielführend, da Backpulver ein schlechter Durstlöscher ist)
  • einen halben Becher Milch (so von einer Kuh oder sowas, Ziege geht notfalls auch)
  • eine Rührschüssel (wenn nicht vorhanden, dann kann frau/man sowas auch aus einem Baumstumpf schnitzen, dauert dann aber etwas länger)
  • Puderzucker (z.B. aus dem Kolonialwarenhandel oder so)

* Stromgeneratoren gibt es im Siedlerbedarf. Kraftstoff dafür gibt es in der Apotheke, im Baumarkt oder, wenn man genug Geld hat, auch an der Tankstelle (man kann auch einen Fahrrad-Dynamo zweckentfremden (Fahrräder gibt’s auf dem Sperrmüll oder vor der Uni), dauert dann aber etwas länger).

Zubereitung

Das Waffeleisen wird an den schwarzen, profilierten Innenflächen mit etwas Margarine eingefettet. Anschließend die Stromversorgung herstellen und einschalten (rtfm). Das Mehl in die Schüssel geben (ggfs. sieben, dann hat man die Mehlwürmer nicht im Teig. Ein Sieb kann man sich notfalls auch aus einer Plastiktüte bauen, dauert dann aber etwas länger). Die Eier aufschlagen und den flüssigen Inhalt moglichst schalenfrei aber komplett in die Schüssel überführen. Die Margarine auch in die Schüssel befördern. Den Becher Sahne (ohne Becher) in die Schüssel kippen. Das Verfahren mit dem Backpulver und der Milch wiederholen.

Mit dem Rührgerät (rtfm) den Schüsselinhalt so lange bearbeiten, bis die Masse homogen und insbesondere klümpchenfrei aussieht. Mit einer Kelle (kann man notfalls aus dem Holz des gefällten Baumes schnitzen, dauert dann aber wieder etwas länger) die Breimasse auf die untere schwarze profilierte Innenfläche gleichmäßig auftragen. Nicht zuviel oder zuwenig Teig verwenden (spätestens ab der dritten Waffel hat frau/man in etwa die korrekte Menge experimentiell ermittelt). Das Waffeleisen zuklappen (die obere profilierte schwarze Innenfläche in den Teig drücken). Einige Zeit warten (spätestens ab der 3. Waffel entwickelt frau/man ein Zeitgefühl dafür).

Das Waffeleisen aufklappen und die Waffel mit einer Gabel (ggfs. wie Kelle herstellen) entnehmen. Den Puderzucker mit einem Sieb (s.o.) und einem Löffel (ggfs. wie Kelle herstellen) auftragen.

Guten Appetit!


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Achwas: Der Kronenkorken

Na man gut, daß die das draufgeschrieben haben. Sonst wäre ich da nie drauf gekommen.

Kronenkorken bitte entfernen

Schlabonski bloggt?

Huch, moderne Zeiten? Ein Blog auf Schlabonskis Welt? Bin ich denn von allen guten Geistern verlassen?

Sieht so aus, ja. Nachdem es aber letztes Jahr sehr sehr still geworden war um Schlabonskis Welt (wenn man mal das Geßtbuck und die Zugriffsstatistiken außen vor läßt), hab ich mir gedacht, probierste mal, wie das so ist, wenn man bloggt, statt handzucodieren.

Bis jetzt fühlt sich das ganz gut an. Schaun mer mal.

Und immerhin bleibe ich meinem Ruf, eine optisch nicht sonderlich spektakuläre Weppßait zu machen, offensichtlich treu. Also keine Bange da draußen 🙂

Nachtrag anläßlich des ersten größeren WordPress-Updates und Redesigns, grad mal gut elf Jahre später: Bitte nicht wundern, warum hier mitten in der Zeitleiste ein erster Blogpost auftaucht — es war tatsächlich der erste, alles noch ältere wurde ab Ende 2017 aus der alten Website nachträglich importiert. Und die Optik ist auch etwas weniger schlicht als damals, es sei zugegeben.  Dafür gibt es aber auch kein Geßtbuck mehr.

Der etwas andere Fahrbericht

Mercedes 207 D Doppelkabine

Die schöne Tradition des Fahrberichts in dieser Newsgroup (Anmerkung des Importeurs: siehe Erläuterung im letzten Absatz) verdient es, erhalten zu bleiben. Aber immer nur Neu- und Familienwagen? Hier mal ein Fahrbericht über ein Spaß-Auto der etwas anderen Sorte: ein 207 D Pritschenwagen mit Doppelkabine, den ich unlängst mal ein paar Stunden fahren durfte.

In seidenmattem Müllwagenorange steht sie vor mir. So eine Mercedes-Pritsche ist kein kleines Auto, selbst wenn man VW-Transporter gewohnt ist. Man spürt: dies ist ein richtiger Laster. Könnte es auch ein solches werden? Neugierig wird der Wagen umrundet. Gut, die Spaltmaße sind nicht mehr so recht piëchkompatibel nach bald 20 Jahren, die Lackqualität ist stark schwankend (von original-verkratzt über spachtel-übergesprüht bis flüchtig-aufgequastet), und im hinteren Bereich ist das Fahrzeug nahezu einfarbig ziegelrot (ein Tribut an seinen Alltagsjob als Baustellenpritsche). Und dennoch: das Design muß als gelungen gelten, und der Gesamteindruck ist der eines überaus kompetenten Nutzfahrzeugs. Lediglich die winzigen Schlußleuchten verraten auch dem Nichteingeweihten das Alter.

Also besteigen wir mal den Arbeitsplatz. Das erweist sich angesichts des fehlenden Entriegelungsknopfes am Türschloß als unerwartet nichttrivial; ein beherzter Griff durch das offene Fenster zum inneren Entriegelungshebel löst das Dilemma. Das Besteigen der Kabine erfordert eine gewisse Gelenkigkeit, da die zu diesem Zweck eigentlich vorgesehene Trittstufe hinter dem Radkasten in weiten Teilen durch Abwesenheit glänzt und nur noch von der Gummiauflage zusammengehalten wird. Im Lauf der Erprobung werde ich das mehrmals vergessen und ein Häufchen Rostkrümel als mahnendes Andenken zurücklassen.

Doch nun sitze ich erstmal, angenehm hoch und recht bequem, und lasse den Blick über die Armaturentafel schweifen. Viel zu sehen gibt’s indes nicht: Softlack, Holz, Leder und Carbon glänzen erfreulicherweise durch Abwesenheit, doch das vorhandene schwarze Hartplastik ist immerhin übersichtlich und ergonomisch angeordnet und in einer angesichts des Allgemeinzustandes des Fahrzeuges bemerkenswert unbeschädigten Verfassung. Das Instrumentenbrett wird dominiert von einem riesigen Tacho mit aufgeklebten Schaltmarken, um den herum Kontrollleuchten vom Charme eines 60er-Jahre-Herdes locker gruppiert sind. Die Bedienung gibt keine Rätsel auf: Drehschalter fürs Licht wie bei Mercedes üblich, alles andere wie in jedem normalen PKW – nur deutlich robuster und dafür weniger durchdesigned. Aber das muß ja nichts Schlechtes sein.

Etwas reumütig, weil ich die Rudolf-Diesel-Gedenkminute mit Schauen statt Gedenken verschwendet habe, starte ich das Triebwerk. Der bewährte Vierzylinder springt ohne Gas willig an und verfällt sofort in ein stoisches, nicht einmal übermäßig lautes Gröckeln, das jeden, der wie ich in den 70er und 80er Jahren Stadtkind im Westdeutschland war, sofort an die /8er- und W 123-Taxen gemahnt, die ja seither fast unbemerkt, da ausgesprochen allmählich aus dem Straßenbild geschieden sind und modernen, plastbehängten, windkanalgebügelten Gefährten mit der akustischen Anmutung eines Staubsaugers mit Lagerschaden weichen mußten, an denen der gute Stern wirkt wie eine Blumenvase am Armaturenbrett eines „New Beetle“. Aber nun gut.

Das Sortieren der immerhin fünf Gänge fällt nicht leicht: der erste liegt nicht nur links unten, sondern erweist sich auch als ausgesprochen störrischer Geselle. Nach einigem Gewürge versuche ich beim dritten oder vierten Anfahren mal den zweiten als Anfahrgang, und siehe da: souverän setzt sich die Fuhre in Bewegung. Die Gänge zwei bis fünf liegen da, wo man eins bis vier erwartet, und lassen sich auch so nutzen. Früh geschaltet und dem angesichts der mit 70 PS bescheidenen Leistung überraschend kräftigen Drehmoment vertrauend, läßt man den Wagen locker laufen – Stadttempo plus MwSt. ist lässig erreicht, und der Fünfte reicht auch hinunter bis in die Bereiche der 30-Zonen. So gefahren, bleibt auch das Geräusch sehr angenehm, wie auch sonst Sitz- und Federungskomfort wenig Wünsche übriglassen. So ab 65, 70 wird’s dann aber doch angestrengt, und auf der Celler Tangente konnte ich das Gefährt in den dort üblichen kurzen 70-Zonen nicht ernsthaft in für Flensburger Punkte relevante Geschwindigkeitsbereiche treiben. Aber schließlich hatte ich dazu auch genausowenig Lust wie der Motor.

Sonst wird man des lasterhaften Wesens des 207 D eigentlich nur gewahr, wenn man seine erhebliche Breite auf einer der schwindsüchtigen Fahrspuren, die die weniger zahlreichen, aber breiteren aus seiner Jugendzeit inzwischen vielerorts ersetzen, unterzubringen sucht oder unbedacht in eine Kurve sticht, um dann an der sehr indirekten, aber dafür trotz fehlenden Servos recht erträglich leichtgängigen Lenkung mächtig ins Kurbeln zu geraten. Die sehr souveräne Sitzposition entschädigt aber für vieles: auch den ja auch immer flacher werdenden Siebeneinhalb-Tonnern sieht man schon fast Aug in Auge, und ein aus dem eigenen Golf so bedrohlich wirkender Touareg oder ML fällt optisch unter Kleinwagen. Trotzdem ist die Übersicht bemerkenswert gut, nur die neckische kleine Stups-Motorhaube entzieht sich den Blicken, aber so lang, daß das ein Problem wäre, ist sie ja auch nicht.

Die kampferprobte Optik meines Testwagens führt als Zugabe dazu, daß die umgebenden Verkehrsteilnehmer respektvoll Abstand in alle Richtungen halten – ob aus Angst vor einem erratischen Fahrmanöver mit folgendem Blechkontakt, der, man mache sich da keine Illusionen, dem anderen Fahrzeug weitaus mehr Schaden zufügen würde als meinem, oder aus Vorsicht, es könne Ziegelstaub oder Rost den glänzenden Lack beschmutzen – man weiß es nicht.

Was ich aber genau weiß, ist, daß dieser Laster mich beeindruckt hat. Er war nicht der erste seiner Art, den zu pilotieren ich das Vergnügen hatte – aber er war der mit Abstand schlechtesterhaltene. Und dennoch: selbst dieses Nutzfahrzeug, dessen Zustand mit „untot“ noch am treffendsten zu umschreiben ist, verübte einen unnachahmlichen Charme. Komm, schien es zu flüstern (nein: mit rauchiger Stimme zu raunen, das paßt besser), komm, wenn Du was zu schleppen hast: ich erledige das für Dich. Wieviel, wie schwer, wie dreckig, wie weit? Egal. Wir packen das. Ich hab in meinem Leben schon Dinge geschleppt, die hast Du nicht mal *gesehen* – und Du willst an mir zweifeln?

Nö. Wollte ich dann auch gar nicht mehr. Aber ich sehe jetzt seine Artgenossen mit anderen Augen. Denn vielen 207ern, auch und gerade den Pritschen, ergeht es da draußen in diesen Tagen nicht anders: geschunden, getreten, verbraucht, verheizt fristen sie ihre letzten Monate, und vermutlich ist niemand überraschter als der (Firmen-)Besitzer selbst, wenn sie wieder und wieder die TÜV-Hürde nehmen, als wär’s nur eine weitere verschlammte Baustelle, und sich so für weitere zwei Jahre des Sterbens auf Raten qualifizieren. Ein hartes Leben hat so ein Laster, aber wenn er gehätschelt werden hätte wollen, wär er eben besser als Wohnmobil oder wenigstens Kombi auf die Welt gekommen. Und, Respekt: während die Transits, Fiats und LTs aus jenen Jahren sich genauso heimlich aus dem Straßenbild verkrümelt haben wie die oben erwähnten Taxen, der 207 und seine Verwandten bis rauf zum 410 sind immer noch präsent. So ein echter Mercedes ist eben zäh. „Tougher than the rest“, würde Springsteen singen.

Und auch wenn ich angesichts der wirklich restlos verbrauchten Substanz nicht mal 10 Sekunden ernsthaft darüber nachdachte, genau dieses Exemplar für einen hart bei Null liegenden Betrag zu erwerben – er wird mir leid tun, wenn er dieser Tage in der Presse landen wird, und wenn dereinst einer seiner Artgenossen mir mit rauchigem Gröckeln ein kleines Abenteuer zwischendurch anbieten wird: ich werde mit Freuden annehmen.

Und wer weiß? Vielleicht wird ja dann auch mal was Festeres draus.

Dieser Artikel erschien am 3.8.2004 in der Usenet-Gruppe de.etc.fahrzeug.auto, lag einen Tag später dann auch auf ermel.org im Web und lebt seit November 2017 hier — aber mit dem Datum von damals, damit niemand denkt, er sei aktuell ;-)

Daimlers Glockenspiele

Fahrbericht Chrysler PT Cruiser CRD

Bewußt wahrgenommen hatte ich ihn eigentlich noch nicht, unseren neuen Firmenwagen – ein bißchen Geläster, daß der Name ja ganz gut zum Design paßt, „Pity-Cruiser“, denn „pity“ heißt Mitleid, mehr mußte er von mir noch nicht erdulden.

Das soll sich jetzt ändern.

Der Ärger begann schon vor dem Anlassen: beim Verladen des Gepäcks. Funkfernbedienung für die ZV, praktisch – *klack*, zweimal blinken, warum ist der Kofferraum immer noch zu? Egal. Manuell aufschließen. Hmm, die Beifahrertür ist auch zu.  Nochmal aufs Knöppsche drücken, *klack*, zweimal blinken, ah, jetzt geht sie auf. Daß das ein Feature ist – erstes Öffnen entriegelt nur die Fahrertür –, hab ich erst zwei Tage später verstanden.

Also einsteigen, Schlüssel ins Schloß – *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, was willst Du von mir?, *ping*, *ping*, *ping*, Tür zu, Ruhe. Hm? Achso, Du wolltest mich dran erinnern, daß ich beim Aussteigen nicht den Schlüssel vergeß, was? Nett von Dir, aber ich bin doch gerade erst eingestiegen. Ach, das kannst Du nicht unterscheiden? Naja, macht ja nix. Sitz einstellen, achja, Außenspiegel elektrisch, also Zündung an, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, was ist denn nun schon wieder, Zündung aus, nachdenken, Zündung an, *ping*, *ping*, *ping*, achso, anschnallen soll ich mich, okay, *klick*, Ruhe. Auto, Du bist schlimmer als meine Mutter.

Dann wollen wir mal starten, was? Hmm? Wieso schweigt nun der Anlasser? Ah, ein Ami, vielleicht erst mal Leerlauf. Nix. Dritter Versuch, oh, jetzt geht er. Daß auch das ein Feature ist – Anlasser geht nur bei bis aufs Bodenblech getretener Kupplung –, hab ich erst zwei Tage später verstanden, nachdem ich ihn mitten auf einer Kreuzung minutenlang nicht anbekommen habe.

Aber jetzt läuft er ja. Rückwärtsgang rein, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, was ist denn nun schon wieder, *ping*, *ping*, Ruhe. Hmm. Sollte das …? Nochmal Leerlauf, Rückwärtsgang rein, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, nein, das darf doch nicht wahr sein! *NERV*! Rückwärtsfahrpiepser außen an Radladern sind ja schlimm genug, aber innen in Kompaktwagen? Auto, Du hältst mich wirklich für merkbefreit, was?

Ein paar Tage später, als ich mich in den kurzen, hakeligen Schaltgassen tatsächlich mal aus Versehen zum R-Gang statt dem ersten verlaufen hatte, war ich allerdings froh, daß das Auto, wenn man es schon nicht vernünftig bedienen kann, wenigstens piept.

Also ab zur Tanke, Diesel fassen. Angekommen, Motor aus, Tür auf, *ping*, *ping*, *ping*, achja, Schlüssel steckt noch, abziehen, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, was nun noch?, Licht aus?, Ruhe, ah, das war’s also. Och, wie süß, ein Tankdeckel mit Schloß drin, sowas hab ich ja schon seit Jahren nicht mehr gesehen! 50 Liter Diesel gefaßt, bezahlt, beim Losfahren nur einmal *ping*, *ping*, *ping* kassiert und ab auf die Bahn.

Erster Eindruck: mann, was ist die Federung hart. Da ist mein Golf 2 16V nicht unkomfortabler. Zweiter Eindruck: für so einen kleinen Turbodiesel schiebt er ja ordentlich, wenn man bei 1600/min das Turboloch hinter sich gelassen hat. Daß er so unübersichtlich ist, stört auf der Bahn auch nicht weiter. Fast versöhnlich ist mir zumute. Sogar die Stereoanlage taugt was.

Klar, kleine Schwächen bleiben. Etwa die Instrumentenbeleuchtung. Schwarze Zahlen auf hellgrauem Grund. Bis man das Licht anmacht, dann werden sie blaßblaugrünleuchtend. Bei Nacht okay, aber bei Dämmerung ist blaßblaugrünleuchtend auf hellgrau nicht wirklich gut ablesbar. Also Instrumentenbeleuchtung aus. Schade, daß man die Uhrzeit und die Kilometer dann nicht mehr sieht.

Die altmodische Klimaanlage (einzuschalten mit dem Gebläseschalter: vier Stufen Klima, Null, vier Stufen Gebläse ohne Klima) gefällt mir ganz gut: wenigstens hab ich hier die Kontrolle und nicht irgendeine tolle Klimaautomatik. Daß es keine Luftverteiler- Stellung für Frontscheibe und Ausströmdüsen oben gibt, sondern nur Scheibe, Scheibe und Düsen unten, nur Düsen unten, Düsen oben und unten sowie nur Düsen oben, und also entweder mir zu warm oder die Scheibe leicht beschlagen ist, stört aber etwas.

Überhaupt diese Düsen. Die Technologie für in der Richtung verstell- und verschließbare Luftausströmer ist ja schon seit dem ersten VW-Bus T2 von ’67 ausgereift. Chrysler mußte es natürlich wieder anders machen, mit einem interessant aussehenden Kegelstumpf, den man verstellen und damit die Luft umlenken kann. Oder doch zumindest Teile davon. Zum Verschließen dient ein spilleriges kleines Daumenrädchen, wie alles andere aus Plaste, aber nach 27 Mm immerhin noch dran. Klar gibt’s Schlimmeres, aber sowas ist genauso unnötig wie der Schalthebelknauf, gegen den selbst das Teil aus einem ’64er Käfer hochwertig anmutet.

Aber nach 480 km über 40 Liter nachfassen zu müssen, das wäre wirklich nicht nötig gewesen. Wieso verbraucht diese Karre so viel? Ein Blick in die Papiere klärt auf: der vermeintlich so kleine Diesel hat über 130 PS, und das wirklich nicht große Auto wiegt satte 1,6 Tonnen. Ein Firmen-Passat Variant mit dem 115-PS-TDI, ganz andere Fahrzeugklasse, verbraucht bei gleicher Fahrweise und subjektiv deutlich mehr Dampf einen guten Liter weniger …

Insgesamt war ich heilfroh, nach Ende der Geschäftsreise wieder meinen mittlerweile 306 Mm gelaufenen Golf 2 16V besteigen zu dürfen. Daß die Kupplung viel weniger giftig ist und dafür die Schaltung so leicht geht, daß ich erst dachte, sie wäre kaputt, ist gar nicht so wichtig. Klar, der Golf nervt mit diversesten Klapper-, Dröhn- und Schabgeräuschen, aber dafür erspart er mir immerhin das ewige *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping*, *ping* 🙂

Dieser Artikel erschien am 21.9.2003 in der Usenet-Gruppe de.etc.fahrzeug.auto, lag seit etwa 2004 auf ermel.org im Web und lebt seit November 2017 hier — aber mit dem Datum von damals, damit niemand denkt, er sei aktuell ;-)

Des Säufers Zähmung

Fahrbericht Pontiac Trans Sport 3.8 V6 (erste Generation, Bj. ’93)

Mein Verhältnis zu diesem Auto war schon immer gespalten. Daran hat sich nicht viel geändert, seit ich letzte Woche rund 1300 km damit rumfahren durfte. Aber interessant war’s schon.

Als er ’90 rauskam, war er ein Ding wie aus einer anderen Welt. Assoziationen zum ICE waren allgegenwärtig. Dieses Auto faszinierte, aber eher so, wie auch eine Citroen DS oder ein 928 faszinieren. Eine Berührung mit meiner Welt, damals der eines Käferfahrers, konnte ich mir nicht vorstellen. Und selten war der Trans Sport schon damals, also waren schon die Begegnungen nicht gerade alltägich.

’95 dann aus heiterem Himmel der erste Kontakt. Welch ein Schock! Da fährt man in Heilbronn mit dem Taxi vom Bahnhof zum Verlag, und das Taxi ist ein Trans Sport – im Zustand 4, gnadenlos runtergeritten und klappernd an allen Ecken und Enden. Überall lose Plastikteile, Flecken, Dreck, Geruch. Widerlich. Ich war von diesem Faszinosum kuriert, ein für alle Mal. Glaubte ich.

Bis letzte Woche. Firmenwagenmangel, so kommt auch ein normaler Entwickler mal zu der Ehre, ein Geschäftsleitungsauto zu fahren. Und dann gleich ’ne ganze Woche! Nu bin ich nicht gerade heiß auf sowas, Chefs A8 wollt ich nicht, zumindest nicht übers Wochenende im Tausch gegen mein Käfer Cabrio – aber Pontiac, das ist was anderes.

Reinsetzen und erschrecken: wo fängt er an, wo hört er auf? Vor mir unendliche Weiten: das Armaturenbrett. Dann kommt das Ende der Welt: die Frontscheibenunterkante. Der Meter davor ist nicht zu sehen. Na klasse. Nachdem ich mich mit so normalerweise profanen Dingen wie Sitzverstellung, Zündschloß und Schaltung (Lenkrad-Automatik-Wählhebel) vertraut gemacht habe, Motor an. *vrumm*, leise, aber vielversprechend. Hebel auf D, Bremsen los, zart aufs Gas – hey, warte auf mich!

Man gewöhnt sich an alles. Auch daran, daß die futuristische Form nur außen stattfindet. Innen herrscht das Ambiente eines japanischen Kleinbusses aus den frühen 80er Jahren, trotz gepolstertem Armaturenbrett und Ledersitzen: alles in tristem Grau, abgrundhäßliches Lenkrad, wahllos verstreute Schalter (die Klimaanlage hat mehr als mein ganzer Golf, und alle sehen gleich aus, sehr ergonomisch). Die Instrumente sind reichhaltig, aber sinnlos (wer braucht bei Automatik einen Drehzahlmesser?), und sehen auch aus wie japanischer Spätbarock. Nett die mechanische Fahrstufenanzeige und der ebensolche Kilometerzähler: Details, an denen man das Alter merkt.

Fahren tut er ganz ordentlich, doch, ja. Die Bremsen sind ab 160 leicht überfordert, aber das Fahrwerk taugt – wenn es auch überraschend straff ist, wenigstens wankt die Kiste nicht wie ein Schiff bei Sturm. Tacho 170 ist ein entspanntes Reisetempo, mehr mag auch der Tempomat nicht, was soll’s also. Das richtige Auto zum Stundenlang-geradeaus- Fahren, kurvige Landstraßen sind ungemütlich, dafür sorgen schon die seitenführungsfreien Sitze und die gefühllose Lenkung. Aber auf der Autobahn nach Antippen der Bremse entspannt auf die langsameren Benutzer der linken Spur zuzurollen, um nach deren Verschwinden durch einfaches Antippen des „Resume“-Knopfs des Tempomats vom V6 wieder auf 170 geschossen zu werden, doch, das hat was.

Man gut, daß ich den Sprit nicht zahlen muß. 18,3 Liter auf 100 Kilometer. Naja, wenigstens bloß Normal. Reichweite bei Volldampf: rund 400 km, aber mangels Kanister war ich meist schon nach 300 an der Tanke. Und all die überholten LKWs waren zur zweiten Runde wieder vor mir.

Am Zielort als Stadtauto zeigt er unerwartete Qualitäten: die ungeahnte Leichtigkeit des Seins. Kuppeln, Schalten, Kurbeln, Schwitzen, Frieren … finden einfach nicht statt. Man sitzt hoch, versperrt anderen den Blick und sieht selber prima. Man tritt aufs Gas und deklassiert auch die aufdringlichsten unter den anderen Verkehrsteilnehmern, wenn sie mal wieder in den ansehnlichen Auspuff zu kriechen versuchen. Man kann der Bedienung am McDrive in die Augen sehen. Man wird durch sanfte Ping-Laute erinnert, daß der Schlüssel noch steckt, das Licht an ist oder man beim Anlassen nicht auf die Bremse tritt. Aufkleber warnen vor der Gefahr, sich beim Öffnen der Tür den Kopf zu stoßen. Es gibt fünf Intervallstufen für die Scheibenwischer, die wie einst beim /8er sich in Ruhestellung übereinanderlegen. Wo andere Autos eine Innenleuchte haben, hat dieses eine Flutlichtanlage, bis hin zur Fußraumbeleuchtung. Und man verbraucht um die 14 Liter. Naja.

Die Rückfahrt am Freitag des vergangenen Stauwochenendes war nicht gerade vielversprechend, also entschloß ich mich zu einer ausgedehnten Landstraßentour fernab der ausgetrampelten Verkehrswege. An deren Ende standen 400 km auf dem Tageszähler, aber der Pontiac mochte trotzdem nur 41,6 Liter zu sich nehmen. 10,4 Liter auf 100 km, trotz gelegentlichen Überholgalopps mit Kickdown und Gebrüll, meine Güte – ich war fast versöhnt 🙂

Fazit: das Ding hat was. Auf dem Parkplatz sieht es immer noch neuer aus als die meisten Neuwagen, Platzangebot geht so (für’n Minivan, absolut ist es natürlich reichlich), Bedienung ist teilweise umständlich, aber das Wesentliche absolut streßfrei. Und interessant ist es auch: V6, aber Quermotor und Frontantrieb. Kunststoffkarosserie. Und immer wieder dieser Gegensatz von futuristischem Design außen und geradezu rührend altmodischen Details innen.

Gerade wegen seinem Mangel an Perfektion, vulgo „Charakter“, ist mir dieser Spritfresser irgendwie symphatisch. Vom Layout her ein „Riesen-Beetle“, gerade auch was den Ausblick betrifft, bestimmt genauso individualistisch, aber nicht so bemüht dabei. Einfach interessant. Gerade auch im Vergleich zu seinem unsäglichen Nachfolger, hierzulande bekannter als Opel „der Flop“ Sintra, der, wenn er neben dem echten Trans Sport steht, eher aussieht wie dessen Vorgänger.

Ob ich mir einen der wahren Trans Sport kaufen würde? Naja, als 2.3 16V könnt ich ihn mir vermutlich sogar leisten. Aber irgendwie wäre das nicht dasselbe. Vermutlich bin ich glücklicher, wenn ich mich seiner bloß wohlwollend erinnere. Vielleicht überleg ich’s mir, wenn er 20 wird, denn dann kommt ein weiterer Kontrast dazu: rote Oldienummer, aber immer noch topaktuelles Design.

Dieser Artikel erschien am 29.4.2001 in der Usenet-Gruppe de.etc.fahrzeug.auto, lag seit etwa 2004 auf ermel.org im Web und lebt seit November 2017 hier — aber mit dem Datum von damals, damit niemand denkt, er sei aktuell 😉

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