Scrum hat mein Leben nicht verbessert
Ich sag nicht dass Scrum grundsätzlich schlecht ist. Ich sag dass Scrum in der Praxis meistens zu etwas anderen degeneriert als das Handbuch beschreibt – und dass dieses Andere selten besser ist als das was vorher da war.
Was Scrum in der Theorie ist
Iterative Entwicklung in kurzen Zyklen. Regelmäßige Anpassung an veränderte Anforderungen. Selbstorganisierende Teams. Transparenz über Fortschritt. Das sind gute Ideen. Wirklich.
Was Scrum in der Praxis oft wird
Ein 45-minütiges Daily Stand-up wo zehn Leute am Tisch sitzen von denen sieben nichts zu sagen haben aber trotzdem drei Sätze sagen weil das der Prozess verlangt. Ein Refinement das eigentlich ein normales Gespräch hätte sein können. Eine Retrospektive wo die gleichen Punkte wie letzten Monat aufkommen und die gleichen Aktionen beschlossen werden und nichts davon bis zur nächsten Retro umgesetzt ist.
Und ein Backlog der Tausende von Items enthält, von denen niemand mehr weiß warum der unterste angelegt wurde, aber löschen will ihn auch niemand "weil er vielleicht noch relevant wird".
Das eine Team das Scrum abgebrochen hat
Das vierte Team in meiner Erfahrung hat nach drei Sprints entschieden: das bringt uns nichts. Stattdessen: Kanban-Board, wöchentliches Teamgespräch, direkte Kommunikation bei Problemen. Seitdem läuft alles besser – das Team sagt's, die Liefergeschwindigkeit zeigt's.
Das ist kein Beweis gegen Scrum. Aber es ist ein Hinweis darauf dass Prozesse Werkzeuge sind, keine Religion. Was für ein Team funktioniert muss für ein anderes nicht funktionieren. Die Fähigkeit das zu erkennen und anzupassen ist wichtiger als die Treue zu einem Framework.
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