Mama

Mama konnte nie ruhig schlafen, wenn „das Kind“ unterwegs war.

Früher war das kein Thema. Sie blieb halt wach, bis ich heimkam. Und als ich irgendwann nicht mehr jede Nacht heimkam, lernte ich schnell, daß es eine gute Idee war, sie dann anzurufen. Nicht, daß sie es mir übelgenommen hätte, wenn ich es nicht tat, aber ich sah es an ihren Augenringen.

Als ich dann auszog, zivildienstleistete, studierte und einen Bürojob hatte, geriet das in Vergessenheit. Aber als „das Kind“ dann Fernfahrer wurde, begann es wieder, das Ritual des allabendlichen Telefonats. Es begann immer gleich: Ich sagte „Taaag“, sie sagte „Quaaak“. Ich habe nie erfahren, ob das ein Scherz war oder ob sie mein „Taaag“ falsch verstanden hatte. Ihr Gehör war nicht mehr das beste.

Diese Telefonate hatten wenig Tiefgang. Wie auch? Was täglich passiert, wird Routine. Eine interessante Nachricht vielleicht, ein Scherz, eine Anekdote aus dem Leben. Ein paar Minuten.

Es hat mich tatsächlich nie genervt, diese Telefonate führen zu „müssen“. Ich war nicht der beste Sohn der Welt, aber diese paar Minuten waren schon okay. Ich spürte, wieviel sie ihr bedeuteten. Und ich telefonierte gern mit ihr.

2017 wurde ich langfristig krank und zog wieder bei den Eltern ein. Was sollte ich allein in einem mir immer noch fremden Dorf? Gut ein Jahr zog es sich, gut ein Jahr wohnte ich mit 48 wieder bei meinen Eltern in einem Haus, das ein anderes war und woanders stand als das meiner Kindheit und Jugend.

Im Dezember 2018 versuchte meine Mama, Vaddern und mich zur Anschaffung eines Weihnachtsbaumes zu überreden. Ich denke, spätestens um den 16. rum hätte sie uns soweit gehabt. Sie war immer die einzige von uns dreien, die auf Glitzer und Funkel stand. Leider lebte sie nicht lang genug.

Am frühen Morgen des 12. Dezember 2018 wurde ich durch die Haustürklingel geweckt. Im Halbschlaf wankte ich zur Tür, um das vermutete Paket entgegenzunehmen. Vor der Tür stand aber kein Paketbote, sondern der Rettungsdienst, von Vaddern gerufen. Sie haben dann noch eine Dreiviertelstunde versucht, Mama zu reanimieren — ich vermute bis heute: mehr um Vaddern zu helfen als weil sie da wirklich eine Chance sahen. Fieserweise hatte die Rettungssanitäterin eine sehr ähnliche Stimme wie Mama. Jedesmal, wenn sie was sagte, schöpfte ich unten im Erdgeschoß kurz Hoffnung, obwohl ich eigentlich längst wußte, daß es vorbei war.

Als sie aufgaben, konnte ich nicht weinen.

Die Rettungssanitäterin kam in mein Zimmer und erklärte mir, daß sie tot sei. Sie liege zugedeckt im Bett, mit geschlossenen Augen, und ich könne jetzt Abschied nehmen.

Ich wollte nicht.

Gehen Sie, sagte sie, es wird Ihnen helfen. Ich hatte Angst. Ich hatte noch nie eine Leiche gesehen, und ich befürchtete, den Anblick nie wieder loszuwerden. Aber die Rettungssanitäterin überredete mich geduldig und sanft, doch hineinzugehen. Und Mama sah aus, als ob sie friedlich schlafe. Ich streichelte über ihr fast schon kaltes Gesicht und begriff.

Der Vormittag verging im Nebel. Vaddern lag bei Mama im Ehebett und heulte. Ich saß auf der Treppe und starrte ins Leere. Irgendwann kam der Bestatter. Keiner von uns wollte mitansehen, wie sie Mama vom Ehebett im 1. Stock über die enge Treppe in den schnöden VW Caddy Maxi bugsierten.

Ein paar Tage später war dann der Besuch im Abschiedszimmer des Bestatters. Sie sah immer noch genauso friedlich aus, aber viel schöner angezogen, als ich sie je lebend gesehen hatte. Es fühlte sich falsch an. Aber dann sagte meine Cousine: Schau mal, sie blinzelt! Und tatsächlich: ihr rechtes Augenlid war nicht ganz geschlossen. Klar, sagte Vaddern: Sie muß doch wissen, wer alles gekommen ist. Und dann konnten wir das erstemal lächeln. Kurz. Bevor wir wieder losheulten.

Dieser Moment des Lächelns über etwas, das sie im Leben mit Sicherheit getan hätte, war zurückblickend der Moment, in dem für mich der Schock des Verlustes begann, ganz langsam zu einer Erinnerung umgebaut zu werden. Der Prozeß dieses Umbaus ist heute, mehr als anderthalb Jahre später, noch nicht abgeschlossen — diesen Text zu tippen mußte ich mehrfach unterbrechen, weil Tränen den Blick verschwimmen ließen. Aber es wird.

Es wird.

Hach, Mama. Du fehlst mir immer noch.

Quaaak.

Freitagstexter XIII: Pokalverleihung

Oops, I did it again. Was? Na die Pokalisation des Freitagstexters zu verdaddeln. Tschuldigung, tschuldigung, tschuldiging!

Dabei ist das diesmal ein ziemlich lohnender Freitagstexter gewesen, gab es doch tatsächlich mehrere Bewerber sowohl um den richtigen als auch um den a.K.-Pott. Zu dem weiter unten, hier kommen erstmal die beiden „richtigen“. Und so leid es mir tut, einer (oder eine) muß Zweite(r) sein, und das ist in diesem Fall C. Araxe mit diesem zweiteiligen Text:

Und hier sehen Sie ein gut erkennbares Beispiel für ein von Vorurteilen geprägtes Unterschichten-Bashing. Man sollte jedoch nicht Unterschicht sagen, sondern besser bildungsferne Bevölkerungsgruppe, weil sich das intelligenter anhört und eigentlich noch fieser klingt.

Und Chantal ist auch weg.

Kann man so sehen, klar, war aber nicht meine Assoziation, als ich das Schild auf dem Chaos Communication Congress in Leipzig abgelichtet habe. (Abgelichtet, ist das nicht ein wunderbares altes Wort? Benutzt man viel zu selten.) Aber gut, darum machen wir das hier ja — um andere Perspektiven zu sehen.

Und damit bleibt für den Pokal nur noch Lakritze übrig mit dem treffenden Bildtext:

Man hätte es sich vorher denken können: ohne Dummy keine Crash-Tests. Die Firma war natürlich ruiniert.

Ganz herzliche Glückwünsche!

Und dann ist da ja noch der a.K.-Pokal, also der für die Teilnehmenden, die die nächste Runde nicht ausrichten wollen oder mangels eigenem Blog können. Da kam zum einen der Beitrag von hubbie, „Der große Irrtum des HSV, man hätte Keegan nicht ziehen lassen dürfen“, der möglicherweise urwitzig und total brillant ist, den ich aber mangels Fußballahnung trotzdem nicht verstehe — so spielt das Leben!

Und auch hier ist damit die Spannung raus, und der Sieger heißt emel, kurz und bündig mit:

….hat wohl geklappt!

Nur was da geklappt haben mag, bleibt unklar. Hat man Kevin wegen der vielen Unfälle gefeuert? Oder hat man gar seinen letzten Unfall so arrangiert, daß Kevin jez halt weg is? Man weiß es nicht. Was aber auf jeden Fall geklappt hat, ist, den a.K.-Pokal zu gewinnen. Da isser:

Vielen Dank allen Teilnehmenden und auf ein Neues — vielleicht schon heute bei Lakritze (nochmal sorry wegen der Verspätung!).

Freitagstexter XIII

Schon zum dreizehnten Mal, die verdaddelte Asylgeschichte neulich mal wohlwollend unter den Teppich des Vergessens zu kehren versuchend, darf ich den Freitagstexter ausrichten. Derchristoph wars, der mir erneut den Pokal verliehen hat für einen nicht für meine, aber für Freitagstexterverhältnisse ungewohnt politischen Rant.

Also auf ein Neues! Die Regeln sind immer noch dieselben: es gibt kaum welche, es wird lediglich ein Bildtext benötigt zum hier gezeigten Bilde und ein Blog, darin im Siegesfalle den nächsten Freitagstexter auszurichten. Um am Wettbewerb teilzunehmen, ist selbiges im Kommentar unter Webseite einzutragen; wer aus welch Gründen auch immer trotz eingetragener URL nicht am Bewerbe teilnehmen mag, kann seinen Beitrag auch als außer Konkurrenz oder „a.K.“ kennzeichnen (wovon ich freilich abrate). Das üblich gewesene Angebot, dies hier als Gastautor tun zu können, ziehe ich nach dem neulichen Fiasko mal lieber zurück, sorry. Der Text, um den es eigentlich geht, darf ausdrücklich alles sein außer illegal. Und in aller denkbaren Ausführlichkeit stehen die Regeln auch heute noch beim Wortmischer.

Genug geschwafelt, Ihr wartet doch alle nur auf das Bild! Bitte recht sehr:

Ich bin ein Bild, betextet mich!

Und jetzt seid Ihr dran! Gebannt harre ich der Kommentare, die da kommen. Hoffe ich jedenfalls.

Freitagstexterasylverdaddelungspokalisation

Nur um auch hier kurz zu offizialisieren, was schon auf Twitter beschlossen und proklamiert wurde: Den Asylfreitagstexter von hubbie hat derchristoph mangels Konkurrenz gewonnen, und weiter geht es ergo bei Boomerang dem Zweiten.

Mir bleibt nur, mich für die Vernachlässigung des Bewerbs zu entschuldigen. Soll nicht wieder vorkommen!

Das P in Coupé steht für Poser

Eine Theorie, warum mich große SUV-„Coupés“ und insbesondere der BMW X6 noch aggressiver machen als große SUV an sich.

Bei „normalen“ großen SUV, also Mercedes GLE oder GLS, Audi Q7, und beim BMW X7 wird’s wohl auch so sein, kann man sich ja noch denken: „Naja, er/sie braucht vielleicht die 7 Sitze, den Laderaum, vielleicht auch die Anhängelast, und hatte halt keinen Bock auf einen Van.“ Ich mein, ich fahr ja auch einen Kombi, wo ein Kleinwagen reichen tät, und hab aber halt keinen Bock auf Kleinwagen. Sprich: ein gewisses Maß an Irrationalität bei der Fahrzeugwahl beanspruche ich auch für mich und kann sie ergo anderen nicht absprechen.

Beim X6 funktioniert das aber nicht mehr. Diese „Coupés“ haben eben keine 7 Sitze und keinen großen Laderaum. Das, was die können, kann auch ein Golf Variant. Meinetwegen ein Tiguan. Aber sie sind trotzdem grotesk groß, schwer und durstig, ohne jeden Anflug einer denkbaren Ausrede dafür – und teurer als ihre technisch gleichen „normalen“ Artgenossen.

Offensichtlich ist ihr Zweck also das Posen. „Seht her, ich brauche kein großes SUV, aber ich leiste es mir trotzdem. Eure Armut kotzt mich an! Fuck you Greta!!1!!!“

Und klar, nach dem Prinzip funktionier(t)en auch richtige Coupés, also Calibra statt Vectra oder A5 statt A4. Aber die fallen halt eher durch Schönheit auf als durch die Disproportionalität von oberer und unterer Hälfte wie der X6, und nur normalschwer sind sie auch.

Warum hier immer der X6 als Beispiel herhalten muß? Naja, das GLE-„Coupé“ finde ich nicht annähernd so schlimm, und der Audi Q8 scheint mir auch lange nicht so aggressiv. Aber tröstet Euch, BMW-Fans: der X4 ist kaum besser 😉 Aber ein Haßobjekt hab ich noch nicht erwähnt: den aktuellen Touareg. Und diese fette Qualle hat es auch verdient, denn auch den gibt es nicht als Siebensitzer – den viel kleineren Tiguan schon! Damit ist der Touareg also ein „Coupé ehrenhalber“ und guten Gewissens hassenswert. Als ob es dafür außer seiner gigantischen Ausmaße etc. eines Grundes bedürfe.

So. Das mußte raus, jetzt geht’s mir ein bißchen besser. Bis ich den nächsten dieser asozialen Poserkarren sehe jedenfalls.

Nachtrag: Mit der Bezeichnung viertüriger Autos als Coupé, wie sie sich ja auch bei Fahrzeugen wie dem Mercedes CLS oder dem VW CC und seinem Nachfolger Arteon eingebürgert hat, habe ich übrigens überhaupt kein Problem im Gegensatz zu vielen anderen, vor allem US-amerikanischen Autofreaks, die insistieren, ein Coupé habe ein Zweitürer zu sein.

Ausgerechnet die Amis! Dieses kulturlose Volk, das schon beim Wort „Coupé“ nicht nur den Akzent wegläßt, sondern es dann auch gleich wie „Coup“ ausspricht. Woher sollen die also auch wissen, daß das Wort aus dem Französischen stammt und „abgeschnitten“ bedeutet bezogen aufs Dach: Ein Coupé ist ein geschlossener Wagen mit weniger Dach, was unmittelbar einsichtig wird, sieht man sich ältere Vertreter wie Mercedes /8 oder Opel Rekord A an. Aber von zugeschweißten Türen steht da halt nix es heißt Coupé, nicht Soudé. Und ein historisches Vorbild für viertürige Coupés gibt es mit dem Rover P5 ja auch.

Und insofern ist natürlich auch der BMW X6 ein Coupé: ein X5 mit weniger Dach. Das macht ihn allerdings kein bißchen liebenswerter.

Ach, das paßt doch locker!

Liebe Vierrädrige, wir müssen reden.

Es begab sich am heutigen Tage, daß ich mit einem mit Quarzsand bepackten Sattelzuge in die Lieferanteneinfahrt eines Baumarkts zu reversieren hatte.  Das war ansich nicht weiter schwierig — jede Menge Platz zum Manövrieren war jedenfalls vorhanden, und auch ein am Rand der Zufahrt parkierendes Kia-SUV mit Hänger konnte mich nicht wirklich verunsichern.

Leider führte aber diese Zufahrt mitten durch den Strom der Baumarktbesucher bzw. ihrer PKW.  Und da gab es allzuviele, die sich dachten: Hach, nur weil dieser Sattelzug dort rangiert, muß ich ja nicht warten.  Das paßt doch locker, wenn ich da kurz vorbeihusche.  Und ich möchte da auch gar nicht widersprechen: ja, Eure Einschätzung war korrekt, keiner von Euch kam mir und meinem Lastzug gefährlich nahe.

Das Problem ist nur, daß ich das nicht weiß, daß Ihr das korrekt eingeschätzt habt.  Denn es gibt auch genug von Euch, die das nicht können.  Oder nicht wollen.  Oder sich überhaupt nicht bewußt sind, daß es da was einzuschätzen gibt.

Und wenn dann ein PKW unvermittelt im Spiegel auftaucht, dann muß ich ergo erstmal annehmen, daß das einer von diesen Fahrern ist, die das nicht können oder nicht wollen oder nicht wissen.  Logische Reaktion: Anker.  Abwarten, bis alles frei ist.  Hoffen, daß in dieser Zeit niemand hinter das Aufliegerheck gefahren ist.  Im Zweifel aussteigen und kucken.

Leute: Haltet doch einfach Abstand, wenn da ein Lastzug rückwärts fährt.  In einer halben oder spätestens einer ganzen Minute ist der sicher im Warenannahmebereich, wo nur suizidale Gabelstapler seinen Weg kreuzen.  Ganz ehrlich: Ihr kommt gerade aus einem verfickten Baumarkt.  Wenn Ihr weniger als 10 min an der Kasse gestanden habt, freß ich einen ihrer überteuerten Besen.  Kommt es wirklich auf die paar Sekunden an, die Ihr weniger auf dem Parkplatz und dafür länger an der Ampel steht?

Bitte. Ein kleines Bißchen mehr Rücksicht. Ganz lieb Bitte. Mit Zucker obendrauf.

Freitagstexter im Asyl

Na, das habe ich ja mal wieder toll hingekriegt.  Da offeriere ich großkotz^H^H^H^Hzügigerweise dem Sieger des letzten Freitagstexters drüben in der Bördebehörde, hubbie mit Namen, diesen meinen Blog hier als Austragungsort des dieswöchigen Bewerbs, bekomme auch ein Bild von ihm und schaffe es dann erst heute, am Montag, es auch ins Blog zu stellen.  (Warum, sei der Phantasie der Leserschaft überlassen.)

Naja.  Hier ist das Bild:

Die Regeln sind wie immer dieselben wie immer: Gesucht ist ein Bildtext, ohne jede anderweitige Einschränkung.  Selbst mit dem Bild zu tun haben muß er strenggenommen nix. Genauer stehen die Regeln traditionell beim Wortmischer.

Update: Da auch bis zum heutigen Mittwoch, also schon dem Folgetage des traditionellen Einsendeschluß‘, leider nur Beiträge außer Konkurrenz eingetrudelt sind, setze ich mal als neuen Einsendeschluß den kommenden Dienstag, den 26.5.2020, 23:59 MESZ fest. Hoffentlich finden sich bis dahin ein paar intelligente, witzige, skurrile oder auch ganz andere Bildtexte, deren Autoren sich auch nicht zu schade sind, den Folgewettbewerb auszurichten. Dazu bedarf es natürlich einer Blogadresse im passenden Feld des Kommentars! Und wie immer gilt: wer kein eigenes Blog hat, der bekommt natürlich genau wie der Ausrichter des aktuellen Bewerbs auch gern hier Asyl, damit die jahrzehntelange Tradition des Freitagstexters nicht an so etwas Banalem wie einem fehlenden Blog scheitere. Too old to fail!

Update zum zweiten: Keine Beiträge, seufz.  Das gebietet eine Fristverlängerung bis zum nächsten Dienstag, den 2.6.2020, 23:59 MESZ. Sollte auch das nichts fruchten, müssen hubbie und ich sich anscheinend was überlegen. Und nein, ich werde nicht teilnehmen, das hätte m.E. doch ein G’schmäckle.

Also ist es an Euch: traut Euch was zu und haut in die Tasten!

Passat

Dieser Passat wurde vor 25 Jahren sich selbst und der Natur überlassen, am Rande eines Dorfes unweit einer Tankstelle mit Werkstatt und mit stetig wechselnden, jüngeren und besser erhaltenen, aber ebenso abgemeldeten Leidensgenossen.

Wie mag es dazu gekommen sein? Da kann man nur spekulieren. Und weil ich dazu Lust habe und seit 25 Jahren alle paar Wochen, wenn ich dran vorbeikomme, darüber sinniere, gibt es jetzt ein paar frei erfundene Mikrogeschichten.

Da ist Bernd, der den Passat mit durchgeblasener Zylinderkopfdichtung abgestellt hat, „über den Winter, dann mach ich den, der ist doch noch viel zu gut zum Wegschmeißen!“ Seine Freunde sprechen den Satz seit 20 Jahren wortgetreu mit.Oder fand die Polizei den Passat in der nahen Kiesgrube, mit einer Frauenleiche im Laderaum, und stellte ihn nach der Spurensicherung bei der Tankstelle ab, bis der Halter und Mörder ermittelt wäre? Hat ja toll geklappt, Jungs.

Vielleicht war es auch Erwin aus Rostock, der den Wagen 1989 für den Spottpreis von 8000 Mark gekauft hat. 1992 kam dann das dritte Kind, der Ford Galaxy und die Einsicht, daß der VW nur 3000 wert war. Verkaufen? Dafür niemals!

Maurice ist Künstler. Mit seiner Installation „Variant“ will er die Vergänglichkeit aller Dinge darstellen. Seine Freunde lachen ihn aus: „Hätteste mal einen Alfa genommen oder einen Renault! So wird das nix mit der Vergänglichkeit!“

Ja, Karin weiß selbst, daß das Aufbewahren des Autos, in dem sie einst ihre Jungfräulichkeit verlor, völlig bescheuert ist. Aber wenn sie mit ihrem Twingo vorbeifährt, entlockt ihr der gealterte Passat immer noch ein Lächeln.

„Und hier sehen sie unseren Dauertest zur Rostresistenz unter Normalbedingungen.“ – „Der sieht doch gut aus! Mir scheint, wir hatten den Rostschutz damals gut im Griff.“ – „Besser als heute, möchte man sagen.“ – „Ja. Besser als heute.“

Seit ihr Helmut gestorben ist, hat Gertrude seinen Passat nicht bewegt. Wie auch, ohne Führerschein? Aber sie zahlt jeden Monat die Standplatzmiete, genauso unerschütterlich wie die Grabstelle. Ihre Kinder haben längst aufgegeben.

„Meister! Wat wult ji einklich mit den oulen Passat machen?“ – „Och Wäänä, nach den hat seit Johrn keiner mehr gefraacht!“ – „Soll das mal’n Oldtimer wern?“ – „Komm sabbel nich, der Insignia muß heut noch fertich, seh to!“ – „Ja Meister.“

Lumpi

Bin ich wirklich der einzige, der bei der Motorenbezeichnung dieser prachtvollen Kraftwagen …

… immer erstmal „LUMPI“ liest?

Freitagstexter XII: Pokalverleihung

Sorry, ausgerechnet heute fand sich während des gesamten Arbeitstages kein freies Momentchen, um die Pokalifizierung des aktuellen Freitagstexters durchzuziehen, zumal es ja diesmal auch wieder erfreulich viel Auswahl gab — vielen Dank also schon mal allen, die teilgenommen haben!

Nach dem Aussortieren der aus verschiedenen Gründen außerkonkurrenzlichen Beiträge, zu denen mehr unten, blieben immerhin sieben Kontestanten im Rennen.  Ich werde nicht auf alle eingehen, aber ein paar Glanzlichter möchte ich vor der Siegerehrung doch herausgreifen.  Zunächst der Herr wvs, bei dem ich zunächst dachte, er kenne mich besser, als er es eigentlich kann, denn der Emil aus seinem Beiträg könnte auch ich sein: „Da läßt sich doch noch ‚was draus machen!“ dachte Emil und griff zum Telefon. Amüsant auch deschristophs zweiter Beitrag: „Papa, ich hab da beim Einparken einen kleinen Kratzer…“ — „Och komm Bub, wird schon so schlimm schon nicht sein.“  Das ließ mich irgendwie an einige „Nonstop Nonsens“-Folgen mit Didi Hallervorden denken, was den meisten Lesern vermutlich nix sagen wird.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel aber lieferten sich Spraakvansmaak mit dem phantasievollen Speisekartenauszug 40. Knusprige Ente auf verschieden Gemüse mit Reis (scharf). 8,70€ — mjam, ich kriege Hunger –, quercus/Roswitha mit der netten Nachnutzungsidee Das Blech ist ja noch prima, etwas Lack, und es sieht aus wie neu. Dann ein kleines Lifting, und davor spanne ich mein Pony! und Lakritze, die schließlich das Rennen machte:

Marga war da dickköpfig. Wenn sie mal einen Parkplatz hatte, dann gab sie ihn nicht einfach wieder auf.

Und damit geht der frischpolierte Pokal auf die Reise. Herzlichen Glückwunsch!

Aber es gibt ja auch noch den a.K.-Pokal zu verleihen, und auch hier waren diesmal zahlreiche Beiträge eingetrudelt — fünf Stück von vier Menschen, es gab Freitagstexter, da wäre man um soviele Teilnehmer insgesamt froh gewesen.  Auch hier war wieder eine Nachnutzungsidee im Spiel, Hubbie schlug es vor, Hassos Motto für seine Hundehütte: „Was nicht passt, wird passend gemacht“.  Fast ein Tränchen verdrücken mußte ich bei Fralas Hab mich lieb! — ja, ich gebe zu, tote Autos gehen mir auch ans Herz.  Schmunzelnd an meine Golf-GTI-Zeiten zurückdenken schließlich mußte ich beim Beitrag eines namenlos gebliebenen Autofans: Seit ich Türen und Frontscheibe ausgebaut habe, kann ich jetzt endlich wieder parken ohne ständig dutzende von diesen „Kaufe ihre Auto – mache gutte Spesialpreis!“ Kärtchen zu bekommen — die haben damals auch mich sehr genervt, aber seit ich BX fahre, hat sich das gelegt.  Aber egal, ehren wir lieber den a.K.-Pokalgewinner!  Es ist Eddy mit dem grandiosen Beim Wiedereintritt in die 30er Zone verglüht. Raumschiff Entenprise at its best, vielen Dank für diesen Lachanfall!

Ja.  Ich darf diesen Bewerb wohl als vollen Erfolg verbuchen, verneige mich in alle denkbaren Raumrichtungen und harre freudig der Dinge, die da kommen — am nächsten Freitag bei der Lakritze!

Freitagstexter XII

Der Herr wvs hat mir mal wieder den Freitagstexter-Pokal zugeschan überreicht, so daß es nach längerer Zeit nun erneut an mir ist, ein zu befreitagstextendes Bild zu zeigen.  Die Wahl fiel auf dieses:

Hier könnte Dein Text stehen, wenn dies schon das Posting mit der Siegerehrung wäre.
Isses aber nicht!

Gesucht ist, wie die Tradition befiehlt, nun ein Bildtext.  Der darf lustig, deprimierend, fröhlich, optimistisch, bizarr, phantasievoll, offensichtlich, ja sogar langweilig sein — nur illegal bitte nicht.  Auch Form und Länge sind nicht limitiert, außer vielleicht durch Einschränkungen in WordPress oder Datenbank, da bin ich nicht informiert.

Und natürlich ist das Ganze ein Wettbewerb.  Zu gewinnen gibt es außer dem Pokal sowie allfälligem Ruhm nebst Ehre die Pficht, im eigenen Blog den nächstwöchigen Freitagstexter ausrichten zu dürfen, was so ganz nebenbei den Teilnehmerkreis auf Bloggende beschränkt — scheinbar!  Denn es muß nicht zwingend das eigene Blog sein, in dem man solches tut, man darf da auch gern gastautorieren.  Wer nicht weiß, wo, der darf auch hier!

Und wer nicht am Bewerbe teilnehmen mag, aber trotzdem einen Bildtext beizusteuern sich bemüßigt fühlt, der möge selbigen mit „a.K.“ wie außer Konkurrenz kennzeichen.  Es reicht aber auch, einfach keine Blogadresse anzugeben in dem Kommentar unter diesem Artikel, der den Textvorschlag beinhaltet.

Ja, das war’s auch schon mit dem Regelwerk.  So lasset die Gedanken frei — aber nicht ganz, denn sie sind natürlich wieder einzufangen und hier zu Kommentar zu geben.  Ich bin gespannt!

Abladen? Umladen? Saftladen!

Anruf von der geschätzen Disponie: Da bei Soso in H. steht ein Laster von uns mit einer Palette drauf, die nach B. muß, könnt ihr die mal eben umladen?  Wie, sag ich, wir?  Ja von Hand.

Verdutztes Schweigen.

Die Palette, so wird mir klargemacht, ist ohne Papiere von B. nach H. gefahren worden, obwohl sie eigentlich mit Papieren nach I. sollte.  Da der Kollege, auf dessen Laster sie nun steht, aber nach J. (wie Jottwehdeh) muß und ich nach dem Beladen bei ebenjener Firma „Soso“ (das ist dieselbe wie in diesem alten Schinken) ohnehin nach B. fahren werde, könnten wir die doch eben umladen — allein, Soso weigere sich, dabei zu helfen, denn fremde Ware anfassen dürften sie nicht, deswegen dann eben von Hand.

Soso.

Naja, sag ich, versuchen können wirs, was wiegt die denn?  Paarundfuffzich Kilo ist die Antwort.  OK, sag ich, aber den Rücken verrenk ich mir für euch nur bildhaft, nicht wirklich.  Wenn das nicht geht, gehts nicht.  Nagut, sagt der Disponent, aber versucht es bitte.

Nachdem wir uns gefunden hatten und ein 36 Meter langes Plätzchen zum Aneinanderfahren zweier Sattelzüge Heck an Heck, flutschte die Umladerei besser als erwartet.  Holz auf Siebdruckplatte rutscht erschreckend gut, das sollten sich Ladungssicherungsmuffel ruhig mal ansehen.  Aber ich schweife ab.

Die Pointe war dann, daß Soso, als ich dann dort beladen wurde, besagte Palette nochmal mit dem Stapler von meiner Ladefläche lupfte und auf eine andere obendrauf, weil sonst die Ladung nicht draufgepaßt hätte.  Da durften sie das dann plötzlich?  Is‘ klar.

Saftladen.

Dann antworte ich halt hier

Ich bekomme ziemlich wenig Mail an diesen Account, weniger als Kommentare auf dieser Website.  Und das ist auch gut so.  Das meiste ist Spam (oder wie Firefox sagt: Junk), den ich ohnehin nicht mehr sehe, und der Rest ist manchmal ganz nett (und ich freu mich dann auch drüber, selbst wenn der Autor anderer Meinung ist als ich — dann kann man wenigstens kultiviert streiten, was ich sehr gern tu).  Und unkultivierte Mail, die kein Spam ist, bekomme ich tatsächlich fast nie.

Manchmal kommt aber auch sowas:

Und da ich nicht per Mail antworten darf, denn das zu unterlassen wurde ich ja gerade aufgefordert, kommt die Antwort halt hier.  (Liest der nicht.  Weiß ich auch.  Sein Problem, ich hätte auch gern gemailt.)

Von Schlabonskis Welt kommen keine unverlangten Mails.  Selbst verlangte kommen öfter mal nicht oder viel zu spät.  Es gibt keinen Spam für Artikel, es gibt keine Mailingliste, es gibt keinen Newsletter, es gibt keine E-Mail außer als Antwort auf E-Mail an mich.  Nie.  Wirklich wirklich nie.

Nun ist aber E-Mail ein ziemlich archaisches Protokoll.  Es ist heute nicht mehr so trivial wie früher, eine beliebige Absenderadresse einzutragen, weil die meisten Mailserver eingelieferte Mails ablehnen, wenn eine andere als die bei ihnen registrierte Absenderadresse eingetragen ist.  Aber die meisten sind halt nicht alle, und werden es auch nie sein — hier gibt es sie noch, die Anarchie des Netzes von früher.

Also, wenn Euch jemand mit meiner Mailadresse zuspammt, dann bin das nicht ich.  Ganz bestimmt nicht.  Und wenn Ihr mögt, könnt Ihr mir aber gerne diese Mails mit allen Headern weiterleiten.  (Aber bitte nicht hunderte! Eine reicht fürs erste!)  Dann würd ich mal sehen, ob ich da was erkennen und in Folge gegen tun kann.

Ende der Durchsage, ich übergebe mich zurück in den üblichen Unsinn.

Huddel 2.0: Jetzt auch ohne Spaß

Dies ist eine Fortsetzung des ersten Smart-Fahrberichts von 2015.

Fahrbericht Smart Fortwo mhd (zweite Generation)

Schon wieder ein Smartie als Werkstatt-Ersatzwagen für ein Gefährt vom anderen Ende der Größenskala bei Mercedes.  Nein, ich bin nicht unter die GLS-, R- oder S-Klassen-Fahrer gegangen, ich rede wie üblich von „meiner“ Sattelzugmaschine, die gerade ihren ersten Geburtstag und damit auch ihren ersten TÜV-Termin hatte, welchletzterer Anlaß war für den Werkstattaufenthalt.

Und da der Smart Zwo ja ein völlig neues Auto ist gegenüber dem Smart Eins von damals, der übrigens immer noch bei besagtem Daimler-Dealer als Werkstatt-Ersatzwagen läuft (Respekt!), dachte ich, das sei dann ja auch mal wieder Material für einen Fahrbericht.

Ist es aber nicht wirklich.

Denn objektiv hat sich gar nicht so viel geändert.  Fahr- und Schaltverhalten, Fahrleistungen und so weiter könnt Ihr demzufolge im oben verlinkten alten Text nachlesen; hier kommen nur die Unterschiede zu damals.

Erwachsener ist er geworden.  Also nicht äußerlich, die Unterschiede zur ersten Generation sind marginal, auseinanderhalten kann man sie als Nicht-Fan eigentlich nur an den Rückleuchten: der erste Smart hatte pro Seite drei, der zweite zwei und der dritte eine, praktisch.  Von innen aber sieht der Smart Zwo aus wie ein Auto: kein Teppich mehr am Armaturenbrett, keine aufgepfropften Zusatzinstrumente, kein Extrakästchen für den Beifahrerairbag, Cupholder, Klimaautomatik, sogar Schaltpaddel für das nach wie vor automatisch geschaltete (aber eben nicht: Automatik-) Getriebe und ein zentraler Infotainment-Tatschscreen samt Navi.

Allet janz schnieke, wa.

Aber damit ging zumindest mir auch der Spaß an dem putzigen kleinen Motocoupé verloren.  Denn was beim Blickeschweifenlassen über den Innenraum aussieht wie ein normales Auto, von dem erwartet man dann innerlich auch, daß es so zu fahren habe.  Und das, insbesondere beim Fahrkomfort, tut es eben immer noch nicht.

Und auch das in meiner Erinnerung ganz niedliche „sonore Pröpeln“ des Dreizylinderchens im Heck des Ur-Smart ist bei seinem Nachfolger, zumindest gefühlt, einem ziemlich dröhnigen und unangenehm lauten, aber überhaupt nicht mehr niedlichen Lärm gewichen.  Das mag aber auch der verklärenden Wirkung von vier Jahren geschuldet sein — meine Geräusch-Referenz ist allerdings dieselbe wie damals, ein Citroën BX halt.

Naja, dachte ich, ist ja ein „mhd“, was ich mit „Mild-Hybrid-Diesel“ übersetzt hatte — Diesels sind halt was lauter, machste nix dran.  Überraschung beim Tanken: der Smart mhd ist gar kein Diesel, und „mhd“ steht für „Micro Hybrid Drive“.  Und ein Hybrid ist er auch nicht, nicht mal ein ganz kleiner; er hat, soweit ich das ergründen und nachlesen konnte, nur eine Stop-Start-Automatik, die der Gedenksekunde beim Anfahren wegen des automatisierten Getriebes gleich noch ein paar Zehntelsekunden zum Anschmeißen des Motörchens hinzufügt.  Wenn man sie nicht abschaltet.

Die Schaltpaddel an der Lenksäule sind aber eine gute Idee.  Dachte ich — bis ich merkte, daß ein Betätigen derselben die Getriebesteuerung wieder in den manuellen Modus zurückwirft.  Ich fahre aber gern im automatischen Modus, das bin ich vom Actros so gewohnt — und dort kann man mit dem Schalthebel an der Lenksäule aber auch hoch- und runterschalten, ohne daß die Automatik daraufhin beleidigt die Weiterarbeit verweigert.  Warum geht das im Smart nicht, zumindest optional?

Fazit: Nee.  Lauter Komfortextras, die kein Mensch braucht, solange nicht das größte Komfortproblem — die Federung — in Angriff genommen wurde.  Mehr Fahrzeugbreite, die aber gefühlt komplett in den dickeren Türen versickert, jedenfalls ist es da drin immer noch recht eng in der Breite.  Wenn auch nur in der Breite, sonst ist das Platzangebot nach wie vor wirklich okay, nicht nur für einen Kleinstwagen.  Und eben kein bißchen Spaß, kein Augenzwinkern im Design mehr, nur noch zwar optisch nicht unansehnliche, aber eben langweilige Innenoptik von heute.

Vielleicht krieg ich ja beim nächsten Mal nochmal den alten Smart zum Vergleichen meiner Erinnerungen mit den Fakten.  Oder einen ganz neuen für den dritten Teil dieser Saga.  Ich werde berichten.

Dreizehn Tonnen aufm Arsch

Bei der Verteilung von Ladung auf der Ladefläche eines Lastwagens sind nicht nur, wie schon in einem früheren Beitrag erläutert, deren Adressaten zu berücksichtigen; eine mindestens genauso große Rolle spielt mitunter ihr Gewicht.

Es begab sich, daß ich im tiefsten Sachsen bei drei Kunden Ware einzusammeln hatte, mit auf dem Transportauftrag vorgegebener und geographisch auch nur so sinnvoller Ladereihenfolge.  Jeder davon würde größenordnungsmäßig etwa ein Drittel der Ladelänge des Aufliegers beanspruchen, hieß es, plus/minus nen Meter oder so, draufpassen werde es jedenfalls locker.  Tat es auch — mit einem kleinen, aber entscheidenden Aber.

Denn während die Ladung von den ersten beiden Kunden jeweils nur ein paar Tonnen wog, hatte der letzte ziemlich schwere Sachen zu versenden.  Das hätte zur Folge gehabt, daß ich auf den letzten fünf Lademetern satte dreizehn Tonnen zu stehen gehabt hätte.  Fünf Meter Platz waren da, kein Thema.  Mehr als dreizehn Tonnen Nutzlast waren auch noch frei, kein Ding.  Aber die Achslasten!

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hoffentlich.
Hier der Versuch, durch Höhenverstellung der Luftfederung die Überladung des Hecks zu visualisieren.
(Symbolbild: Nicht der Lastzug aus der Geschichte!)

Denn während eine Überladung der Aufliegerfront nur zu einer zu hohen Last auf der Antriebsachse führt, die außer erhöhter Materialbeanspruchung und Mecker von der BAG bei einer amtlichen Verwiegung keine wesentlichen Auswirkungen hat, ist ein überladenes Heck brandgefährlich.  Also jetzt nicht im Wortsinne brandgefährlich, abfackeln tut da nix — aber die entlastete Antriebsachse kann beim Bremsen in Kurven dazu führen, daß der Zug einknickt und der Auflieger mangels Seitenführung sich heidewitzka geradeaus in die Botanik oder Leitplanke verabschiedet, die Zugmaschine wie ein lästiges Anhängsel auf der Kurveninnenseite rückwärts neben sich herschleifend.

Und weil mir einmal, ganz früh in meiner Berufskraftfahrer-Karriere („Welche Karriere?“, fragt das Känguru in meinem Kooopf nicht zu Unrecht), beim Bremsen mit dem Retarder in einem Autobahnkreuz das Zugmaschinenheck kurz nach außen weggeglitscht und somit der Arsch auf Grundeis gegangen ist, will ich das ganz bestimmt nicht nochmal erleben.  Obwohl ich die Fuhre damals noch gefangen habe, bis heute nicht wissend wie.

Und so stand ich dann also bei obigem Kunden und weigerte mich, das schwere Zeug verladen zu bekommen.  Es folgten Telefonate mit der geschätzten Disponation, bei denen ich sie vor die Wahl stellte, entweder unverladener Dinge wegzufahren oder eben die vorherige Teilladung ent-, die schwere be- und danach erstere reverladen zu bekommen, dann nämlich stünde die schwere in der Mitte, und alles wäre gut.  Eine Alternative, der sich der Verlader aus Versicherungsgründen aber verweigerte mit dem berechtigten Einwand, das sei ja wohl nicht sein Ekzem Problem.

Nach einer halben Stunde voller zugegebenermaßen etwas repititititiver Diskussionen wurde mir schließlich ein Handhubwagen zur Verfügung gestellt, mit dem ich die zweite Teilladung abladen durfte, während alle Angestellten des Verladers demonstrativ Zigarettenpause machten oder sonstwie in die andere Richtung sahen, aus versicherungstechnischen Gründen freilich.

Und so ward ein weiteres Mal verhindert, daß ein merkbefreiter Disponent aus seinen Fehlern lernen könne.

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