Ich tanke immer nur für 1000 Euro

Das habe ich immer scherzhaft erwidert, wenn jemand mal wieder den alten Spruch brachte, die Benzinpreise seien ihm egal, er tanke immer nur für zwanzig Euro.  Und gestern?  Gestern wurde der Scherz bittere Realität:

23,40 + 648,67 + 311,66 = 1019,73.  (Man beachte auch den sich binnen 4 Minuten ändernden Dieselpreis!  Und drei Zettel statt einem sind es, weil die Tanke schon auf Automatenbetrieb lief, es war schließlich Samstag und schon nach 14:00.)  Für 806,57 Liter Diesel und 39,06 Liter AdBlue.  Und nicht mal zu besonders dramatischen Preisen, die anläßlich (nein, nicht „wegen“!) einer gewissen Drohnenattacke auf gewisse Raffinerien in gewissen eher weniger sympathischen Staaten ja im freien Verkauf an normalen Tankstellen durchaus zu beobachten sind.  Nein, der Anlaß war ein profanerer: eine Woche mit 2.900 km (statt üblicherweise so derer 2.300) und einem für meine Verhältnisse eher hohen Verbrauch von knapp 28 l/100 km (normal sind knapp 25), bedingt durch mehrere eher schwere Ladungen und mehrere Überquerungen von Mittelgebirgen.

Den Spruch werde ich aber trotzdem weiter gelegentlich anbringen, glaube ich.

Saniunfair

Damals, als die ersten Sanifair-Toiletten an der Autobahn entstanden, war ich ziemlich begeistert davon.  Nicht so sehr wegen der sich drehenden Klobrillen (zu Reinigungszwecken, wer es nicht kennt, und nein, das funktioniert nicht wirklich gut — könnt Ihr ja mal testen gelegentlich …), sondern wegen der damit einhergehenden Abschaffung der Betteltoiletten mit den seltsamen Gestalten in den fleckigen Kitteln und der Untertasse auf dem Campingtisch, in der immer genau ein Ein-Euro- und ein Fünfzig-Cent-Stück lagen, das eine als Wunschtraum und das andere zur Suggerierung eines Mindesteintrittspreises.  Von mir bekamen die meistens eine Handvoll Kleingeld stattdessen, was ich halt so im Portemonnaie hatte an Zwanzigern, Zehnern und Kupfer, manchmal etwas mehr als 50 Cent, manchmal etwas weniger, und wenn eine/r meckerte, bekam sie oder er als Antwort „Ich hätte auch einfach durchgehen können, oder?“.  Einmal hab ich es gewagt, einen Euro hinzulegen und mir 50 Cent Wechselgeld zu nehmen, da war was los!

Dieser ganze Streit hatte mit Sanifair ein Ende.  Der Eintritt kostete 50 Cent, ohne Diskussion, aber es gab eben auch einen 50-Cent-Gutschein („Wertbon“) dafür, also wars am Ende sogar kostenlos, wenn man sich danach einen Kaffee oder ein Eis oder so holte.  Und wenn nicht, konnte man die Dinger aber auch sammeln und irgendwann davon essen gehen.  Trotzdem stürmten keine Busladungen von Reisenden mehr die Klos, ohne dafür auch Geld dazulassen.  Alles prima.  Sani-fair halt.

Daß der Preis am Zugangsautomaten irgendwann auf 70 Cent stieg, ohne daß die Gutscheine deswegen im Wert mitgestiegen wären — ja nun, das war abzusehen gewesen, und 20 Cent fürs Klo fand und finde ich auch immer noch okay.  Dementsprechend habe ich an Autobahn-Sanifair auch immer noch nix auszusetzen.  Paßt schon.

Und so war ich auch recht angetan von der Entdeckung, daß es im Hauptbahnhof von Hannover auch eine Sanifair-Toilette gibt.  Eintritt: Ein Euro — gut, das war etwas stirnrunzelig, aber hey, Bahnhof halt.  Und dann wollten wir von den zwei Sanifair-Wertbons und ein paar Münzen Zuzahlung jeder eine Butterbrezel am Stand nebenan erstehen.

Ging nicht.

Warum?  Steht drauf:

Mindesteinkaufswert 2,50 € pro Gutschein.  Was man übersetzen kann als: Für weniger als drei Euro kommste hier nicht mehr raus, wenn du mal pinkeln mußtest und dann kein Geld verschenken willst.  Und das ist nun wirklich weder sani- noch sonstwie fair, sondern eine Frechheit.  Deswegen hab ich die beiden Gutscheine auch noch.  Irgendwann ergibt es sich bestimmt, mal in einem Bahnhof mehr als eine Butterbrezel erstehen zu wollen.

Aber dreist bleibt solch Geschäftsgebaren dennoch.

Und jetzt sind auch die Preise maxi

Ich war ja immer gern Gast bei Maxi-Autohöfen.  Die Restaurants sind super, es gibt meistens aber auch einen Burgerking wenn es schnell gehen muß, die Toiletten sind für Berufskraftfahrer kostenlos, die Parkplätze üppig bemessen, die Auswahl im Tankstellenshop riesig, und wenn man eine „Maxi-Tasse“ hatte, kostete der Pott Kaffee nur ’n Euro.

Übernachten war nicht billig, aber autohofüblich: 10 Euro, davon 7 Euro Verzehrgutschein.  Nicht wirklich ein Grund zum Feiern, aber für das Gebotene völlig okay.

Gerade sitze ich mal wieder in einem Maxi-Autohof im Restaurant und freu mich auf mein Schnitzel.  Aber es wird wohl bis auf weiteres zum letzten Mal sein, denn an Parkgebühren habe ich gerade 20 Euro bezahlt.  In Worten: zwanzig.  (In Zahlen auch.)

Und nein, es gibt dafür keinen 17-Euro-Verzehrgutschein, und auch keinen über 15 Euro, sondern grad mal über derer zehn.  Und bei aller Liebe: 10 Euro nur fürs Parken?  Nee, sorry, faßt mich an die Füße.

Mittagspausen mach ich gerne weiter bei Euch, wenn es sich denn mal ergibt.  Aber zur Nacht seht Ihr mich heut zum letzten Mal (absolute lenk- und ruhezeitbedingte Notstände mal ausgenommen).  Schade, war immer nett bei Euch.

Seufz.

Die Saga der 19 Holzkisten

19 Holzkisten waren die in einer sächsischen Filiale eines großen deutschen Automobilkonzerns mit zwei Buchstaben, der hier traditionell ungenannt bleiben soll, auf den Buckel genommene Ladung.  Kisteninhalt waren mal Motorhauben und andere Karosserieteile angeblich südeuropäischer, tatsächlich aber zumindest rohkarossenanteilig dort in Sachsen zusammengeschwarteter übermotorisierter Repräsentationsgeländewagen ohne Geländetauglichkeit; nun waren die Kisten aber leer und sollten zurück zum Absender, einem Werk desselben Konzerns irgendwo an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Das ansich war nicht weiter herausfordernd, auch wenn sich das Beladen vom eigentlich geplanten Termin in üblicher Weise bis zum nächsten Morgen verzögert hatte.  Dementsprechend war ich dann auch erst gegen Abend am Ziel mit meinen Kisten und bekam zu hören: Sowas hab ich hier noch nie gesehen, keine Ahnung wo die hinkommen.  Aus den Papieren ging das auch nicht hervor.

Mit Tesa an eine der Kisten gepappt fand sich dann doch noch eine genauere Zielangabe: Halle 81, Ansprechpartner, Telefonnummer.  Prima!  Nur leider zu spät: Da sei heute eh keiner mehr, ward mir beschieden.  Also morgen früh?  Ja, morgen früh.

Daß eine Tour zwei Übernachtungen enthält, hatte ich länger nicht.

Am nächsten Morgen stand ich dann also vor der Zufahrt zu Tor 4, wo es nach Halle 81 hin geht.  Dieses Tor ist eigentlich nur ein Ausfahrtstor, aber da das zuständige Einfahrtstor 2 seit Monaten, wie mir der leidgeprüfte Pförtner der benachbarten Firma, vor dessen Schranke ich zunächst zum Stehen gekommen war, wie eigentlich alle, die zu Tor 4 müssen, erzählte, kaputt war, was kaum zu erkennen ist, wenn man es nicht weiß, und woher sollte man, mußte man eben da rein.

Vor dem Tor standen innen fünf Lastwagen.  Außen zunächst nur ich, aber auch da kamen noch ein paar dazu in den nächsten 40 Minuten, ohne daß sich ansonsten was getan hätte.  Also, es tat sich schon was: einer der Laster drinnen hupte ungefähr einmal in der Minute, bis ihn die anderen unter Androhung von Handgreiflichkeiten überzeugten, das zu unterlassen.  „Das besetzte Tor ist 2 km von hier.  Die hören dich nicht!“

Telefonate mit der Steuerstelle ergaben: an Tor 2 hatte es einen medizinischen Notfall nebst Rettungswageneinsatz gegeben, und in dem Trubel fand sich niemand, das Knöppsche für Tor 4 zu drücken.  Sieht man ja auch ein.

Irgendwann ging es dann los: die inzwischen 6 Laster von drinnen kamen nacheinander raus, dann stellte ich mich vors Tor.  Es passierte zunächst nichts.  Dann nach einer Weile passierte weiterhin nichts.  Und dann rief ich nochmal die Steuerstelle an: Ich steh hier vor Tor 4 und es bleibt zu, was mach ich falsch?  Ja nix, sagt der Stellensteuerer, ich ruf da mal an.

Und so kam ich kaum 2 Stunden nach Arbeitsbeginn doch schon an der Halle 81 an.  Und der mit der Entladung meiner 19 Holzkisten betraute Staplerfahrer sprach: Mann ey, diese Scheißkisten.  Da haben wir schon hunderte hier, die sollten doch schon seit Monaten entsorgt werden, wieso schicken die die immer noch zurück?

Naja.  Die Käufer der angeblich südeuropäischen Repräsentationsgeländewagen werden die sinnlosen Leerholzkistenrückversandfrachtkosten sicherlich verkraften können, wenn man die in deren beachtlichen Kaufpreis einpreist.

Von Chaoten lernen

Den größten Teil des Augusts berufskraftfuhr ich ja für das Chaos Communication Camp, jene vierjährliche Veranstaltung des Chaos Computer Club CCC, in deren Zuge sich ein ansonsten infrastruktrell eher benachteiligter Brandenburger Acker für eine knappe Woche in die Europazentrale alles Bunten, Freakigen, Freundlichen und Ausgeflippten verwandelt — und nebenbei auch in einen der zentralen Knotenpunkte des europäischen Internet.

Symbolbild.

Nachdem das dann Ende August vorbei war, fiel mir auf, wieviel weniger angenehm das Fahren für eine ganz normale Spedition ist.  Und da sich einige Leute für das Warum interessierten, dachte ich mir, hey, was solls, Schlabonskis Welt ist ja ein Serviceblog, schreib ich das halt mal auf.  Vielleicht lesen ja Disponenten mit.  (Hoffentlich nicht meine.)

Wenn Ihr schon lügt, dann lügt wenigstens besser

Gleich Montag ging es los: Die Ware müsse uun-bee-dingt heute noch zum Kunden, das sei wirklich unfaßbar wichtig, so ward mir beschieden.  Nun bin ich ja nicht der Typ, der Unmögliches nicht möglich macht, wenn es irgendwie geht — und so stand ich dann mit legal überzogener Schichtzeit und ebensolcher Fahrzeit und eigentlich auch allen anderen irgendwie legal überziehbaren Zeiten um 20:02 bei selbigem Kunden — und der wußte von nix, werde das sowieso heut nicht mehr entladen und auch morgen nicht, weil es eh woanders hinmüsse, und wer habe mir eigentlich gesagt, daß das heut noch entladen werde und ich an der Rampe übernachten könne?  Mein Disponent, sag ich.  Und er so: Naja, Disponenten lügen halt, wenn sie das Maul aufmachen.  (Seine Worte, nicht die meinen.)

Und nun mag es natürlich sein, daß nicht mein Disponent gelogen hat, sondern der Typ beim Kunden.  Kann ich nicht feststellen.  Aber auf meine zart unmutige Mail an ersteren, in der ich den Verlauf des Abends kundtat und meine Verstimmung darüber, mir somit völlig umsonst den Arsch aufgerissen zu haben, kam folgende einzeilige Antwort:

Was ihr Fahrer meint und der Kunde entscheidend sind 2 dinge.

Ach.  Völlig neue Erkenntnis.  Aber nur so nebenbei: Das Moderieren zwischen den Anforderungen des Kunden und den Möglichkeiten des Fahrers ist genau dein, des Disponenten, Job.  Und selbst wenn der Kunde das alles gefordert hat, was du so behauptet hast mir gegenüber, nur um sich dann völlig dummzustellen und von nix zu wissen — dann ist es immer noch dein Job, zu vermitteln.  Wäre dir bei einem „ja, dumm gelaufen, sorry“ echt ein Zacken aus der Krone gefallen?

Wer sich bei Interessenskonflikten zwischen Kunden und Fahrern immer auf des Kunden Seite stellt, hat irgendwann keine Fahrer mehr.  Zumindest keine so guten, daß die eine Wahl haben.  Meinjanur.  (Und immer vorraussetzend, daß die Verdaddelung hier wirklich beim Kunden lag und nicht bei dir.  Wovon ich keineswegs überzeugt bin.  Ich sag nur „dringendes Leergut“.)

TL;DR?  Okay.  Stichpunkte:

How to talk to truckers (Checkliste für Disponenten)

  • Es ist überhaupt nicht schlimm, eine Ladung als dringend, wichtig, unbedingt-heute-noch-ankommen-müssend zu bezeichnen.  Wenn sie es denn ist.  Wie jeder Hinweis nutzt sich auch dieser ab, wenn man ihn zu oft anbringt.  Wenn ihr jede Woche Feuer schreit, glaubt euch irgendwann keiner mehr, daß es brennt — auch wenn es das wirklich tut.
  • Der Kunde mag immer recht haben, aber auch der Fahrer erzählt euch nicht immer nur einen vom Pferd.  Ich mach das nun schon ein paar Jahre, und wenn ich sage, hmm, 672 km an einem Tag könnte knapp werden, dann könnt ihr das ruhig glauben.
  • Ich hole gerne auch mal Kohlen aus dem Feuer, aber wenn die Brandblasen zwischendurch nicht mal Zeit zum Verheilen haben, läuft irgendwas schief.
  • Fahrer sind Menschen.  Behandelt sie bitte ab und zu mal auch so.

 

Und was hat das mit dem CCC zu tun?  Ja nix.  Darum geht’s hier doch gerade.  Während ich für die Camp-Logistik unterwegs war, kam ich mir gelegentlich fast verarscht vor — „es wäre gut, wenn du morgen um 7 losfahren könntest, wäre das möglich?“  Ja natürlich ist das möglich, dafür habt ihr mich doch gebucht!  Diese Höflichkeit als das zu sehen, was sie war — tatsächliche Höflichkeit und Wertschätzung, ohne Sarkasmus oder Schleimerei — fiel mir nicht immer leicht.  Und das lag aber nicht an denen, die sie aussprachen, sondern an dem, was ich sonst so gewohnt bin.

Und dann kam der Moment, der mich wirklich geflasht hat.  Ich habe in einem internen Chat den Freunden vom C3LOC (Chaos Computer Club Logistics Operation Center) erzählt, daß die letzten paar Tage in der realen Welt viel stressiger waren als das gesamte Camp, und bekam als Antwort eben nicht ein „Danke“ oder so, sondern ehrliches Interesse:

  • Ich kann mir zwar an einigen Punkten vorstellen, warum das so ist (oder: was anders ist), aber ich würd das tatsächlich auch gerne nochmal aus deiner Sicht hören 🙂
  • Ist ja auch so ein „das sollten wir unbedingt weiter so machen!“, weil es vermutlich auch den anderen LKW Fahrern und Lieferanten dann positiv auffällt

Beschwichtigend erwiderte ich:

  • Schreib ich nachher mal auf, aber das meiste ist nix, was im Einflußbereich des Verladers (=CCCV) läge

… und bekam als Antwort:

  • ist für uns denke ich trotzdem interessant, Perspektive ist immer gut

Genau das liebe ich an den Menschen aus dem Chaosumfeld: sie interessieren sich für andere, auch wenn es sie selber eigentlich gar nicht betrifft.  Das hat man im normalen Leben viel zu wenig — und ich schließe mich selber da auch gar nicht aus.

Und deswegen kommt jetzt der eigentlich wichtige Teil dieses Postings:

Wie man LKW-Fahrern was Gutes tut (Checkliste für Ver- und Entlader)

  • LKW-Fahrer sind Menschen.  Behandelt sie auch so.
  • Ausländische LKW-Fahrer sind nicht doof, weil sie kein Deutsch können.  Kannst du Ukrainisch?  Wenn ja, benutze es.  Wenn nein, stell dir vor, du stehst in der Ukraine beim Kunden.  Empathie!
  • Auch ein Lächeln und ein „Bitte“ kann eine Menge bewirken.  Aber keine übertriebene Höflichkeit — wer LKW-Fahrer z.B. siezt, zeigt damit nur, daß er nicht viel mit ihnen zu tun hatte bislang.
  • Beim Be- oder Entladen nicht sinnlos trödeln.  Fast jeder wird verstehen, wenn der Staplerfahrer etwas langsamer ist, weil er nicht jeden Tag Stapler fährt — aber wenn er zwischendurch was anderes macht, kann man schon mal ungeduldig werden als Fahrer.
  • Das kann man aber mit Annehmlichkeiten teilweise kompensieren.  Ein Fahrer, der erstmal einen Kaffee oder ein Kaltgetränk bekommen hat, je nach Jahreszeit, wird schon viel entspannter an die Sache herangehen.
  • Wer ein Übriges tun will, kann sich da natürlich noch weiter aus dem Fenster lehnen.  Wer einen LKW-Fahrer seine Thermoskanne mit Kaffee auffüllen läßt, ihm eine Flasche Gekühltes zum Mitnehmen in die Hand drückt, ihm je nach Tages- und Schichtzeit eine Dusche, eine Mahlzeit oder einen sicheren Standplatz zur Übernachtung anbietet, der muß sich um eine Viertelstunde oder drei Verzögerung meist keinen Kopp mehr machen, denn er hat einen neuen Fan gewonnen 🙂
  • Wer etwas Eß- oder Trinkbares herstellt, ist gut beraten, im Ladebereich eine kleine Auswahl seiner Produkte zum Mitnehmen hinzustellen, und wenn es zweite Wahl ist.  Das dadurch erzeugte Wohlwollen steht in keinem sinnvollen Verhältnis zum Warenwert!

Wem das jetzt banal vorkommt: Ja! Ist es!  Umso erstaunlicher finde ich, daß sich derlei Erkenntnis nicht nur nicht allgemein durchgesetzt hat, sondern im Gegenteil nur äußerst selten zu finden ist.  Was Kunden, die diese Dinge oder auch nur einen Teil davon kennen und beherzigen, umso strahlender herausleuchten läßt aus der Masse.

Und, lieber CCC, liebe CCCV, liebes C3LOC: Macht euch mal keinen Kopp.  In diesem Sinne seid ihr jetzt schon ein Leuchtturm.  Ich bin kein großer Freund des Winters, aber ich freu mich jetzt schon auf Dezember, denn dann ist Chaos Communication Congress, und ich darf so gut wie sicher wieder für euch fahren — „endlich wieder normale Leute!“

Nachtrag: Mir ist noch was eingefallen, was LKW-Fahrer glücklich macht: Kugelschreiber und (für die Raucher, aber das sind überproportional viele in dem Job) Feuerzeuge.  Banale Giveaways, sicher, aber kann man unterwegs erstens immer gebrauchen und erinnert zweitens eine ganze Weile an den Kunden.  Und ja, das könnte ich mir auch im CCC-Umfeld gut vorstellen: bedruckt mit dem Veranstaltungs-Logo wären die sicher auch außerhalb des LOC ein ziemlich begehrtes Andenken, oder?

Und die Kinder singen für dich

Kinder und -chöre in der Popmusik sind ja nun keine Erfindung der Neuzeit.  Kanonisches Beispiel ist natürlich Pink Floyds „Another Brick in the Wall Part 2“, das als Popmusik zu bezeichnen vermutlich auch ein mit Prügelstrafe bedrohter Fauxpas ist.  Und da machte der Kindergesang ja durchaus auch thematisch Sinn, forderten die Gören doch ihren dunkelsarkastischen Lehrer dazu auf, sie endlich in Ruhe zu lassen.

Aber in neuerer Zeit sind die Kinder mit deutlich anderen Textzeilen unterwegs.  Besonders penetrant fräsen sich momentan folgende zwei Verse in mein gequältes Hirn:

In my mind, in my heart
This is where we all came from
The dreams we have, the love we share
This is what we’re waiting for

Leider besteht das ganze sogenannte Lied nur aus diesen vier Zeilen, wiederholt bis das Erbrochene aufsteigt.  (Oder sollte man hier korrekterweise vom Zu-Erbrechenden reden?  Bzw. nach deformierter Rechtschreibung vom „zu Erbrechenden“?)  Aber schlimmer noch finde ich das hier:

All I ever wanted was to find you
Find a love I never knew
I can feel the pain inside me fading
While I’m fading into you

Nennt mich von mir aus altmodisch, aber solche Zeilen aus Kindermund will ich nicht hören.  Wobei ja zur Ehrenrettung der Protagonisten (um nicht irreführend von Musikern zu sprechen) zuzugeben ist, daß es gar nicht so sicher ist, ob da wirklich Kinder an der Produktion beteiligt waren — vielleicht sind das auch nur mit Computerhilfe zu Kinderstimmen umgefilterte Damenstimmen, künstlich genug klingen sie jedenfalls.

Und nein, ich sorge mich ohnehin nicht um das Seelenheil der vielleicht dort singenden Kinder — die hören auf dem Schulhof jeden Tag Schlimmeres.  Angst macht mir nur der Gedanke, es könne sich hier vielleicht um einen Trend handeln, und nach den Stimmchen vor einiger Zeit und den Kindern heute halte dann demächst Babygeplärre Einzug in die schwerrotierten Superhits unserer Zeit.

Wobei, zur Intelligenz der Texte würde das schon ganz gut passen dann.

Fiesta in a Fatsuit

Fahrbericht Ford Ecosport 1.0 Ecoboost

Ab und zu braucht man auch als Fahrer eines bekannt zuverlässigen 😉 Citroën-Youngtimers kurzfristig einen Ersatzwagen.  Also spaziert man bei der nächsten Autovermietung rein und sagt: Ein Auto für drei Tage bitte.  Was für eins?  Egal.  Billig.

Mit solchen Anforderungen darf man sich danach auch nicht beschweren, schon klar.  Ein Basis-Polo, -Corsa oder -Fiesta hätte mich auch nicht zu dem kommenden Rant veranlaßt, selbst ein Up, Adam, Ka oder Smart wäre wohl okay gewesen.  Aber der Ecosport?  Uaah.

Wer nicht weiß, was das ist: ein kleiner Crossover auf Fiesta-Basis, für Europa hergestellt in Rumänien.  Hier ist ein englischsprachiger Review mit ein paar Bildern, hier die Wikipedia-Seite dazu.

Der latente Ärger fängt schon mal damit an, daß das billigste zu mietende Auto ein SUVchen der Über-20k€-Preisklasse ist, das sagt ja schon so einiges.  Und nein, das war kein „Upgrade“, der Wagen ist tatsächlich die kleinste Klasse.  Wenn man drinsitzt, merkt man auch warum: die äußere Klobigkeit überspielt die innere Enge auf den ersten Blick.  Die Übersichtlichkeit der Bedienung vermag ich nicht wirklich zu beurteilen, ich fand sie wirrer als in meinem Citroën BX, aber hey, da ist ja auch nicht annähernd so viel zu bedienen drin.  Immerhin, Reinsetzen und Losfahren geht im Ecosport.

Ich hatte den Einliter-Dreizylinder-Turbo namens Ecoboost, und ja, der boostet schon ganz ordentlich — Leistungsmangel verspürte ich nie.  Die Rechnung kam freilich an der Tankstelle: eco ist an dem nix (weder -logical noch -nomical), denn ein kleiner Turbo in einer schweren Karre, der säuft auch heutzutage ordentlich, von nix kommt halt nix.  Einskommavier Tonnen!  Ich wiederhole: Eins. Komma. Vier. Tonnen.  Mehr als ein 1977er VW-Campingbus mit allem.  Kaum weniger als ein aktueller BMW-Dreier.

Und von so einem hochbauenden SUVfelchen hätte man, erst recht bei dem Gewicht, ja auch erwartet, daß es wenigstens komfortabel federt.  Aber da kommt dann das „-sport“ aus dem Namen in die Quere.  Als Citroën-Fahrer bin ich verwöhnt, das ist mir klar, aber was war ich froh, damit nicht mehr als 100 km am Stück fahren zu müssen.  Voll die Härte.

Genau wie das Plastik im Innenraum übrigens.  Da bin ich ja weniger verwöhnt, aber trotz guter Ausstattung bis hin zur Rückfahrkamera mit Farbbildschirm wirkte das Interieur sogar auf mich billig.  Die Rückfahrkamera braucht man übrigens auch, denn weder in den winzigen Außenspiegelchen noch durch Umdrehen kann man sich ein ausreichendes Bild über das Geschehen hinter dem Fahrzeug machen, was auch Autobahnfahren gefährlicher macht, als es sein sollte.  Die paar Autobahnkilometer, die ich zu absolvieren hatte, verbrachte ich nach einem kurzen Probegalopp auf der linken Spur, den ich wegen der Federung und der Seitenwindempfindlichkeit schnell abbrach, freiwillig hinter Lastwagen.  Trotzdem ist es mir bei zugegebenermaßen meist flotter, aber nicht bleifüßiger Fahrt in Stadt und mildem Hügelland nicht gelungen, den Verbrauch unter neun Liter je 100 km zu drücken, selbst laut Bordcomputer-Anzeige nicht.  Beim Nachtanken am Ende waren es 9,6 — für Fahrzeugklasse und Baujahr mindestens drei, für den vermittelten Fahrspaß und Nutzwert eher fünf zuviel.

Zum Abschluß habe ich es dann auch noch geschafft, mit dem rechten Spiegel an einer Hauswand hängenzubleiben in der Einfahrt des Elternhauses, aus der ich schon hunderte Male mit allem Möglichen unfallfrei herausreversiert bin.  Spricht auch nicht gerade für den Ecosport, finde ich — warum ist so ein kleines, enges Auto eigentlich 1,76 m (ohne Spiegel!) breit?  Das ist genauso breit wie ein Citroën CX, und das war damals fast Oberklasse!  (Das Gewicht der beiden ist übrigens auch nahezu gleich.)

Und dann ist da noch die nach links statt nach oben öffnende Heckklappe.  Was soll das?  Soll das irgendwie cool sein, beim Beladen des Kofferräumelchens im Regen zu stehen, der auch reichlich in selbiges prasselt?  Falls man die Klappe überhaupt aufkriegt — wenn wer dicht hinter dem Ecosport parkt, geht das eben nicht.  Und den Heckklappengriff, schön versteckt in einer Chromapplikation (?) im rechten Rücklicht (!), hat mir der Autovermietungs-Mitarbeiter ungefragt persönlich gezeigt, weil „sonst sowieso jeder Kunde irgendwann anruft und fragt, wie der Kofferraum aufgeht“.

Fazit: Alles, aber auch alles, was anders ist als am Fiesta, ist Scheiße.  Alles, was gleich ist, also im Wesentlichen der Motor, ist schon okay.  Der Ecosport, und wenn ich mal unzulässig verallgemeinern darf das kleine SUVchen, ist überflüssig wie ein Kropf; der klassische Kleinwagen kann wirklich alles besser.  Und im Gegensatz zum großen SUV, das ja immerhin ein bißchen Gelände und ordentlich Anhängerbetrieb kann und als solches also nicht ganz so überflüssig scheint, weil die Alternative halt andere große Autos sind, eignen sich Karren wie der Ecosport nicht mal mit viel gutem Willen zum Angeben.

Und wer Allrad will im Ecosport, damit er zumindest ein bißchen was von dem kann, wonach er angeblich auszusehen bemüht ist, der bekommt statt des immerhin netten kleinen Turbomotörchens zwangsweise einen Vierzylinder-Diesel (oder in Amerika einen Zweiliter-Vierzylinder-Sauger, der dann auch noch das letzte bißchen Freude verdirbt, wie man im eingangs verlinkten Review nachlesen kann).

Einfach vergessen, diesen Kackstuhl.  Vielleicht geht er davon ja weg.

Hauptsache rund und schwarz

Den Spruch aus der Überschrift hört man ja leider öfter, wenn es um die Wahl der Autoreifen geht.  Auch von Leuten mit richtig teuren und/oder schicken Autos übrigens, nicht nur von Letzthand-Verbrauchtyoungtimerfahrern wie dem Unterzeichneten.  Sei doch eh alles dasselbe, wer traue schon Reifentests, wo nie bei zweien derselbe Sieger herauskomme, und mein Lieblings-Unargument: „Ich fahr ja nicht so viel“ (oder ersatzweise auch „… so schnell“).

Mich hat ein Zeitlupendreher in einer Autobahnausfahrt so ca. Mitte der Nuller bekehrt.  Das war zwar nur ein leichter Blechschaden, aber das Gefühl der Überraschung, daß sich ein Golf GTI bei 40 km/h und Nieselregen beim Gaswegnehmen in einer Kurve, die er bei trockener Fahrbahn locker mit dem doppelten Tempo nehmen kann, auf einmal dreht, wo Fronttriebler doch normalerweise hilflos untersteuernd geradeaus in die Rabatte rutschen sollten — das hat mich doch nachhaltig verstört.  Seither fahre ich Markenreifen, durchaus auch mal ältere — den als Ersatz für die Billigreifen jenes Golf GTI beschafften Satz Pirellis hatte ich letzten Sommer noch auf meinem Citroën BX –, und seitdem hatte ich auch keine Probleme mehr mit mangelndem Grip.

Nun begab es sich aber dieses Jahr im frühen, zeitweise noch leicht winterlich anmutenden Frühling, daß mein Vater ein neues altes Auto — ebenfalls einen Citroën BX — kaufte.  Und der Blick auf dessen (Sommer-)Reifen, ein renommiertes Qualitätsprodukt namens „Kormoran Runpro“, stimmte mich besorgt: will man damit in einen Graupelschauer oder Glatteres kommen?  Vaddern wurde also überredet, die geplanten Ganzjahresreifen — gute wohlgemerkt — schon jetzt zu kaufen, und die Noname-Sommerschluffen würd ich dann nehmen.

Mal kucken, ob man einen Unterschied merkt.

Auf trockener Straße, wie es sich die ersten Wochen nach dem Umstecken so ergab, fiel mir nix Negatives auf.  Wie auch — ich bin kein sportlicher Fahrer, da würden vermutlich auch 20 Jahre alte Reifen problemlos mithalten.  Aber heute war die erste Regenfahrt mit den Dingern, und au weia, sind die schlecht.  Nein, kein Aquaplaning — es sind noch 6 mm Profil da, Baujahr übrigens 9. Woche 2015, also eigentlich tadellos –, aber schon bei feuchter Straße ohne Glanz und ohne Pfützen blockiert es schon bei mittelnormalkräftigen Betriebsbremsungen zuverlässig.  Auf Tests der Seitenführungsqualitäten habe ich daraufhin wohlweislich verzichtet.

Jeden Scheiß prüfen sie beim TÜV.  Ich bin schon mal wegen leichten Farbsprühnebels an der Kante eines Rücklichtglases durchgefallen.  Aber so ein lebensgefährlicher Dreck darf verkauft werden.  Ich fasse es nicht.

Und nun?  Wegschmeißen, sofort wegschmeißen, das wäre die sinnvolle Reaktion.  Mach ich aber nicht — „ich fahr ja nicht so viel“, im August zum Beispiel schon mal gar nicht, und auch sonst fahr ich ja meistens Lastwagen.  Die paar Monate bis zum Winterreifen-Draufstecken im Oktober wird’s gehen, und danach leg ich sie auf Lager als „TÜV-Reifen“, denn die Alufelgen für die nächstjährigen Sommerreifen sind eh nicht eingetragen *flöt* …

Und wenn’s regnet, muß ich eben fahren, als sei mein 28 Jahre alter Citroën ein 58 Jahre alter Opel, komplett mit Starrachse, Blattfedern, Trommelbremsen, Diagonalreifen und ähnlich vorsintflutlichen Relikten aus den Kindertagen des Automobils.

Allen Lesenden sei aber geraten: Nehmt die paar Zehner mehr in die Hand und kauft Euch anständige Reifen.  Bei mir entscheidet da fast ausschließlich die Nässe-Note übrigens, auch bei Winterreifen; auf trockener Straße s.o., und das bißchen Schnee, das wir so noch kriegen, kann man dann auch mit zarter Fahrweise kompensieren, aber regnen tut’s ja öfter mal.  Und noch ein Tip zum Schluß: Wenn nach dem Reifentests-Googlen die Entscheidung gefallen und die Reifen bestellt sind, hört um Himmels Willen auf mit dem Reifentests-Googlen, man macht sich echt nur unglücklich damit 😉

Freitagstexter XI: Pokalverleihung

Ach Mist.  Da hab ich doch glatt vergessen, den Pokal rauszuhauen, jetzt wo im zweiten Anlauf endlich ein Anwärter sich zu erkennen gab.  Naja — da es, wie in letzter Zeit leider öfter, nur ein Anwärter war, wird es ihn sicherlich nicht sonderlich überraschen: Tadaa!

Gib deiner Lust einen Ruck, dachte sich Herwig F. und gründete ein Transportunternehmen.

Gewonnen hat natürlich, da alternativlos, derchristoph.  Herzlichen Glückwunsch!

Und deswegen geht es nun auch weiter bei Boomerang dem Zweiten.  Vielleicht lesen da ja ein paar mehr Leute mit, so daß diese schöne Tradition auch mal wieder ein Wettbewerb werde?  Es tät mich arg freuen!

Ja mach nur einen Plan

Selbst für treue Leser der Gummibahn-Cargo-Kategorie dürfte die schiere Anzahl der Verdaddelationen der letzten paar Tage eine Herausforderung sein, was die Glaubwürdigkeit angeht.  Es sei daher an dieser Stelle versichert, daß sich das alles genau so zugetragen hat.

Dienstag, 11:50

„Da kommst du doch heute noch runter, oder?“  So frug mein Disponent.  „Da runter“ bedeutete ein Logistikzentrum mit angeschlossener Kleinstadt am Neckar, so daß ich, der ich in Magdeburg weilte, angesichts der verbleibenden Fahrzeit nur vorsichtig zustimmen mochte. „Prima“, war die Antwort, „dann kommste ja morgen auch wieder rauf, das Leergut, das du da lädst, ist nämlich dringend.“

Dringendes Leergut.  Interessant, hatte ich noch nie.

Dienstag, 19:50

Ganz bis runter hatte es dann nicht gereicht, sondern nur bis ins rund 100 km vom Ziel entfernte Crailsheim.  Aber das würde schon noch klappen, das Logistikzentrum am Neckar war zumindest nicht für seine Lahmarschigkeit berühmt.  Also bisher.

Mittwoch, 9:15

Okay, die Viertelstunde Verspätung hätt nicht sein müssen, aber was kann ich dafür, wenn die da so kleine Sträßchen haben, auf denen man Staus nur langsam und großzügig mäandernd umfahren kann?  Und macht ja auch nix, ein logistisches Viertelstündchen geht ja fast immer.

Mittwoch, 9:35

Ja nee, mit der Ladung mußte direkt ins Werk, das ist ja nur eine Abladestelle.  Das Werk, das einem hier ungenannt bleibenden Sport- und Sportgeländewagenhersteller gehört, ist ca. 40 km weit weg.  Mein Disponent, über die neue Entwicklung informiert und meiner leisen Zweifel, ob ich noch heute in der Heimat ankommen würde, unterrichtet, meinte nur: „Na das muß einfach klappen!“

Na dann.

Mittwoch, 13:40

Ziemlich genau vier Stunden habe ich zum Werk und zurück gebraucht: etliche Baustellen, kein zentrales LKW-Tor am Werk, Staus in beide Richtungen und nicht zuletzt ein eher entspanntes Tempo beim Entladen dort.  Zum Leergut-Laden durfte ich mich immerhin fast sofort an ein Tor stellen, rückwärts zwecks Heckbeladung.

Mittwoch, 16:50

Und nur drei Stunden später war ich beladen und unterwegs gen Norden.

Donnerstag, ca. 10:00

Und wie ich so gen Norden rolle nach einer Nacht auf einem bayerischen Autohof, ereilt mich die Kunde, dann heute bis 15:00 bei drei Kunden in Heimatnähe laden zu sollen und dann wieder zum selben Logistikzentrum am Necker fahren zu dürfen.  Ein verkorkster Samstag mit Ansage ohne eigene Schuld, da darf man dann am Telefon mit der geneigten Disponenz auch mal ein wenig ungehalten werden.  Nicht daß das zunächst was gebracht hätte.

Donnerstag, 13:50

Mittlerweile am Heimathafen angelegt, hatte sich der Plan für den Rest der Woche aber schon geändert: nun würde es nach Dresden und Chemnitz gehen.  Schon deutlich näher, der gute Willen ist erkennbar.  Planänderungszähler: 1.  Achja, und das so dringende Leergut wurde an der Abfertigung mit einem „Was soll ich denn damit?“ willkommen geheißen.  Schau mal einer an.

Donnerstag, 17:25

Noch „mal eben“ einen Trailer im nahen Salzgitter beim selben Kunden ent- und beladen, gab es einen recht frühen Feierabend und eine richtig lange Nacht, denn in Glauchau sollte ich erst um 15:15 am Freitag sein.  Moment, Glauchau?  Das war doch vorhin noch Dresden?  Das konnte disponierenderseits niemand mehr nachvollziehen.  Ist ja eigentlich auch egal, solange das Ziel zur Ware paßt.  Planänderungszähler: 2.

Freitag, 8:25

„Glauchau ist Storno“, begrüßt mich eine Mail.  Stattdessen wäre ins Zonenrandgebiet zu fahren, einen Trailer für einen anderen Kollegen vorladen, mit Stoßstangen für ebengenau das genannte Sport*wagenwerk am Neckar, das mir schon die ganze Woche versüßt hatte.  Das hätte man auch schon ein paar Stunden eher angegangen haben können, umso eher wär Wochenende gewesen, aber was soll’s.  Planänderungszähler: 3.

Freitag, 10:00

Freilich war mal wieder kein leerer Trailer aufzutreiben, und so steh ich nun in Goslar bei einem anderen Kunden, um dort nicht so dringendes Leergut zu entladen und so einen leeren Trailer zu generieren (Planänderungszähler: 4), doch allein: „Wir haben heute Kurzarbeit, ich kann dich nicht entladen.“  Naja, hat der Trailer wenigstens auch mal wieder Goslar gesehen, denke ich und bringe ihn unverrichteter Dinge zurück, wo er herkam.  Planänderungszähler: 5.

Freitag, 11:15

Anruf vom Disponenten: „Ich habe einen leeren Trailer für dich!“  Yaay!  Wo er den ausgegraben hat, will ich auch gar nicht wissen.  Er gehört jedenfalls weder der Firma, für die mein Diponent, noch der, für die ich arbeite, und er hat keine Firmenanschriften drauf und nur zwei Achsen.  Aber macht nix, Stoßstangen sind ja leicht.  Damit fahre ich nun also endlich ins Zonenrandgebiet, Stoßstangen laden.  Danach werde man mir dann noch einen Trailer ins wohlbekannte Automobilwerk mit den zwei Buchstaben geben.  Genau das, was man auf einen Freitagnachmittag erträumt.  Von der angedeuteten, sehr viel entspannteren zweiten Stoßstangentour ist keine Rede mehr.  Planänderungszähler: 6.

Freitag, 15:30

Fast wieder zurück aus dem Zonenrandgebiet klingelt mal wieder das Telefon.  Dran ist unsere Disponentin, also die meines Arbeitgebers, nicht der auftraggebenden Spedition.  Sie berichtet von einem Kollegen, der in Salzgitter bei zwei Firmen laden mußte, zwei Vollsperrungen abbekommen habe und nun noch zwei Stunden Schichtzeit habe, von dem die auftraggebende Spedition aber verlange, heut noch ins rund 60 km entfernte Transporterwerk zu fahren und sich anzumelden, wegen Terminfracht.  Am Freitagabend, vor den Werksferien, und obwohl der Kollege lange angekündigt hatte, am Freitagabend in den Jahresurlaub aufbrechen zu müssen.  Und ach ja, sein Auflieger müsse dann zur Werkstatt, wegen TÜV.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich mache mich mit des Kollegen Auflieger auf den Weg zum Transporterwerk. Planänderungszähler: 7. „Aber da mußt du dich wirklich nur anmelden und denen die Chance geben, das Termingut abzuladen.  Den Rest bringste wieder mit!“, sagt der Disponent (wieder von der Spedition) zum Abschied.

Freitag, 18:45

Die erste der drei Entladestellen im Transporterwerk ist geschafft, die „Telematik“ (das zur LKW-Steuerung vom Werk leihweise überlassene Smartphone) bestellt mich direkt zur zweiten.  Ach pfeif drauf, denk ich mir und beschließe angesichts der ungewohnt hohen Entladungs-Schlagzahl spontan, die Karre doch noch leerzumachen und dann eben in Hannover zu nächtigen.  Den Auflieger zur einen und meine Zugmaschine zur anderen Werkstatt bringen kann ich auch morgen noch.  Planänderungszähler: 8.

Freitag, 20:45

Leer!  Und von Termingut wußte keine der daraufhin von mir ausdrücklich befragten Entladestellen etwas zu berichten, das sei alles ganz nochmale Ware.  Ach kuck.

Samstag, 12:15

LKW bei der Werkstatt (und natürlich zuvor den Trailer bei der anderen solchen) abgegeben.  Hätte man alles, was ich diese Woche geschafft habe, verdaddelungsfrei und ohne übertriebene Warterei tun können, wäre das Abgeben vermutlich am Donnerstagnachmittag passiert — aber andererseits: wenn sie auf dem ursprünglichen Plan bestanden hätten, würd ich jetzt vermutlich am Neckar losfahren oder so.

Wie sang dereinst schon Ulrich Roski?  „Man darf das alles nicht so verbissen seh’n.“

Nichts fehlt, also ist alles gut

Läßt sich also ein hoher Imperiumsbürokrat niedersächsischer LKA-Beamter aus seinem Privatwagen eine Aktentasche mit Unterlagen über Spitzel V-Leute des LKA in der islamistischen Szene klauen.  Was die da in seinem Auto verloren hatten, wird gerade disziplinär geklärt.  Was ich aber interessant finde: die Tasche nebst Unterlagen wurde drei Tage später von einem Angler aus einem Teich gefischt.  Fehlen taten nur Bargeld und eine ec-Karte.

Und die Schlußfolgerung ist: Nochmal Glück gehabt.

Wie kommen die darauf?

Gut: es mag natürlich sein, daß der Dieb wirklich nur die Kohle gegriffen und den Rest dann in den Teich geschmissen hat.  Aber wenn ich ein Islamist wäre, der gezielt diesem Imperiumsbü LKA-Typen die Tasche geklaut hat in der vagen Hoffnung, darin was Gutes zu finden — dann würde ich nach dem Abfotografieren oder Einscannen der interessanten Informationen doch genau dasselbe damit machen und hoffen, daß die beim LKA blöd genug sind, nicht drauf zu kommen, daß das ein Ablenkungsmanöver war.

Und wenn ich ein LKA-Spitzel in der Szene wäre, hätte ich von jetzt an keine entspannte Sekunde mehr im Leben.

Klar, beeilten sie sich zu versichern, die Dokumente seien „offensichtlich nicht gelesen worden“.  Wie offensieht man sowas?  War da noch die originale Folie drum oder was?  Oder sind die mit einem Wachssiegel geschützt?

Es steht zu hoffen, daß Gespött, Fassungslosigkeit vor so viel Inkompetenz und vielleicht sogar eine Bestrafung des hohen Imperiu… wissenschon die einzigen Folgen sein werden.  Aber ich wage mal eine Prognose: selbst wenn nicht, wird der Herr Innenminister wegen so einer Lappalie nicht zurücktreten.

Ich kann mich aber an Zeiten erinnern, da wäre er jetzt schon weggewesen.  Allein schon wegen des Versuchs, das Ganze geheimzuhalten — der Landtag wurde erst informiert, kurz nachdem der NDR beim LKA um eine Stellungnahme zu der Geschichte gebeten hatte.  So’n Ärger aber auch, schon wieder eine unerfreuliche Sache unter dem Teppich hervorgekrabbelt.

Mag vielleicht daran liegen, daß dort unterm Teppich ein ziemliches Gedränge herrscht?

Hilfloses Wechselblinken

Es begab sich aber zu einer Zeit, da der Blinker den mechanischen Winker sich abzulösen anschickte, daß sich die meisten Automobilhersteller dachten: Hei, das wäre doch ein gelungenes Feature, wenn sich der Blinker nach der Kurve automagisch abschölte. Sodenn ersonnen sie eine fabulöse Mechanik, woselbst ein Nippel an der Lenkradnabe den Blinkerhebel, so er denn in Blinkstellung eingerastet war, beim Vorbeidrehen des ersteren am letzteren in die mittlere Ruhestellung drückte. Und die Hersteller sahen, daß es gut war, und mit ein paar Jahrzehnten Verspätung adoptierte selbst Citroën diese sinnige Idee, und alles war eitel Freude.

Rund eine Dekade später aber dachte sich manch ein Automobilproduzent: Welch erschröcklich komplexe Mechanik doch solch einem Blinkerhebel innewohnt! Da hat es Federn, Nippel, Mitnehmer, lauter Zeugs, das nur darauf wartet, zu verschleißen und kaputtzugehen. Das geht doch bestimmt auch in Software, geht es nicht? Und so verwendeten sie einen Haufen Hirnschmalz auf Blinkerhebel, die immer in die Mittelstellung zurückfederten, wenn man sie losließ, mit je einem Schließkontakt am Ende, und programmierten die automagische Blinkerrückstellung nun eben mit Auswertung des ohnehin fürs ABS oder watweißich verbauten Lenkwinkelgebers in irgendein Steuergerät hinein, somit sicherlich mehrere Cent pro Kraftwagen einsparend zum Frohlocken des Aktionärs.

Aber wie, so frug sich der geneigte Autler, wie solle er denn nun den Blinker manuell ausschalten? Der Hebel stehe doch nun schon in der Mitte, auch wenn es blünke? Alles kein Problem, salbaderte darauf der Hersteller die Betriebsanleitung voll: wenn Du den Blinkerhebel für weniger als sachtkommadrölf Zehntelsekunden an den entgegengesetzten Anschlag drückst, dann schaltet die Blinkfunktion ab; drückest Du aber länger, so wird der Richtungsblinker für die andere Seite sich einschalten.

Und so begonn die Zeit der hilflos wechselblinkenden Autowägen auf den mehrspurigen Kraftfahrstraßen dieser Welt, und weithin schallten die Flüche ihrer Lenker beim Versuch, das zu tun, was Generationen von Käfer-, Trabant- und Entenfahrern noch konnten, ohne nachzudenken: den Blinker auszuschalten.

(Zuerst veröffentlicht als Usenet-Posting in de.alt.talk.unmut.)

Freitagstexter XI: a.K.-Pokalverleihung

Leicht verspätet sind die beiden leider außerkonkurrenzlichen Beiträge zum aktuellen, nun verlängerten Freitagstexter-Bewerb zu würdigen.  Axel bot einen Klassiker der deutschen Musik-Hochkultur zum besten, der zwar irgendwie auch gar nicht schlecht paßte, aber naja, irgendwie war mir das dann doch zu rübennasig 🙂

Ganz anders der Herr wvs:

Bitte beachten Sie folgenden Hinweis: In der vierten Dimension kehren sich die Gegebenheiten um, ‚ziehen‘ wird zu ‚drücken‘, was aber nicht bedeutet, dass Sie tatsächlich ans Ziel kommen.

Wir müssen eben alle lernen, vierdimensional zu denken!  Und dafür gibt’s dann auch diesen schicken, wenn auch nur knapp mehr als zweidimensionalen Pokal ohne anhängende Verpflichtungen:

Herzlichen Glückwunsch!

Fromme Wünsche

Dialog beim Papiere-Abholen nach dem Laden einer Viertelladung Autoteile in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb.

Schlabonski: „Na dann bis nächstes Mal.  Dann vielleicht sogar mit funktionierendem Trailer.“

Staplerfahrer: „Und ohne umgeworfenen Leergutstapel.“

Büromensch I: „Und ohne Papierstau.“

Büromensch II: „Und ohne Verbindungsabbruch bei der Datenübertragung.“

Naja.  Zumindest haben wir noch nicht alle Hoffnung verloren.

Freitagstexter XI — Verlängerung mit neuem Bild

Funklochbedingt verspätet, aber immerhin noch am Freitag derselben Woche, was ja inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr ist, leider, weil diese schöne Tradition es ja, wie schon mehrfach erwähnt wurde, keinesfalls, zumindest nach Ansicht des Unterzeichneten, auszusterben verdient, in der mir der Herr Boomerang der Zweite ein weiteres Mal, wenn auch wiederum alternativlos, den Pokal hat zukommen lassen, ist es also nun nach einiger Zeit wiederum an mir, den Freitagstexter auszurichten.

Leider mit nur außerkonkurrenzlichen Beiträgen, deren Pokalisation hier nachzulesen ist.  Deswegen gibt es heute ein neues Bild, vielleicht inspiriert es ja mehr?

Und hier das zu betextende Bild:

Die Regeln sind einfacher zu verstehen als der einleitende Satz.  Es geht darum, eine Bildunterschrift zu finden.  Die darf gern witzig sein, muß es aber durchaus nicht, wie auch sonst keinerlei außer den gesetzlichen Einschränkungen gelten.  Wer bis zum nächsten Dienstag um Mitternacht die streng subjektiv nach Meinung des Unterzeichneten beste Bildunterschrift hier als Kommentar abgegeben und auch seine Blogadresse hinterlassen hat, an dem ist dann die verdammte Pflich hohe Ehre, den Wettbewerb des kommenden Freitags auszurichten.

Und wer mitmachen will, ohne wirklich zu konkurrieren, der darf das natürlich auch — ohne Blogadresse oder mit dem Hinweis „außer Konkurrenz“, kurz „a.K.“.

Also, frisch ans Werk!

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