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rants.txt – ungefilterter Meinungsblog
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Rants – wenn's mal raus muss

Alles hier ist persönliche Meinung. Geschrieben meistens kurz nachdem irgendwas passiert ist das mich aufgeregt hat. Nicht alles davon ist fair. Manches davon ist beim Schreiben schon wieder etwas relativiert worden. Das meiste davon stimmt trotzdem.

Ich bin kein besonders wütender Mensch. Meistens. Aber nach zwanzig Jahren in der Webentwicklung hat man gewisse Dinge zu oft gesehen, zu oft erklärt, zu oft geerbt und zu oft wieder repariert um noch vollständig gelassen zu bleiben. Das hier ist der Abstellraum für diese Momente.

Rants sind auf diesem Blog schon seit 2005 ein gelegentliches Format – damals noch ohne das Wort dafür, einfach als Beiträge die ein bisschen grantiger waren als die anderen. Inzwischen haben sie eine eigene Kategorie. Das sagt vermutlich was über die Entwicklung meiner Geduld aus. Oder über die Entwicklung der Branche. Wahrscheinlich beides.

Was hier nicht steht: Hassbeiträge, persönliche Angriffe, Politik. Was hier steht: Dinge die mich als Entwickler beschäftigen, nerven oder einfach nicht loslassen. Meistens technisch, manchmal meta, gelegentlich einfach menschlich. Immer mit dem Ziel dass man hinterher irgendwas gelernt hat – auch wenn's nur ist dass man mit dem Problem nicht allein ist.

Aktuelle Rants

Scrum hat mein Leben nicht verbessert
Ärger:
85%

Ich hab Scrum in vier verschiedenen Teams erlebt. Zwei davon haben's ernsthaft versucht, eines hat's halbherzig eingeführt weil der neue Projektmanager einen Kurs gemacht hatte, und eines hat's nach drei Sprints wieder abgeschafft und seitdem läuft alles besser. Ich sag nicht dass Scrum grundsätzlich schlecht ist. Ich sag dass Scrum in der Praxis meistens zu einem 45-minütigen Daily degeneriert wo zehn Leute am Tisch sitzen von denen sieben nichts zu sagen haben aber trotzdem drei Sätze sagen, gefolgt von einem Refinement das eigentlich ein normales Gespräch hätte sein können und einem Retrospektiven-Meeting das nichts ändert weil die Punkte aus dem letzten Monat immer noch offen sind.

Was ich stattdessen haben will: klare Aufgaben, realistische Deadlines, direkte Kommunikation wenn was nicht klappt und die Freiheit einen Vormittag in Ruhe zu coden ohne dass jemand fragt ob das schon im Backlog ist. Das klingt simpel. Ist es auch. Meistens.

Buzzwords die ich nicht mehr hören kann – eine alphabetische Liste
Ärger:
70%

Agile. Disruptiv. Skalierbar. Synergie. Pivot. Deep Dive. Paradigmenwechsel. Holistische Herangehensweise. Mehrwert schaffen. Best Practice. Low-hanging Fruit. Bandbreite. Auf dem Schirm haben. Kurz Abholen. Das zum Anlass nehmen. Und natürlich: "wir müssen das kurz abstimmen" – das Buzzword das kein Buzzword ist aber trotzdem jeden Nachmittag zerstört.

Ich hab mal in einem Meeting gezählt: in 40 Minuten kamen sechzehn dieser Formulierungen vor. Sechzehn. Es wurde kein einziges Ergebnis produziert. Die Korrelation ist, glaube ich, kein Zufall. Sprache die nichts sagt schützt davor Entscheidungen zu treffen die man dann auch verantworten muss. Das ist das eigentliche Problem. Der Beitrag geht das durch – was die Wörter bedeuten sollen, was sie wirklich bedeuten, und warum "ich weiß es nicht" manchmal das Mutigste ist was man sagen kann.

Warum ich keine Anfragen mehr per WhatsApp beantworte
Ärger:
78%

Es hat 2021 angefangen. Jemand hat meine Nummer irgendwo gesehen und mir eine WhatsApp geschickt mit einem Screenshot, kein Text drumherum, keine Erklärung, einfach ein Bild von einem PHP-Fehler. Ich hab geantwortet. Das war ein Fehler. Denn danach kamen mehr. Und irgendwann hab ich samstags um 11 Uhr abends "kannst du kurz" gelesen und mich gefragt wie das passieren konnte.

Die Antwort ist: ich hab keine klaren Grenzen gesetzt und stattdessen nett sein wollen. Beides gleichzeitig geht nicht dauerhaft. Seit Anfang 2023 gibt es für fachliche Anfragen ausschließlich die Kontaktseite und E-Mail. Die Antwortzeit ist ehrlich gesagt nicht schlechter geworden. Die eigene Gesundheit schon besser.

Das Internet vergisst doch – und das ist manchmal ein Problem
Ärger:
45%

Weniger Rant, mehr nachdenklicher Beitrag. Links gehen tot. Seiten verschwinden. Tutorials die 2012 goldrichtig waren sind heute nicht mehr abrufbar, obwohl Leute sie noch zitieren. Stackoverflow-Antworten die jahrelang das einzige funktionierende Codebeispiel für ein Problem waren – weg. Wayback Machine hilft manchmal, manchmal nicht. Ich hab angefangen wichtige Quellen lokal zu archivieren weil ich gelernt hab dass "der Link ist ja noch da" keine verlässliche Aussage ist. Was das mit dem kollektiven Gedächtnis der Webentwicklung macht – darüber geht der Beitrag. Kein Ärger, eher Melancholie.

Freitagstexter III – Schreiben als Ventil
Ärger:
20%

Nicht wirklich ein Rant – eher ein Beitrag über das Schreiben selbst. Ich hab 2018 an einem Schreibprojekt teilgenommen namens Freitagstexter, wo mehrere Blogs wöchentlich einen Text zu einem gemeinsamen Thema veröffentlicht haben. Hat Spaß gemacht. Hat gezeigt dass Schreiben mehr ist als nur Dinge dokumentieren – es ist auch Denken. Der dritte Teil davon steht hier, weil er immer noch einer der persönlichsten Texte auf diesem Blog ist. Auch wenn er mit Programmierung genau gar nichts zu tun hat.


→ alle 11 Rants im Archiv