Gelebte Sprachdefizite

Im Freundeskreis haben wir nach dem, ähm, *räusper*, sagen wir mal überholspurbedingten reihenweisen Ableben der Motoren eines gewissen französischen Beinahe-Oldtimers die Erklärung für solch wundersame Schadenshäufung gefunden:

Es gibt kein französisches Wort für „vollgasfest“.

Das Lustige daran ist, daß mir mittlerweile um ein paar Ecken aus muttersprachlicher Quelle zu Ohren kam: Stimmt.  Gibt es wirklich nicht.  Warum auch, so ein Wort braucht man nur in einem Land ohne Tempolimit.  (Oder mit extrem lahmen Autos.)

Was das mit Gummibahn-Cargo zu tun hat?  Nun, nach einem Tag auf der Warschauer Allee (wie man hier in der Gegend die Autobahn 2 aus naheliegenden Gründen auch nennt) habe ich eine neue Theorie:

Es gibt kein polnisches Wort für „Sicherheitsabstand“.

Wertvolles Exportgut

Da steh ich also in einer Sandgrube — nein, nicht festgefahren, sondern zum Beladen — und frage mich, wieso um alles in der Welt ich eigentlich dann gleich 20 Tonnen Sand an die Küste kutschieren soll (naja, fast: Bremerhaven war das Ziel).  Gibt’s da nicht eigentlich Sand wie Sand am Meer?

Stellt sich raus: In Bremerhaven passiert mit dem Sand auch nicht viel, der wird da nur in Container verladen (es handelte sich um gesackten Sand, Sandsäcke quasi, aber letzteres Wort klingt so nach Sturmflut und THW) und nach Kanada verschifft.

Noch mal zum Mitschreiben: Wir. Exportieren. Sand.

Demnächst dann die neuen deutschen Exportschlager: Wasser und Luft.

Warten auf Hybridlaster

Ja, die elektrische Zukunft hat auch beim LKW längst begonnen.  Und damit meine ich nicht Hirngesprinste wie den Tesla Semi (bei dem das Semi nach meiner Überzeugung nicht für semi tractor, also Sattelzugmaschine, steht, sondern für semirealistisch), sondern ganz konkrete Versuchsfahrzeuge wie zum Beispiel den hier:

Unschwer zu erkennen ein umgebauter MAN TGX mit XLX-Hütte, der aber nun als Framo Eway firmiert.  Eigenwilliger Name, hat er doch mit den einst so benannten Transporterchen nicht viel gemein — aber hey, er fährt, und zwar im produktiven Einsatz rund um ein hier regelmäßig erwähntes, aber nicht benanntes großes Automobilwerk herum.  Die Reichweite ist mit 100 km laut Auskunft des Fahrers nicht eben üppig, aber für die extreme Kurzstrecke in diesem Einsatz ausreichend.

Wobei man sich schon fragt, wo Tesla die achtfache Reichweite unterbringen will.  Aber egal, deren Problem.

Solche Fahrzeuge gibt es mittlerweile von einigen Herstellern, und sicherlich werden über kurz oder lang auch die Glorreichen Sieben (also die sieben großen europäischen LKW-Hersteller: DAF, Daimler, Iveco, MAN, Renault, Scania und Volvo, hier alphabetisch sortiert) sowas unter eigenem Namen anbieten.

Was aber m.E. viel mehr bringen würde als solche vollelektrischen Laster für die letzte Meile, wären hybride Fernlastwagen.  Also ganz normale Diesel-Sattelschlepper mit zusätzlichem E-Motor und gar nicht mal so riesigem Akku, den sie mit dem Diesel aufladen können.

Das würde ganz schön viele Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  • Man müßte nicht mehr die bergauf mühsam aus Diesel generierte potentielle Energie bergab in Retardern verheizen und dann noch aufwendig wegkühlen, sondern könnte beim Bergab-Bremsen einfach rekuperieren und die Akus wieder füllen.
  • Solcherart gefüllte Akkus würden am nächsten Berg dann auch Zusatzschub liefern können — und schwupps, kann man den Diesel kleiner machen, denn wenn zusätzlich sagenwirmal 300 kW Elektroschub bereitstehen, reichen auch 300 PS aus dem Diesel statt der heutzutage üblichen 400-500.  Verbrauchseinsparungen im zweistelligen Prozentbereich — je bergiger, desto mehr — sollten da nicht lange auf sich warten lassen.
  • Und wenn keine Berge da sind?  Dann ist es vermutlich immer noch effektiver, den Diesel nur ab und zu, aber dann mit ordentlich Last, laufen zu lassen — also beim Fahren in der Ebene mittels Akku-Laden Last zu erzeugen –, denn wie jede Verbrennungskraftmaschine läuft auch der Dieselmotor unter Last deutlich effizienter als im Beinahe-Leerlauf, wo moderne Lastwagen den Großteil ihrer Betriebsstunden zubringen, wenn’s nicht grad in die Berge geht.  Also sagen wir mal 5 min Fahren + Laden mit Diesel, dann 10 min Rollen mit Strom, repeat until angekommen.  Und das Navi, das ja nicht nur weiß, wo es hingeht, sondern heutzutage auch Topographie und Verkehrsverhältnisse kennt, sorgt dafür, daß am Berg, am Ziel, bei Ortsdurchfahren und im Stau der Akku schön voll ist, damit man da den Diesel nicht braucht.
  • Natürlich kann man mit dem zusätzlichen Elektro-Wumms auch schön auf die Autobahn raufbeschleunigen, wenn der Akku voll ist.  Und wenn nicht, dauert das halt ein bißchen länger.  Auch kein Drama.
  • Und wenn man dann am Ziel ist, kann man dann auch leise und schadstoffrei an die Rampe rangieren.  Oder auf dem Weg dorthin durchs Wohngebiet die Nachbarn nicht wecken.
  • Natürlich würde man auch sämtliche Nebenaggregate, vor allem den Luftpresser, elektrisch betreiben — und schon fallen die morgendlichen paar Minuten Leerlauf (oder bei weniger geduldigen Kollegen: Vollgas) mit dank kalter Maschine maximalem Schadstoffausstoß auch noch weg.
  • Wenn der Akku geeignet dimensioniert ist, kann man dann auch gleich noch die Kühlaggregate der entsprechenden Auflieger elektrisch betreiben und ist eine weitere, gar nicht so unbeträchtliche Lärm- und Abgasquelle los.  Ich bin ja ohnehin fest überzeugt davon, daß die Scheißdinger mehr Dreck rausmölmen als der Lastwagen darunter.  Müßte der Akku freilich groß genug sein, um eine Nacht durchzukühlen — aber wenn nicht, herrjeh, dann wirft man eben den Diesel des Sattelschleppers an, leiser und sauberer ist der ja eh.
  • Und schlußendlich wären ein paar hundert kWh im Akku auch eine schöne Sache, um nie wieder Angst vor einer mit Standklima oder -heizung, Fernseher, Kühlschrank und PC leergespielten Starterbatterie haben zu müssen.

Aber das wiegt doch alles zuviel, höre ich schon den Einwand.  Nun: Der kleinere Dieselmotor, die durch den E-Motor zu ersetzenden Anlasser und Lichtmaschine und nicht zu vergessen der kleinere Tank (dank weniger Verbrauch ohne logistischen Nachteil) sollten die Gewichtsnachteile der Hybridaggregate zumindest teilweise kompensieren können.  Und selbst wenn die Kiste dann ne Tonne mehr wiegt — na und?  Ich hab in meiner Karriere vielleicht zwei Dutzend Touren mit voller Nutzlast gefahren bisher.  Sicher gibt es Branchen, wo das anders ist — aber man könnte ja zum Beispiel auch den Hybridlastern etwas mehr zulässiges Gesamtgewicht zugestehen, so wie man es heute mit den Fahrzeugen des Kombinierten Ladungsverkehrs schon tut.

Und die Kosten?  Naja, wenn wir mal von meiner Schätzung von 10 gesparten Litern Diesels je 100 km ausgehen, wären das bis dahin bestimmt 15 Euro auf 100 km — 15.000 Euro im Jahr bei normaler Fahrleistung.  Selbst wenn die Hardware so viel kostet wie ein Tesla Model S — nach 5 Jahren ist sie amortisiert.  Und dazu gibts dann noch freie Fahrt in alle Umweltzonen, ein gutes Gewissen und ein schönes Motiv für die eigene Imagekampagne geschenkt.

Und wenn dann wirklich dereinst Ladestationen für E-LKW aus dem Boden sprießen oder Oberleitungen über den Autobahnen hängen, kann man beides auch mit den Hybriden mitnutzen.  Ladegerät reinschrauben oder Pantographen aufs Kabinendach und fertig.  Falls man solch Zukunftssicherheit bei den Haltedauern heutzutage überhaupt braucht.

Das einzige, was diesem Konzept im Vergleich zum Vollelektrischen fehlt, ist der Glamour-Faktor.  Damit holste halt bei einer Aktionärsversammlung den Hund nicht hinterm Ofen vor, wenn nebenan Herr Musk seinen Semi-Prototyp hypt.  Aber ganz ehrlich: in der Nutzfahrzeug-Branche zählen Ergebnisse mehr als Hype, und deswegen glaub ich schon, daß es auch in die skizzierte Richtung gehen wird.  Und ich kann es kaum erwarten, daß das endlich kommt.  Nicht nur, wenn ich neben einem lärmenden Kühllaster zu schlafen versuche wie heute.

Na sicher doch

Es gibt da eine Ladestelle, bei der ich jedesmal eine Diskussion über Ladungssicherung hatte.  Das erstemal hatte ich einen älteren Auflieger mit Holzbrettern drin dabei und wurde aufgeklärt, „nee, mit Holzbrettern ist das XL-Zertifikat {welches besagt, daß die Aufliegerseiten die Ladung unter bestimmten Bedingungen auch ohne Gurte zu sichern vermögen} wertlos“, und dann hatte ich nur knapp genug Gurte dabei, ein Riesen-Trara jedenfalls.

Beim zweiten Mal war der Auflieger brandneu, mit nochmal verstärkter Plane und ganz ohne Bretter, weil die nicht mehr zum Sichern gebraucht werden — und mir ward vom selben Mitarbeiter beschieden „nee, die Ware {die gleiche wie das Mal davor} ist schmaler als der Laderaum, die mußt du trotzdem gurten“; immerhin scheiterte es diesmal nicht an der Zahl der Gurte.

Heute war ich wieder da.  Und als ich die Plane geöffnet hatte, bot sich dem Lademeister folgender Anblick:

Keine Bretter, da wieder verstärkte Plane und keine Bretter nötig. Aber dafür elf Gurte, fertig eingehängt und bereit zum Über-die-Ladung-Fieseln.

Und er frug: „Was hast du denn vor?!“ — „Ich habe keine Lust mehr, mit dir über Gurte zu diskutieren.“ — „Was soll’n das heißen?!“

Tja, überleg mal.  Was soll das schon heißen können.  Eigentlich genau das, was ich gesagt habe.

Aber manche Leute können wohl nicht anders — die müssen ein bißchen granteln, sonst sind sie unglücklich.

Landwirtschaftliches Dreirad

Diese landwirtschaftliche Anhänger, der mir vor ein paar Tagen vor die Linse kam (man entschuldige bitte die Bild-„Qualität“, aber für ne Fahraufnahme (im doppelten Wortsinne) finde ich sie gar nicht so schlecht) …

… ist ja schon wegen seines Hinterachsdifferentials interessant: anscheinend ein passend abgelängter Lastwagen — aber besonders lustig finde ich, daß nur drei Räder bis zum Boden reichen.  Sowas hab ich zuletzt bei meinem ersten Käfer gesehen …

…, der rollte aber nicht mehr.  (Leider habe ich davon kein größeres Bild, bis mal das Negativ oder ein Abzug auftauchen in meinem Chaos hier.)

Kommunikationsprobleme

Heute fand ich mich auf einer, nun, wie nennen wir das, Hafenzubringerstraße wieder, die wg. Baustelleritis ein wenig enger war als normal.  Und da von einem Seehafen mitunter auch mal größere Brocken gen Landesinneres zu transportieren sind, war vor mir ein Schwertransport mit Überbreite und Polizeibegleitung.  Jene, in einem Sprinter, fuhr an den engeren Abschnitten meist bis zu deren Ende vor, setzte dort einen Freund-und-Helfer mit Kelle zum Sperren der Straße für den Gegenverkehr ab, fuhr dann zurück und dann mit dem Schwertransport und dessen Begleitfahrzeug (und uns in der Schlange dahinter) gemeinsam durch die Engstelle.  Manchmal blieben sie aber auch am anderen Ende der Engstelle stehen, und der Schwertransport fuhr dann ohne sie durch.  Soweit, so unspektakulär — trotz Krawallbeleuchtung.

Irgendwann schwenkte dann der Schwertransport auf die Linksabbiegerspur, der blausilberne Sprinter war nicht mehr zu sehen, und es gab genug Platz, um mit Ziel geradeaus am Schwertransport vorbeizufahren.  Und was erblicken dann die entzündeten Äuglein nach weiteren vier Kilometern Baustelle mit seltsam wenig entgegenkommendem Verkehr?  Richtig: den Sprinter, der höchst wichtig die Gegenfahrbahn sperrte — nicht nur mit der Kelle, sondern unter vollem Einsatz seiner ganzen drei Tonnen Lebendgewicht, sämtlichen blauen Lampen und roten Leuchtschriftzügen und allen vier Insassen.

Wie lange die da wohl gestanden haben, bis die Sache jemandem komisch vorkam?  Der Stau auf der Gegenfahrbahn reichte jedenfalls schon bis an den Horizont, und zumindest die, die da ganz vorn standen und miterleben durften, wie ein Polizeisprinter mit Leuchtschriftzug „ÜBERBREITE“ anscheinend völlig grundlos minutenlang die Fahrbahn blockierte, waren darüber sicher auch weniger amüsiert als ich …

Über alle Maaßen hirnlos

Da ist der Mann nun also Verfassungsschutzpräsident und fällt mit … eher … weniger verfassungskonformen Äußerungen zwar nicht aus der Rolle, denn so kannten wir ihn schon länger, aber doch unangenehm auf.  So unangenehm, daß unverhofft schnell Einigkeit entsteht: diesen Job soll er nicht weiter machen dürfen.

Das allein war ja schon eine Überraschung.  Seit wann hat denn rechtes Gebrabbel in diesem Land Konsequenzen?

Die zunächst angedachten Konsequenzen — Beförderung zum Staatssekretär im Innenministerium nebst einer Gehaltserhöhung, deren Summe so manchem als Gehalt ganz lieb wär — waren dann schon eher wieder erwartungsgemäß.  Doch oh Wunder, auch dazu sollte es nicht kommen, weswegen schnell ein neues Pöstchen (Sonderberater im Innenministerium) geschaffen werden mußte zwegens Endlagerung zum bisherigen Einkommenssatz.

So.  Versetzt Euch jetzt mal in Herrn Maaßens Lage.  Ohne Einkommenseinbußen und auch sonst ohne jedwedes blaues Auge aus dem Skandal rausgekommen!  Also wenn das kein Dusel ist, dann weiß ich auch nicht.  Was würdet Ihr in so einer Situation tun?  Ich wüßte, was ich täte: Bloß die Fresse halten, zumindest bis ein bißchen Gras über die Sache gewachsen ist.

Und was macht Hans-Georg Maaßen?  Das nächste Faß auf macht er.

Und dann wurde es sogar seinem designierten Dienstherrn, einem gewissen Heimat-Horst, zu blöd, und Maaßen war sein Pöstchen noch vor Antritt desselben wieder los.  Was eigentlich die noch größere Überraschung ist — seit wann hat denn Herr Seehofer ein Problem mit rechter Hetze?

Es geschehen noch Zeichen und Wunder.  Viel zu selten, aber immerhin.

 

Müllvermeidung, kreativ

An meiner Stammtankstelle gibt es seit einiger Zeit ein tolles tolles Angebot: Wer einen Porzellan-To-Go-Kaffeebecher erwirbt, zum Spottpreis von nur 11,99 €, der bekommt fortan auf jeden To-Go-Kaffee Rabatt.  Und zwar die unglaubliche Summe von vollen 10 Cent!

Kein Witz.  Nach nur 120 Kaffee hat man die Kohle wieder drin.

Nun ist es ja nicht so, daß es nicht auch andere gute Gründe zum Erwerb eines Porzellan-To-Go-Kaffeebechers gäbe.  Steht sogar auf dem anpreisenden Werbeaufsteller: 1. Geld sparen, 2. Genießen, 3. Müll vermeiden.  Und deswegen besitze auch ich seit ein paar Wochen so einen Becher.  Meinen habe ich allerdings nicht an der Stammtankstelle gekauft, sondern an einer solchen des Hoyer-Konzerns, denn dort kostet er erstens ein bißchen weniger (9,50 €), und zweitens gibt es dort dann nicht nur läppische 10 Cent Rabatt, sondern 50.

Prozent.

Damit kostet dann ein Kaffee bei Hoyer … ja, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, denn sein Preis geht beim Kauf von Frühstücksbackwerk im Rauschen unter.  Vielleicht einen Euro oder so.

Aber wie gesagt, es geht ja nicht nur ums Geld.  Und deswegen war ich dann heute morgen mit meinem Hoyer-Becher in meiner Stammtankstelle und wollte einen Kaffee, in selbigen bitte.  Und was sehen meine koffeïnmangelbedingt noch leicht verquollenen Augen?  Die Thekendame stellte einen Pappbecher unter die Maschine, ließ dort den Kaffee hineinlaufen und kippte ihn dann aus dem Papp- in meinen Porzellanbecher.

Als ich die mir fehlenden Worte wiedergefunden und nach dem Sinn der Prozedur gefragt hatte, ward mir beschieden, das sei so Vorschrift, man dürfe aus hygienischen Gründen keine fremden Becher unter die Maschine stellen.

Die zehn Minuten, die ich brauchte, um mich wieder abzuregen, überspringen wir mal.

Dabei ist die Lösung so einfach, daß ich sogar in meiner das logische Denken recht zuverlässig hemmenden Mischung aus Ungläubigkeit, Wut über soviel Dummheit und, ja, ich gebe es zu, perversem Amüsement über die Menschheit an sich nur wenige Minuten brauchte, um drauf zu kommen: Ihre eigenen Porzellantassen zum Hiertrinken dürften sie doch unter die Maschine stellen, oder?  Ja, meinten sie, das dürfen wir.  Schön, sag ich, und warum nehmt ihr dann nicht so eine zum Befüllen mitgebrachter To-Go-Becher?

Die zehn Minuten, bis sie sich von der Erkenntnis erholt hatten, nicht selber drauf gekommen zu sein, überspringen wir mal auch.

Ich bin gespannt, ob diese Idee sich dort auch durchsetzt oder ob man weiterhin Pappbecher spart, indem man sie zum Befüllen von Porzellanbechern benutzt und dann direkt wegwirft, statt sie dem Kunden zu geben.  Ich werde beobachten und berichten.  Und ansonsten soll mir mal bitte jemand das Bakterium oder den Virus zeigen, die es schaffen, den Strahl heißen Kaffees aus dem Becher in die Maschine hochzuschwimmen.  Hygienische Gründe, daß ich nicht lache!

Der geschenkte Feiertag

… war gestern.  Und nein, ich rede nicht davon, daß wir in Nordwestdeutschland jetzt mit dem Reformationstag oder, wie der Volksmund sagt, Halloween einen neuen Feiertag haben; solange sie überall anders mehr Feiertage haben als wir Sturmfesten und Erdverwachsenen hier, hab ich da kein bißchen schlechtes Gewissen dabei, da einen Ausgleich zu fordern.  Nein, der Witz dabei ist, daß dieser gestrige Feiertag überhaupt kein LKW-Fahrverbot beïnhaltete, weil die Dölmer in Berlin es mal wieder nicht geschafft haben, ihre Arbeit fristgerecht zu erledigen: die dafür erforderliche Änderung der Straßenverkehrsordnung hat zumindest bis jetzt nicht stattgefunden.

Wenn wir so arbeiten würden wie die, wäre der Sitzungssaal mangels Baumaterial noch nicht fertig, und es würde durch die Kuppel regnen, weil das Glas noch nicht verladen ist.

Man darf gespannt sein, ob sie es bis nächstes Jahr schaffen.

(Nein: das hatte auf mich keine praktischen Auswirkungen; die Kunden arbeiten eh alle nicht, und somit war auch für mich Feiertag.  Aber trotzdem finde ich diese Trödelei des Gesetzgebers einfach unbegreiflich.)

Freitagstexter VIII: Pokalverleihung

Und schon wieder war Dienstag, und damit ist Zeit für eine leicht verspätete Pokalverleihungszeremonie.  Aber dafür findet die jetzt bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein an einem Feiertag statt und nicht nachts in einem Sturm, das ist doch auch schön.

Gewonnen hat den jüngsten Freitagstexter, um nicht groß um den heißen Brei herumzureden, der Herr wvs mit einer saisonal vielleicht ein wenig frühen, aber um so überraschenderen Idee:

Der Weihnachtsmann hat mit Freude sein hier abgebildetes Einsatzfahrzeug zur Dachbesteigung in Augenschein genommen – nun kann es los gehen mit der Geschenkeverteilung durch die Schornsteine!

Und hier kommt er dann auch schon, der Pokal:

Herzlichen Glückwunsch!

Auf die Verleihung des a.K.-Pokals wird diese Woche verzichtet, denn ehrlich gesagt hat mir nicht nur deschristophs 😉 Einwand zu dieser Praxis ein wenig zu denken gegeben, sondern fand ich auch den a.K.-Kommentar bei aller unzweifelhaften Kreativität ein wenig zu weit hergeholt.  Trotzdem sei aber allen Einsendern herzlich für ihre Beiträge gedankt — von der Hoffnung, daß es mal wieder mehr werde als die paar Leutchen, die hier die altehrwürdige Tradition hochhalten, mal abgesehen haben mir Eure Kommentare auch alle wirklich Spaß gemacht!  Wir sehen uns am Freitag wieder — beim …

Wie Tiere

Angesichts eines ziemlich … unüberlegt agierenden Iveco-Daily-Pritschenwagenfahrers vorhin ist mir mal wieder ein Spruch meines LKW-Fahrlehrers damals eingefallen, den ich hier glaub ich noch nicht zum besten gegeben habe:

Verkehrsteilnehmer unter 7,5 to zulässigem Gesamtgewicht betrachten wir mit ähnlichem Argwohn wie Tiere.  Sie sind mitunter ganz putzig, kennen aber keine Regeln und verhalten sich darum oft erratisch.  Aber wir wollen natürlich trotzdem nicht drüberfahren, also Obacht!

Und auch wenn’s natürlich heillos übertrieben ist: manchmal hilft mir diese Weisheit wirklich.  Nicht nur beim Unfälle-Vermeiden, sondern auch beim Nicht-drüber-Aufregen.  „Ooch, jetzt hupt der Kleine!  Ist er nicht niedlich?“  😉

Gesparte Minuten und vertrödelte Stunden

Es ist Donnerstagnachmittag.  Ich tuckere gemütlich in der Spätnachmittagssonne auf die Stadt zu, die heute mein Ziel ist, als eine SMS eintrifft: Morgen Möbelhaustour, Auflieger tauschen also nahe der Heimat und dann in den Norden zum Entladen.  Entladetermin: 15:00 Uhr.

Mist.

Denn drei Stunden kann das Entladen da schon mal dauern.  18:00 da weg, hat sich also was mit Stammtisch morgen abend.  Naja, andererseits, da steht ja vielleicht immer noch dieser außerplanmäßige leere Trailer von uns rum, vielleicht kann ich ja tauschen.  Die Dispo, danach befragt, meint: nö, da kommt noch ein Kollege mit 18:00-Termin, der darf dann tauschen.  Okay, seh ich ein: die arme Sau hat ja nun wirklich die noch größere Arschkarte gezogen als ich selber.

Aber er hat damit, das muß ich ihm lassen, besser gepokert als ich.

Freitag, 13:00.  Ich komme am Logistikzentrum an und meld mich an, „heute mal nicht zum Trailertauschen“, ja, sagen die, wissen wir, hat dein Kollege grad schon gemacht — der müßte dir doch entgegengekommen sein?  Äh.  Bitte was?  Naja, er war zu früh, aber wenn er tauscht, kann er ja trotzdem …

Schönen Dank auch.  Ich bin 2 h zu früh, in der (irrigen) Hoffnung, daß ich vielleicht auch etwas eher wegkomme, und er kommt 5 h zu früh und nimmt den leeren Trailer mit?  Grummel.

Bis dahin war aber noch alles okay, zumal unsere Dispo dann auch meinte, ja, dumm gelaufen, aber kannst ja mal kucken, ob der andere Trailer vielleicht eher leerwird als deiner, dann nimmste halt den.  So verbrachte ich dann einen bummeligen Nachmittag mit gelegentlichen Blicken in den linken Außenspiegel (ist meine Rampenampel schon grün?) und in einen strategisch auf dem Armaturenbrett verkeilten Handspiegel (ist die Rampenampel des anderen Trailers schon grün?). Letzteres trat zuerst ein.  Das alleine ist ja auch schon etwas stirnrunzelig: warum entladen die die 18:00-Tour, wo keiner auf den Trailer wartet, schneller als meine 15:00-Tour?  Da mein Trailer aber zu dem Zeitpunkt auch nur noch etwa viertelvoll war (wieder der Handspiegel, ein wahrhaft nützliches Utensil zum Spionieren!), habe ich aufs Umsatteln zunächst verzichtet.

Lustig wurde es bald darauf, als mein Trailer nun schon wirklich fast leer war, so gegen 16:00.  Anruf von der Dispo: Außer dir steht noch ein Trailer von uns ohne Zugmaschine an der Rampe, richtig?  Ja, sag ich, außer dem und mir steht hier sonst auch gar nix mehr auf dem Hof, und über den haben wir doch schon gesprochen vorhin.  Achja, sagt er, aber kannste mal bitte kucken, was damit ist?  Die meinen, sie können ihn nicht fertig entladen, der „steht scheiße“, was immer das bedeuten mag.  Klar, sag ich, ich kuck.

Links die Rampe, rechts der Auflieger, Blickrichtung in Fahrtrichtung von rechts nach links. Der blau markierte Anschlagpuffer des Aufliegers sollte fast am grün markierten der Rampe anliegen — und zwar beidseitig: die rote und gelbe Linie sollten deckungsgleich, zumindest aber nah zusammen und leidlich parallel sein.

Scheiße bedeutet also: Schräg, zu weit weg und außerdem auch vorne nicht weit genug hochgekurbelt.  Das fiel dem Entlader aber erst auf, als der zu zwei Dritteln entladene Trailer irgendwann so weit aus der Horizontalen kam, daß die Rampe nicht mehr bis auf den Trailer reichte.  Glücklicherweise ist er nicht mit dem Stapler in die Lücke gefallen.

Ich wußte zu dem Zeitpunkt noch von nichts und dachte, der wär halt nun leer.  Nach dem Anruf, einer kurzen Beaugapfelung der Situation und einem Gespräch mit den Staplerfahrern kam dann folgender Plan zustande: „in ein paar Minuten“, wenn mein Trailer leer wäre, möge ich doch bitte absatteln, unter den anderen fahren und den richtig hinstellen.  Den werde man dann auch „schnell“ entladen, dann könne ich den gleich mitnehmen statt des meinen?  Klar, sag ich, kein Ding, aber warum soll ich den nicht gleich wieder abstellen, wenn er richtig steht?  Ja, meint er, das ginge im Prinzip natürlich, aber da sei so schweres Zeug drauf vorne, das sei ihm ohne Zugmaschine drunter zu wacklig, und eigentlich dürften sie Trailer ohne Zugmaschine eh nicht mit dem Stapler entladen.

Dann nimm halt ne Ameise, denk ich bei mir und stimme aber trotzdem zu — jetzt ist auch egal, wann ich hier wegkomme, auf ne halbe Stunde mehr oder weniger sei nun auch geschissen.  Also geh ich erstmal zur Anmeldung — mein Trailer ist ja eh noch nicht ganz leer — und lasse mir dort den ausgeheckten Plan genehmigen.  Das dauert auch ein Viertelstündchen oder zwei, jedenfalls ist bei meiner Rückkunft an der Rampe mein Trailer leer.  Also sattel ich den ab und fahr unter den anderen.

Dabei kuckt man im Außenspiegel bei Schleichfahrt rückwärts dabei zu, wie die Hinterreifen der Zugmaschine unter der Unterkante des Trailers verschwinden.  Wenn auch die Tankdeckel verschwinden, ist die Position erreicht, in der man komfortabel Kabel und Schläuche anschließen kann.  Alles Routine.  Umso ungläubiger mein Blick, als stattdessen die Unterkante des Trailers im Spiegel hinter der Oberkante der Hinterreifen verschwindet — warte, was ist jetzt los?

Boah, ist der tief, Mann. (Das Weiße ist der Trailer.)

Hrmpf.  Und jetzt?  Hochkurbeln unter Last geht nicht, das hatte auch der Staplerfahrer schon versucht.  Jetzt hilft nur noch das Hebelgesetz: Was hinten runter kommt, kommt vorne hoch.  Also hinten Luft aus der Federung — was nicht viel bringt.  Bremse los, vielleicht ist da was verspannt?  Nachdem der Trailer mit zwei Unterlegkeilen gesichert ist, wage ich es, die Bremse zu lösen (ja, da gibt’s einen Knopf für, auch ohne Luft von der Zugmaschine) — nix.  Erst als der hilfreiche (keine Ironie, der Mann war wirklich nett) Staplerfahrer die Rampe mit einer Ecke auf den gerade noch erreichbaren Trailer legte, besann sich dieser auf die Schwerkraft und hob im Zeitlupentempo die Nase, während sein Hintern sich senkte.

Mittlerweile hatte sich auch ein Kollege (einer anderen Spedition, huhu Michael, falls Du das liest!) dazugesellt und half mir netterweise bei den -zig Gängen um die Fuhre — Bremse raus, Bremse rein, Stützen hoch, Stützen runter, hier kucken, da schätzen, da kommt was zusammen!  So dauerte es nur eine Dreiviertelstunde, bis ich endlich den Trailer auf der Zugmaschine hatte.  Gerade und bündig an die Rampe stellen war danach wieder Routine — 5 Minuten vielleicht.

Wer mitgerechnet hat: So ca. 17:15 war es also inzwischen wohl.

Leer war der Trailer dann um 18:20.  Hach, Leute.  Echt.  Da reißt man sich für euch den Arsch auf, und zum Dank laßt ihr einen noch eine Stunde warten?  Ernsthaft?  Ich mein, mir war’s egal, ich hab mit Michael gequatscht und, als dann der Regen einsetzte, angefangen diesen Artikel zu schreiben, aber ein ganz klein bißchen hättet ihr euch schon beeilen können.  So als Dank?  Vielleicht?

Mein ja nur.

Aber gut, der Staplerfahrer konnte ja am Ende nix dafür.  Richtig sauer bin ich deswegen auch nur auf den Kollegen mit der 18:00-Tour.  Nicht, weil er die Trailer getauscht hat — das hat er von der Dispo so gesagt bekommen, und die hätten ja auch stattdessen sowas ansagen können wie „wer zuletzt kommt, darf tauschen“.  Aber dann den Trailer so scheiße hinzustellen, das ist weder mangelnde Routine noch fehlendes Augenmaß, das ist einfach nur Wurschtigkeit und arschlochhafte Nach-mir-die-Sintflut-Attitüde, und sowas kann ich echt nicht ausstehen.

Naja, Kollege.  Ich weiß nicht wie du heißt, und ich weiß nicht für welchen Subunternehmer du arbeitest, aber du bist mir entgegengekommen in der Zufahrtsstraße, und ich kenne deine Zugmaschine und dein Gesicht.  Man trifft sich immer zweimal im Leben, an der Rampe eines gewissen Logistikzentrums im Norden.  Und nein, das ist natürlich keine Gewaltandrohung, ich bin ja Pazifist, aber ein paar harte Worte wirst du dir dann trotzdem anhören müssen.

Freitagstexter VIII

Wieder einmal habe ich den Freitagstexter weniger gewonnen als mich seiner erbarmt, aber was soll’s, es ist jedenfalls wieder Zeit, ein Bild zu betextuieren.  Dieses hier:

Hier könnte Dein Text stehen.

Die Regeln sind auch immer noch dieselben, aber wie jeder gute Moderator erkläre ich sie auch zum achten Mal noch gern: Gesucht ist eine Bildunterschrift zum obigen Bilde.  Die darf so lang, kurz, lustig, ernst, bizarr oder was auch immer sonst sein, wie es ihrer Autorenschaft gefällt — diesbezüglich gibt es genau keine Regeln.  Eine unumstößliche andere Regel allerdings gibt’s: es muß außer dem Text selbst auch eine Blogadresse (normalerweise die des eigenen Blogs natürlich) angegeben werden, in dem man im Siegesfalle den Wettbewerb am kommenden Freitag fortzuführen gedenkt.  Bei mehreren Einsendungen entscheidet nicht das Los, sondern ich, sprich der Ausrichter des dieswöchigen Bewerbs.  Und das war’s auch schon.  Tat doch gar nicht weh.

Was dieser in letzter Zeit beteiligungstechnisch unangenehm schwächelnden Tradition wieder auf die Beine helfen könne, das frug ich mich dieser Tage ein paarmal.  Eine Idee wäre: Mehr Followerpower!  Nicht daß ich da welche disponieren könnte — aber vielleicht kann es ja meine Leserschaft?  Wenn ja: Hier ist der Twitteraccount des Freitagstexters, und hier ist seine Homepage beim Wortmischer.  Rührt doch mal ein bißchen die Werbetrommel!

Und laßt mich bitte nicht so hängen wie meinen Vorgänger Rudolf und gebt mir Texte!  Ich will Texte!  🙂

Zauderers Siegeszug

Als ich meinen PKW-Führerschein gemacht habe, so Ende der 80er Jahre war das, war Überholen auf der Landstraße noch eine Kunstform — zumindest mit den lahmen Hebben, die wir damals so fuhren.  Da reichte es nicht aus, einfach rauszuziehen und draufzutreten, da wollte die Lücke im Gegenverkehr noch sauber abgepaßt sein: etwas zurückfallen lassen, dritter Gang, Vollgas und dann genau in dem Moment mit einem Dutzend km/h Geschwindigkeitsüberschuß auf den zu Überholenden hinter diesem rausziehen, wenn der Gegenverkehr vorbei ist.  Sonst konnte man es meistens gleich lassen.

„Dieter, halt die Klappe.  Was soll das werden?  Opa erzählt vom Krieg?“, schallt es aus den turbogeladenen Plasteimern allenthalben.  Äh, nö.  Nicht ganz.  Die Einleitung war nur nötig, um das Folgende zu verstehen.

Denn damals war es aber auch ganz normal, alles zu überholen, was nicht mindestens 100 fuhr.  Gut, okay, Zauderer gab es auch damals schon, weißhaarige Herr- und Damschaften in blankpolierten elfhunderter B-Kadett oder die letzten versprengten Hippie-Bullis, die mit asthmatischen knapp 50 PS sich schwertaten, ein paar hundert Kilo Batiktücher, Hasch und Wasserpfeifen mehr als nur meßbar zu beschleunigen.  Aber normale Leute?  Die wären nie länger als nötig hinter einem Laster hergegondelt.

Diese Zeiten sind vorbei.

Heute teilt sich das Volk der Vierrädrigen im Wesentlichen in zwei Kategorien: Zauderer und Wahnsinnige.  Die einen fahren (und dieser Satz ist ausnahmsweise mal keine Übertreibung) trotz kilometerlanger, schnurgerader, absolut leerer Straße vor mir brav im Gänsemarsch mit 65 hinter meinem Lastzug her, und die anderen preschen ab und zu mit 140 links an diesen Gänsemärschen vorbei, auch vor Kurven und Kuppen, über Sperrflächen und im Überholverbot.

Das Interessante dabei: Motorisch unterscheiden die sich kaum.  Heute gibt es ja eh keine lahmen Hebben mehr, außer ein paar Überlebenden von damals natürlich — auch ein moderner Kompaktwagen mit Basismotor schnellt vergleichsweise geradezu brachial vorwärts, wenn man den richtigen Gang wählt und ihm dann mal ordentlich auf den Kopp tritt.  Und trotzdem: sobald am Horizont, und sei er noch so weit weg, die Scheinwerfer des Gegenverkehrs auch nur zu erahnen sind, denken die Zauderer „och nöö, lieber nicht“.  Ich mein, ich hab da kein Problem mit, die Länge der Schlange hinter mir ist mir ja wurscht, aber ich versteh’s halt nicht und verstünde es gern.

Hm.  Vielleicht liegts ja an der (Un-)Sitte, auch am hellichten Tag mit Abblendlicht zu fahren?  Haben wir damals einfach überholt, weil wir den Gegenverkehr noch nicht so deutlich kommen sahen?

Erklärungsversuche wären mir jedenfalls willkommen.  Mehr Gelassenheit und weniger Zeitdruck können es ja eigentlich nicht sein, oder?

Das Denken ist nicht jedem gegeben

Lieber Mercedes-SL-Fahrer …

.. wenn Dir in einer leichten Linkskurve auf einer engen Dorfstraße ein Lastzug entgegenkommt, würde Dir da ein Zacken aus der Krone brechen, wenn Du die Kurve ausnahmsweise mal nicht schneiden tätest?  Der braucht nämlich ein bißchen Platz zum Ausholen, sonst muß er Deinetwegen voll in die Eisen, Du Dumpfbratze.

Liebe Hyundai-Tucson-Fahrerin …

… Du darfst ja gern auf der Autobahn Sattelzüge überholen, soviel Du willst, auch in der Baustelle, und auch mit weniger als einem km/h Differenzgeschwindigkeit.  Aber wenn Du dann vorbei bist und drei Meter weiter vorn fährst, könntest Du dann bitte wenigstens vermeiden, langsamer zu werden und gleichzeitig nach rechts zu driften, Du Knackwurst?

Lieber VW-Touran-Taxi-Fahrer …

… natürlich bedeutet „80“ nicht, daß Du mindestens 80 fahren mußt.  Aber wenn Du schon 75 fährst morgens um 4 auf einer menschenleeren Stadtautobahn mit einem Sattelzug in (automatisch geregeltem großzügigem) Sicherheitsabstand hinter Dir — würde es Dir da übermäßig schwerfallen, nicht an jeder Ausfahrt auf 65 runterzubremsen, während Dein armes kleines Hirn darüber nachdenkt, ob Du hier abfahren möchtest, Du Pansen?

Liebe Pedelec-Treterin …

… wenn ein Lastzug an  Dir, die Du auf dem Radweg mit vielleicht 20 km/h gemütlich dahinradelst, vorbeifährt und 50 Meter weiter vorn rechts zu blinken beginnt und so seine Abbiegeabsicht kundtut, wäre es da zuviel verlangt, wenn Du nicht plötzlich kraft Deines Akkus voll beschleunigst, um noch wenige Zentimeter vor der vorderen rechten Ecke der Zugmaschine laut fluchend über die schon seit geraumer Zeit rote Fahrradampel zu preschen, Du potentielle Selbstmörderin?

Lieber 3er-BMW-Cabrio-Fahrer …

… wenn Du schon einen Lastzug so knapp überholst, daß der in die Eisen muß, um Deinen Arsch vor dem Zerschellen am entgegenkommenden Sprinter zu retten, hättest Du dann wenigstens die Güte, nicht noch zu hupen und den Mittelfinger zu strecken, Du Arschloch?

Lieber Ford-Transit-Fahrer …

… es ist ja schön, wenn Du vor diesem auf Einfahrt zu einer Ladestelle wartenden Lastzug noch ein Plätzchen auf dem Seitenstreifen ergatterst, aber mußt Du da unbedingt vorwärts einparken und dann so schräg drin stehenbleiben, daß der partout nicht um die hintere Ecke Deines Gefährts herummanövrieren kann, wenn er denn endlich reinfahren darf?  Oder meinst Du, der wartet gern auf Dich, Du Pißnelke?

Lieber Iveco-Stralis-Fahrer …

… sicher verschafft es Dir eine tiefe innere Befriedigung, den überholenden MAN TGX durch Beschleunigen von Deiner üblichen Reisegeschwindigkeit von 78 km/h auf die für uns alle gleichen abgeregelten 89 am Beenden des Überholvorgangs zu hindern, nur um ihn nach seinem Wiedereinscheren hinter Dir wieder auf 78 herunterzubremsen, aber ganz ehrlich: wird Dir das nach dem dritten Mal nicht selbst langweilig, Du Kollegenschwein?

Lieber Kradler …

… natürlich hast Du genauso ein Recht auf Deine Fahrspur wie wir alle, aber hey, willst Du wirklich behaupten, Du bräuchtest die vollen drei Meter, auch wenn Dir auf den anderen drei Metern ein Lastzug entgegen kommt, der wegen überhängender Äste gern ein klein wenig weiter mittig führe — und meinst Du, es ist Deiner Lebenserwartung förderlich, den lieber zu einer Notbremsung zu zwingen, als ein kleines bißchen weiter rechts zu fahren, Du Sackratte?

Lieber Opel-Corsa-Fahrer …

… natürlich gibt es innerorts kein generelles Überholverbot, aber es gibt Einmündungen, und auch auf der linken Straßenseite.  Da kommen manchmal auch Lastwagen raus und biegen rechts ab.  Wenn Du also überholst, zum Beispiel einen anderen Lastzug, zum Beispiel meinen, dann kommen die Dir entgegen.  Und ihre Fahrer kucken vielleicht gerade in den Spiegel, um keine Radler zu überfahren (s.o.), wenn Du ausscherst.  Und wenn dann der von Dir überholte Lastwagen hupt, dann heißt das nicht zwingend oder zumindest nicht zwingend nur „ey Du Pappnase, was überholst Du mich“, sondern eventuell auch oder sogar überwiegend „hey Kollege, mich überholt grad einer, bleib mal stehen“.  Und Du wirst lachen: das funktioniert auch, und weil dann beide Laster in die Eisen gehen, bleiben nicht nur Deine Knochen, sondern sogar Deine Kotflügel heil.  Zum Dank mit der Faust zu drohen ist nicht wirklich eine angemessene Reaktion, Du (ich wiederhole es gern) Pappnase.

Und ja, ich weiß, die meisten von Euch fahren rücksichtsvoll, viele sogar ausgesprochen höflich.  Und ich will auch keinesfalls Ausreden liefern, warum viele meiner Kollegen Euch gegenüber auch nicht gerade ein Ausbund an Höflichkeit und Rücksicht sind.  Aber trotzdem: das da oben ist die Ausbeute eines einzigen Tages — ich finde, es grenzt an ein Wunder, daß uns nicht öfter der Kragen platzt.

Denkt mal drüber nach.

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